https://www.faz.net/-gpf-abib2

90 Verletzte : Schwere Zusammenstöße am Jerusalemer Tempelberg

  • Aktualisiert am

Israelische Polizisten in der Nähe des Damaskus-Tors in Jerusalem Bild: Reuters

Den zweiten Abend in Folge kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Demonstranten und israelischen Sicherheitskräften. 90 Personen wurden verletzt. Aus dem Ausland schaltet sich Präsident Erdogan ein.

          2 Min.

          Bei neuen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten in Jerusalem sind am Samstagabend nach Angaben von Rettungskräften rund 90 Menschen verletzt worden. „Wir zählen bislang 90 Verletzte“, sagte ein Sprecher des palästinensischen Roten Halbmonds der Nachrichtenagentur AFP. 16 von ihnen seien ins Krankenhaus gebracht worden, berichtete der israelische Rundfunk ferner unter Berufung auf palästinensische Sanitäter.

          Ein israelischer Polizeisprecher sagte am Sonntag, es sei sowohl am Damaskustor – einem der Eingänge zur Altstadt – als auch im Bereich des Tempelbergs (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) zu Konfrontationen gekommen. Es gab mehrere Festnahmen. Laut der Zeitung „Haaretz“ hatten dort am Abend Zehntausende Muslime auf dem Gelände um die Al-Aqsa-Moschee zum Ende des Fastenmonats Ramadan teilgenommen. In der Nähe des Damaskustors bewarfen palästinensische Demonstranten die Sicherheitskräfte nach Polizeiangaben mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern. Die Polizisten setzten nach Medienberichten Gummigeschosse, Tränengas und Blendgranaten ein.

          Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee ist sowohl die drittheiligste Stätte im Islam als auch im Judentum von größter Bedeutung, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

          Aus dem Ausland reagierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die schweren Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Erdogan bezeichnete Israel als „Terrorstaat“. Das „grausame Israel, der Terrorstaat Israel“ greife „brutal und unmoralisch“ Muslime in Jerusalem an, sagte Erdogan am Samstagabend. Er rief die Vereinten Nationen, die Organisation für islamische Zusammenarbeit und weitere internationale Organisationen dazu auf, aktiv zu werden. Eine Welt, die Jerusalem und die Muslime nicht schützen könne, habe sich selbst verraten, sagte Erdogan.

          Eskalation der Gewalt

          Bereits in der Nacht auf Samstag war die Lage rund um die Altstadt und das Viertel Scheich Dscharrah eskaliert, auch hier konzentrierte sich die Gewalt auf das Tempelberg-Areal. Von mehr als 200 Verletzten war danach die Rede, die Polizei sprach von über einem Dutzend Sicherheitskräften, die im Einsatz verletzt worden seien.

          Die Lage im Westjordanland und im Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind wütend, weil die israelische Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hat, um Versammlungen zu verhindern.

          Derzeit gibt es zudem wegen drohender Zwangsräumungen für palästinensische Familien im von Israel annektierten Ost-Jerusalem massive Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern. Seit einigen Tagen kommt es deswegen täglich zu teils gewaltsamen Protesten.

          Weitere Themen

          Putin beschwört Russlands Größe

          80 Jahre nach Angriff : Putin beschwört Russlands Größe

          Zum 80. Jahrestag des Überfalls von Hitler-Deutschland auf die Sowjetunion erinnert Wladimir Putin an die Gräuel der Nazis. In einem Gastbeitrag wiederholt er Vorwürfe gegen EU und NATO.

          Union sieht Verantwortung bei Scholz Video-Seite öffnen

          Wirecard-Skandal : Union sieht Verantwortung bei Scholz

          Der Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Wirecard-Untersuchungsausschuss, Matthias Hauer, hat in dem Skandal schwere Vorwürfe gegen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erhoben.

          „Wir sind nicht mehr im Mittelalter“

          Asselborn kritisiert Ungarn : „Wir sind nicht mehr im Mittelalter“

          Mehrere EU-Staaten halten Budapest vor, es diskriminiere mit einem neuen Gesetz sexuelle Minderheiten. Orbáns Außenminister entgegnet: Es dürfe nicht sein, dass Kinder durch sexuelle „Propaganda“ verdreht würden.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.