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Jemen-Konflikt : Warum die Houthi-Rebellen es Biden im Jemen schwer machen

Anhänger der jemenitischen Houthi-Rebellen demonstrieren am 25. Januar in Sanaa gegen die amerikanische Regierung. Bild: dpa

Washington streicht die Houthi von der Terrorliste – und auch Saudi-Arabien hofft auf einen gesichtswahrenden Ausweg aus dem Krieg im Jemen. Aber prompt starten die schiitischen Rebellen eine Offensive. War Joe Biden voreilig?

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          Den Tag, an dem Martin Griffiths, der UN-Sondergesandte für den Jemen, nach Iran reiste, verschärften die von Teheran unterstützten Houthi-Rebellen die Konfrontation. In der Provinz Marib begann am Sonntag eine Offensive. „Die Lage ist unklar. Einige Stämme haben sich wieder den Houthi angeschlossen, und welche es am Ende sind, davon hängt der Verlauf der Front ab“, berichtete am Montag ein jemenitischer Sicherheitsexperte in der Hauptstadt Sanaa am Telefon. 

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Das Signal, das von dem neuen Vorstoß der schiitischen Rebellen ausgeht, ist indes eindeutig: Präsident Joe Biden wird es sehr schwer haben, seine Initiative für einen Frieden im Jemen zum Erfolg zu führen. Er hat die amerikanische Unterstützung für den saudisch geführten Angriffskrieg im Jemen eingestellt und den Vorstoß der Trump-Administration rückgängig gemacht, die Houthi als Terrororganisation zu sanktionieren. „Man kann jetzt aber kaum erwarten, dass jetzt alle Beteiligten plötzlich mit dem aufhören, was sie über Jahre betrieben haben“, sagt der jemenitische Sicherheitsexperte. 

          Wer hat Interesse am Ende des Krieges? 

          Skeptische Töne sind auch von westlichen Diplomaten zu hören. Ein solcher amerikanischer Schritt hätte weit größere Wirkung entfaltet, wäre er in das erste oder zweite Jahr des saudisch geführten Feldzugs im Jemen gefallen, heißt es von westlichen Diplomaten. Unter der Regie des jetzigen saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman hatte im März 2015 eine internationale Militärkoalition an der Seite der Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi im Jemen interveniert, nachdem die Houthi im September 2014 die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht hatten, im Anschluss bis in die südjemenitische Hafenstadt Aden vorgerückt waren und Hadi ins Exil getrieben hatten.

          Bild: liveuamap

          Nach fast sechs Jahren eines erfolgsarmen Feldzugs, der den Jemen in eine dramatische humanitäre Krise gestürzt hat, gibt es eine weit längere Liste von Akteuren, die kein Interesse an einem Ende des Krieges haben. Dieser hat einige weitere örtliche Konflikte aufs Neue entfacht. In Aden nehmen die Spannungen zwischen Hadis Lager und den südjemenitischen Separatisten ebenso zu wie die Sicherheitszwischenfälle. Die Provinz Marib und ihre gleichnamige Hauptstadt, die jetzt unter enormem militärischem Druck stehen, sind einer der wenigen Orte, die nominell unter der Führung der Hadi-Regierung stehen, wo es wirtschaftliche Entwicklung und einigermaßen gute Regierungsführung gibt.

          Riad ist längst an einem gesichtswahrenden Ausweg interessiert. Einfacher wird es jetzt aber nicht für das Königreich, einen solchen zu finden. „Wenn sich jetzt etwas verändert, dann ist es die Position Saudi-Arabiens, die viel schwächer ist“, sagt Farea al Muslimi, ein jemenitischer Experte von der Denkfabrik Chatham House. „Indem man die Houthi ohne Vorbedingungen von der Terrorliste gestrichen hat, wurde eine Möglichkeit vertan und ein Hebel aus der Hand gegeben“, kritisiert er. „Das war politisch ebenso wenig im Sinne der Vermittlungsbemühungen wie der Vorstoß der Trump-Administration, sie zu einer Terrororganisation zu erklären.“ Al Muslimi glaubt nicht daran, dass die Houthi ein Interesse daran haben, militärische Erfolge im Zuge von Verhandlungen in politische Legitimität umzumünzen. „Sie folgen einer militärischen Logik und streben die Kontrolle über den ganzen Norden an.“

          Bomben aus amerikanischer Produktion

          Die Houthi haben in den vergangenen Jahren Gefallen an der Herrschaft über die Hauptstadt gefunden. Kritiker werden mit harter Hand verfolgt, Hilfsorganisationen klagen, sie würden gegängelt und in ihrer Arbeit behindert. „Je länger die Houthi in Sanaa herrschen, desto stärker ist der Griff ihres Sicherheitsapparats geworden“, sagt ein Einwohner von Sanaa, der die Houthi als die „paranoideste aller Gruppen“ bezeichnet. Die Rebellen haben im Laufe des Krieges an Selbstbewusstsein gewonnen und zugleich an Kompromissbereitschaft verloren. Während die oberste Führung verlangte, auf die „bloßen Worte“ aus Washington sollten Taten des Entgegenkommens folgen, feierten mancher aus der Anhängerschaft Bidens Jemen-Vorstoß als Erfolg der eigenen Standhaftigkeit, die es beizubehalten gelte.

          So oder so, das Misstrauen der Rebellen gegenüber Washington, das laut ihrer Erzählung Teil der großen Verschwörung gegen den Jemen ist, dürfte bleiben. Dass Bomben aus amerikanischer Produktion, abgeworfen von der saudischen Luftwaffe, über Jahre auch Zivilisten trafen, wirkt auch unter denjenigen Jemeniten nach, die den Houthi skeptisch gegenüberstehen. Ebenso amerikanische Drohnenangriffe im Krieg gegen Al Qaida. So richten sich die Blicke jemenitischer und westlicher Beobachter jetzt nach Iran – in der Hoffnung, das Regime in Teheran könne dazu gebracht werden, im Sinne einer Verhandlungslösung auf die Houthi einzuwirken.

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