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Konflikt im Jemen : Das grausame Ende des Schlangentänzers

Rache für den „Verrat“: Houthi-Kämpfer am Montag nahe Salihs Residenz in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa Bild: AFP

Drei Jahrzehnte lang hatte Ali Abdullah Salih im Jemen geherrscht. Bei dem Versuch der Rückkehr an die Macht wurde ihm die eigene Intrige zum Verhängnis.

          Ein Tanz mit Schlangen – mit diesen Worten hat Ali Abdullah Salih die Politik im Jemen vor einigen Jahren beschrieben. Und Salih beherrschte diesen Tanz. Er war berüchtigt für seine Finten, seine Gabe, Intrigen zu spinnen, zu manipulieren. Doch sein jüngstes Ränkespiel hat Salih nun offenbar mit dem Leben bezahlt. Am frühen Montagnachmittag meldet der Radiosender des von den Houthi-Rebellen kontrollierten Innenministeriums, der frühere Machthaber sei getötet worden.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der saudische Sender Al-Arabija zitiert Funktionäre aus Salihs alter Staatspartei „Allgemeiner Volkskongress“, die den Tod bestätigen. Zuvor schon kursierten Bilder, die den Leichnam eines Mannes zeigen, der wie Salih aussieht. Eine verwackelte Videoaufnahme zeigt den Toten, gezeichnet von einer schweren Kopfverletzung, einen blutverschmierten Verband um den Bauch. Bewaffnete wickeln den leblosen Körper in eine bunte Decke, zerren ihn von der Ladefläche eines Pritschenwagens, rufen triumphierend „Allahu akbar!“. Im Hintergrund ist Gewehrfeuer zu hören.

          Neue Gegner wurden in die Ecke gedrängt

          Nur vierundzwanzig Stunden zuvor schien es, als sei Salih wieder einmal ein Coup geglückt. Er kündigte sein Zweckbündnis mit den Houthi auf und veränderte damit die Konstellation des seit 2015 andauernden Abnutzungskrieges dramatisch. Mehr als zwei Jahre hatten die von Iran unterstützten Houthi und Salihs Truppen an der Front zusammengestanden. Sie kämpften gegen die Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition, welche die Hadi-Regierung unterstützt.

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          Am Samstag erklärte Salih in einer Fernsehansprache die Allianz für nichtig und bot der Koalition an, „ein neues Kapitel aufzuschlagen“. Prompt flogen die Bomber des Riader Bündnisses Angriffe auf Houthi-Stellungen in der Hauptstadt Sanaa und ihrer Umgebung. Die Koalition lobte die Kehrtwende des früheren Machthabers, dessen Truppen innerhalb der Stadt vorrückten. Die Houthi, die vor Wut über den „Verrat“ schäumten, waren in die Ecke gedrängt. Wieder einmal hatte sich der Schlangentänzer durch eine Intrige in eine gute Machtposition gebracht.

          Houthi erlangten schnell die Kontrolle

          Aber Salih hatte die Houthi offenbar unterschätzt. Die schiitischen Rebellen aus dem Norden schlugen zurück. Das Innenministerium verkündete am Montag, die „verräterischen Milizen“ seien geschlagen, ihr Anführer getötet worden. Sicherheitsfachleute in Sanaa meldeten schon am Sonntagabend, die Houthi hätten die Kontrolle über mehrere strategisch wichtige Gegenden wiedererlangt.

          Der Ausbruch der heftigen Gefechte am Samstag habe sie zunächst offenbar überrascht, hieß es. Die Houthi schlossen die Fernsehsender, die zum Lager des „Allgemeinen Volkskongresses“ zählen, nahmen Salih damit ein wichtiges Mittel, seine Anhänger zu mobilisieren und die Deutungshoheit über die Schlacht um Sanaa zu übernehmen. Die Häuser der Salih-Familie wurden zu Kriegsschauplätzen. Auch das Haus von Ali Abdullah Salih wurde nach Berichten von Einwohnern unter Beschuss genommen.

          Über drei Jahrzehnte an der Staatsspitze

          Salih wurde 1942 als eines von acht Kindern in der Kleinstadt Beit al Ahmar nahe Sanaa geboren. Die Familie gehörte zwar zur mächtigen Stammesföderation der Haschid, dort aber nur zum wenig bedeutenden Stamm des Sanhan. Seine einzige formale Ausbildung erhielt er in Koranschulen. Salihs Biographie ist ein Beispiel dafür, wie die Armee für viele in der arabischen Welt lange Zeit der einzige Weg eines gesellschaftlichen Aufstiegs war. Im Alter von 16 Jahren wurde er Soldat.

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