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Jemen-Gespräche in Schweden : Am Abgrund

Ein Arbeiter schaut 2015 auf eine Schokoladenfabrik, die durch einen von Saudi-Arabien geführten Luftangriff in Sanaa, Jemen, zerstört wurde. Bild: dpa

Am Donnerstag beginnen in Schweden die Gespräche der jemenitischen Kriegsparteien. Es ist ein Erfolg, dass sie überhaupt stattfinden – doch die Positionen sind weit auseinander.

          Groß sind die Erwartungen nicht an die Gespräche der jemenitischen Kriegsparteien in Stockholm. Ein Erfolg ist bereits, dass sie unter Vermittlung der Vereinten Nationen überhaupt stattfinden. Der letzte Anlauf war daran gescheitert, dass Saudi-Arabien nicht der Ausreise von verletzten Houthi-Kämpfern zugestimmt hatte und die Delegation der Houthi aus diesem Grund nicht zu dem angesetzten Treffen erschienen war.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Diesmal lief es besser. Erst waren am Montag 50 verletzte Houthi aus Sanaa in das Sultanat Oman ausgeflogen worden. Dann bestieg am Dienstag die Delegation der Houthi ein kuweitisches Flugzeug, das mit Martin Griffiths, dem UN-Beauftragten für den Jemen, und kuweitischen Diplomaten an Bord,nach Stockholm flog. Am Mittwoch reiste schließlich die Delegation der jemenitischen Regierung von Riad aus nach Schweden.

          Die schwedische Außenministerin Wallström stuft das Treffen als „Beratungen“ ein. In Washington rief das State Department beide Seiten dazu auf, umgehend jegliche Gewalt einzustellen. Seit der Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi nimmt der Druck Washingtons auf Saudi-Arabien zu, den Krieg zu beenden. Ein Sprecher der Houthi sagte zu Wochenbeginn, die Hand zu einem Frieden sei ausgestreckt. Man wolle die Konsultationen mit der jemenitischen Regierung zu einem Erfolg führen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die der Militärkoalition Saudi-Arabiens angehören, werteten das Treffen als „wegweisende Gelegenheit“ für eine tragfähige politische Lösung.

          18 Millionen Einwohner Jemens haben nicht genug zu essen

          Die Positionen beider Seiten sind jedoch weit auseinander. Saudi-Arabien, das seine Angriffe gegen die von den Houthi-Rebellen beherrschten Gebiete im März 2015 begonnen hatte, will durch einen Sieg über die Houthi Iran schwächen. Erst die saudischen Angriffe hatten jedoch dazu geführt, dass die Houthi auf der Suche nach Partnern ihre Zusammenarbeit mit Iran ausgeweitet haben. Die Houthi, die wegen der Vernachlässigung ihrer Region seit 2004 gegen die Zentralgewalt gekämpft hatten und 2014 die Hauptstadt Sanaa einnahmen, wollen andererseits als politische Kraft anerkannt werden, was ihnen Riad bislang jedoch verweigert. Riad sucht zwar nach einer Exit-Strategie, ist aber nicht zur Anerkennung der Houthi bereit.

          Der Krieg hat den Jemen, das ohnehin das ärmste Land der arabischen Welt war, in die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart gestürzt. Das Rote Kreuz schätzt, dass von den 27 Millionen Menschen, die im Jemen leben, 18 Millionen nichts oder nicht genug zu essen haben. Als akut unterernährt gelten drei Millionen. Das UN-Kinderhilfswerk teilt mit, dass im Jemen alle zehn Minuten ein Kind stirbt, obwohl das verhindert werden könnte; unter den mangelernährten Kindern seien 400 000 lebensbedrohlich erkrankt. Mehr als zwei Millionen Kinder können keine Schule besuchen, weil die Schulen zerstört sind oder die Gewalt einen Unterricht nicht zulässt.

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