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Jerusalem : Der häßliche Kampf im Patriarchat

  • -Aktualisiert am

Patriarch Irineos wurde gegen das Kirchenrecht abgesetzt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Vor der Wahl eines neuen Patriarchen von Jerusalem könnte Erzbischof T. dem amtierenden Patriarchen Ireneos nachfolgen. Doch T. soll an einem fragwürdigen Kaufvertrag über zwei Hotelgrundstücke beteiligt gewesen sein.

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          In der nächsten Woche steht ein weiterer Wahlgang an zur Bestimmung eines neuen Patriarchen von Jerusalem. Der amtierende Patriarch Ireneos wurde zwar gegen das Kirchenrecht abgesetzt. Aber er kann auch nicht weiter amtieren. Nun könnte ihm jener Erzbischof T. nachfolgen, der stets schon Patriarch werden wollte.

          Er soll nach den Belegen palästinensischer Anwälte daran beteiligt gewesen sein, daß es israelischen Unterhändlern gelang, einen juristisch fragwürdigen Kaufvertrag über zwei Hotelgrundstücke am Jaffa durchzusetzen; über einen mittlerweile geflohenen Mittelsmann von Ireneos. Über die Hotels wird derzeit zwischen palästinensischen und israelischen Anwälten verhandelt.

          Im Patriarchat wird gekämpft

          Der israelische Jerusalem-Minister Hanegbi möchte von der griechischen Kirche Grundstücke erhalten. Wenn sich schon die fragwürdigen Hotels nicht erwerben lassen, läßt sich vielleicht die in Korruption verstrickte Kirche dazu bringen, den Vertrag über die Grundstücke der Knesset um weitere 99 Jahre zu verlängern, weil der jetzige in 39 Jahren ausläuft?

          Im Patriarchat wird gekämpft. Längst ist nicht mehr eindeutig, wer auf welcher Seite steht. Ireneos wurde im Frühling von seiner Synode entmachtet. Israel, die Autonomie und Jordanien, - die drei Obrigkeiten, die den Patriarchen anerkennen müssen, denken unterschiedlich über Ireneos. Israel ist der Mann egal, so lange es Land erhalten kann.

          Die Autonomie hat sich vor Monaten von Irenios distanziert. Sie warf ihm vor, die beiden Hotels verkaufen zu wollen. Seither haben zwar palästinensische Anwälte herausgefunden, daß das nicht stimmt. Dennoch will die Autonomie ihr Urteil nicht revidieren. Interessierte Kreise sollen Jordanien mit Geld dazugebracht haben, sich gegen Ireneos zu stellen. Es gibt noch eine weitere Macht, die ihren Einfluß spielen läßt: Griechenland will vor allem eines, der Patriarch von Jerusalem muß weiter ein Grieche sein.

          Alles eine Frage des Geldes

          Die griechische Kirche verfügt über enormen Grundbesitz in Jerusalem und in Israel. Das macht sie interessant für die Israelis, die diese Stadt mit ihrem vielfältigen Charakter vorrangig jüdisch machen möchte. Israelische Grundstückshaie, meist Siedlergruppen mit ausländischem Geld, und ihre Anwälte entdeckten die griechische Kirche als eine korrupte Institution, in der man mit Geld seine Ziele erreichen kann. Das wurde nur möglich, weil die griechische Führung dieser ältesten Kirche auf Erden ihre Bindung zur Gemeinde und zu deren Land verloren hat.

          Die arabischen Kirchgänger sind ohne Einfluß. Sie würden die Intrige um den Griechen Ireneos gerne dazu nutzen, den palästinensischen Belangen mehr Geltung zu verschaffen. Längst ist der zweifelhafte Verkauf der beiden Grundstücke am Jaffa-Tor ein Thema für die Politiker. Ein Ratgeber und Anwalt von Premier Scharon, rief vor Wochen bei der palästinensischen Regierung in Ramallah an und bat, alles dafür zu tun, damit die Affäre Ireneos „nicht zu einem Fall für die Polizei wird“. Alles sei eine Frage des Geldes.

          Verträge ungültig?

          Dick ist mittlerweile die „Akte Ireneos“, voll gespickt mit Daten, Augenzeugenberichten, Zahlen und Namen, die vorerst ungenannt bleiben sollen. Da liegen auch vier rechtlich unhaltbare Kaufverträge, mit denen der griechische Gewährsmann des Patriarchen Ireneos, Papadimos am 16. August 2004 das „Imperial-Hotel“ am Jaffa-Tor für 1,25 Millionen Dollar und am selben Tag auch das „Petra-Hotel“ für 400.000 Dollar auf 99 Jahre an eine Off-Shore-Gesellschaft abtrat. Am 19. August gab er ein weiteres, kleineres Grundstück für 55.000 Dollar und am 23. August 2004 das vor 15 Jahren bereits von Siedlern besetzte St. Johannes-Hotel im Muristan für 500.000 Dollar ab.

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