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Jenseits vom Brexit : Johnsons Drohungen

Verheißungen und Drohungen: Johnson gab sich kämpferisch Bild: Reuters

Der britische Premierminister wollte beweisen, wie hart er mit der EU verhandelt. Doch die sitzt nicht am kurzen Hebel: Es geht für das Königreich um fast die Hälfte seiner Exporte.

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          Dass das Vereinigte Königreich die EU verlässt, nur um sich wieder an deren Regeln zu binden, ist selbst für jene schwer vorstellbar, die den Brexit für eine große Torheit halten. Sosehr Premierminister Johnson in der Innenpolitik einen zentristischen Kurs fahren wird, so „hart“ dürfte er gegenüber der EU auftreten, rhetorisch und in der Sache.

          Die Rede, in der er das Ziel seiner Regierung für die Verhandlungen mit Brüssel darlegte, ein Handelsabkommen nach dem Kanada-Muster, gab schon mal einen Vorgeschmack. Sie enthielt Verheißungen – und Drohungen: Wenn es keine Einigung gebe, dann würden eben die WTO-Bedingungen gelten.

          Aber mit dieser Drohung ist es so eine Sache. Denn von den Folgen wären natürlich auch die „eigenen“ Exporte in die EU betroffen, die, immerhin, knapp 50 Prozent des Gesamtexports ausmachen. Die Wettbewerbsposition würde schlechter werden. Generell werden sich die Unternehmen diesseits und jenseits des Kanals darauf einstellen müssen, dass nach Ende der Übergangszeit der Warenverkehr nicht mehr so reibungslos abgewickelt werden kann wie bis dahin. „Out“ heißt „out“.

          Zur Erinnerung: Es dauerte fünf Jahre, bis das Kanada-Abkommen in (fast) trockenen Tüchern war; es gab noch Nachverhandlungen. Das Zeitfenster ist also eng. Beide Seiten sollten sich mit Ernst und dem Willen an die Sache machen, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Das Publikum hat nun oft genug gehört, wie großartig die Zukunft eines „entfesselten“ Königreichs sein werde.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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