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Corbyn suspendiert : Labours Schande

Suspendiert: Der frühere Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn. Bild: AFP

Nun ist es parteiamtlich. Unter Jeremy Corbyns Vorsitz wurde der Antisemitismus in der Labour-Partei verharmlost und salonfähig. Der Ausschluss des Altlinken ist folgerichtig.

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          Was Kritiker ihr schon lange vorwerfen, hat nun die Kommission für Gleichheit und Menschenrechte bestätigt: In der Labour-Partei hat es antisemitische Tendenzen, Schikanen und Diskriminierung gegeben. Die Führung der Partei habe viel zu wenig getan, um den Antisemitismus aus ihren Reihen, Äußerungen und Schriften zu tilgen. Ja, die Führung sei nicht wirklich zum Kampf dagegen bereit gewesen, auch nicht, als mehrere Abgeordnete die Partei aus Protest verließen.

          Das ist ein vernichtendes Urteil; es gilt Labour insgesamt und in Sonderheit dem früheren Vorsitzenden Corbyn. Der hielt noch nach der Veröffentlichung des Berichts – sein Nachfolger Starmer sprach zerknirscht von einem „Tag der Schande“ – die ganze Sache für übertrieben. Die Suspendierung seiner Parteizugehörigkeit und sein Ausschluss aus der Unterhausfraktion sind (folge-)richtig.

          Wie verbreitet, sogar verwurzelt der Antisemitismus gewesen sein muss und womöglich noch ist, zeigt das Versprechen Starmers, nun werde die „Kultur“ in der Partei geändert. Der störrische und ideologisch verbohrte Altlinke Corbyn, der lieber Freund der Hamas war als resoluter Kämpfer wider den Antisemitismus, hat Labour großen Schaden zugefügt: Unter seiner Führung war die Partei ein Totalausfall als berechenbare Opposition; der Verlust moralischer Klarheit wiegt ebenso schwer. Das Verdikt der Wähler im Dezember war verheerend. Bleibt nur zu hoffen, dass sich unter Starmer Labour rehabilitieren und erneuern kann.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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