https://www.faz.net/-gpf-abjeh

Neue Gewalt in Israel : Hunderte Verletzte bei Auseinandersetzungen auf dem Tempelberg

  • Aktualisiert am

Polizisten nehmen einen Demonstranten nahe dem Damaskustor in Gewahrsam. Bild: AP

Auf dem Tempelberg in Jerusalem ist es am Morgen zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei gekommen. Es habe Hunderte Verletzte gegeben, berichten Rettungskräfte.

          2 Min.

          Auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) in Jerusalem ist es am Montagmorgen zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Im Internet übertragene Bilder zeigen, wie Polizisten vor der Al-Aqsa-Moschee Blendgranaten abfeuerten. Palästinenser bewarfen sie mit Steinen. Eine Polizeisprecherin erklärte, die Polizei werde es nicht zulassen, dass „Extremisten“ die öffentliche Sicherheit gefährdeten. Es habe Hunderte Verletzte gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Rettungskräfte.

          Militante Palästinenser feuerten am Montag abermals Raketen auf das israelische Grenzgebiet. In der Grenzstadt Sderot und anderen Orten heulten nach Militärangaben am Morgen die Warnsirenen. Es seien drei Geschosse abgefeuert worden. Eines davon habe offensichtlich die Raketenabwehr abgefangen.

          Am Sonntagabend hatten militante Palästinenser bereits vier Raketen in Richtung Israel abgeschossen. Außerdem wurden Spreng- und Brandballons über die Grenzanlage geschickt. Israelische Panzer beschossen daraufhin Stützpunkte der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas. Israel schloss auch den Erez-Grenzübergang zum Palästinensergebiet. Am Sonntagabend hatte Israel nach einer neuen Eskalation der Gewalt die Fischereizone vor dem Gazastreifen bis auf weiteres geschlossen.

          Netanjahu: Religionsfreiheit für alle

          Gleichzeitig mit der Eskalation der Gewalt vor allem in Ost-Jerusalem hatten die Angriffe auf Israel aus dem Gazastreifen zuletzt wieder zugenommen. Mit Blick auf den israelischen Jerusalem-Tag an diesem Montag hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gesagt, man werde Religionsfreiheit für alle wahren, aber keine Gewalt dulden. Israel feiert am Jerusalem-Tag die Eroberung des Ostteils mit der Altstadt während des Sechstagekriegs im Jahr 1967. Die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

          In der Nacht zu diesem Montag kam es in der Stadt zu neuen Konfrontationen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei. Am Damaskustor warfen Demonstranten nach Polizeiangaben Steine und Flaschen auf Sicherheitskräfte. Nach Medienberichten verwendeten diese daraufhin Blendgranaten und Wasserwerfer, um die Randalierer auseinander zu treiben. Auch in dem Viertel Scheich Dscharrah in Ost-Jerusalem kam es wieder zu Auseinandersetzungen.

          Palästinensische Familien fürchten Zwangsräumung

          Aus mehreren anderen Städten wurden ebenfalls Proteste gemeldet, etwa aus der israelischen Hafenstadt Haifa, wo es Festnahmen gegeben habe, nachdem Demonstranten versuchten, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Bei heftigen Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften wurden in der Jerusalmer Altstadt seit Freitag rund 300 Palästinenser und rund 20 Polizisten verletzt. Aus Sorge vor neuer Gewalt zwischen beiden Seiten verbot die israelische Polizei Juden am Montag, bei Flaggenmärschen durch die Altstadt auch den Tempelberg zu betreten.

          Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Viele Palästinenser sind zornig, weil die Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hatte, um Versammlungen zu verhindern. Außerdem drohen einigen palästinensischen Familien im Stadtteil Scheich Dscharrah Wohnungsräumungen durch israelische Behörden. Die islamistische Hamas erklärte sich mit den Demonstranten solidarisch. Bei Ramadan-Gebeten auf dem Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt wurden zuletzt auch Hamas-Flaggen geschwenkt.

          Die amerikanische Regierung zeigte sich beunruhigt über die Lage in Jerusalem. Der Nationale Sicherheitsberater von Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, habe in einem Telefonat mit seinem israelischen Amtskollegen Meir Ben-Shabbat betont, die Vereinigten Staaten bemühten sich um eine Deeskalation, teilte das Weiße Haus am Sonntag (Ortszeit) mit. Die Vereinigten Staaten seien besorgt über möglichen Räumungen palästinensischer Häuser im Stadtteil Scheich Dscharrah. Der Beschuss Israels aus dem Gazastreifen sei inakzeptabel. UN-Generalsekretär António Guterres fordere Israel auf, „maximale Zurückhaltung“ zu üben, erklärte ein Sprecher der Vereinten Nationen in New York in der Nacht zum Montag.

          Weitere Themen

          Ultrakonservativer auf dem Weg ins Präsidentenamt Video-Seite öffnen

          Iran : Ultrakonservativer auf dem Weg ins Präsidentenamt

          Mangels Alternativen wird der Ultrakonservative Ebrahim Raisi wahrscheinlich nächster iranischer Präsident. Moderate Bewerber wurden bereits im Vorfeld aussortiert. Die Opposition hat zum Boykott der Präsidentenwahl aufgerufen.

          Topmeldungen

          Moderne Gesellschaften : Die Zukunft der Jugend

          Zwischen Aktivismus und Hedonismus: Was haben junge Leute für Perspektiven in einer Gesellschaft, in der am liebsten alle „forever young“ wären? Über ihre Zukunft zu sprechen scheint paradox.
          In einem mobilen Impfzentrum im sächsischen Markkleeberg lässt sich eine Bürgerin am 10. Mai 2021 gegen Covid-19 impfen.

          Repräsentative Studie : Was die Sachsen über Corona denken

          Ist Sachsen ein Land der „Querdenker“? Ja und nein, ergab eine repräsentative Studie. Besonders weit gehen die Meinungen bei Leuten auseinander, die selbst eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben.
          Der Kiessee: Göttingen ist laut der EU-Umweltagentur EEA die deutsche Stadt mit der besten Luftqualität.

          Rangliste : Wo die Luft am besten ist

          Wie steht es um die Luftqualität in Städten Europas? Diese Frage beantwortet die EU-Umweltagentur mit einer Liste von mehr als 320 Städten. Wo landen die deutschen Vertreter?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.