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Humanitäre Lage im Jemen : Ein Land wird ausgehungert

Hoffnung auf Hilfe: Kinder in Sanaa stehen um Lebensmittelrationen an. Bild: dpa

Im Würgegriff des Krieges schlittert der Jemen in eine humanitäre Katastrophe. Das größte Problem ist jedoch nicht das Geld – sondern die saudisch geführte Militärkoalition.

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          Geld ist nicht das größte Problem. Rund eine Milliarde Euro sind gerade auf der Geberkonferenz in Genf zugesagt worden, um den Menschen im Jemen zu helfen, die unter dem Krieg leiden. Die Vereinten Nationen halten zwar fast das Doppelte für nötig, um eine Hungerkatastrophe abzuwenden, doch die große Differenz schien UN-Generalsekretär Antonio Guterres nicht zu beunruhigen. Er wies auf ein anderes, derzeit kaum zu überwindendes Hindernis für die humanitäre Hilfe hin: Die Blockade der saudisch geführten Militärkoalition.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Riad bekämpft im Jemen die von Iran unterstützten Houthi-Rebellen, die vor zwei Jahren die Regierung des Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben haben. Man müsse sicherstellen, „dass es ungehinderten Zugang für alle humanitären Akteure gibt, so dass sie alle bedürftigen Menschen erreichen, und das überall im Jemen“, sagte Guterres. Das ist derzeit bei weitem nicht der Fall. Und so schlittert der Jemen, dessen Bevölkerung mehrheitlich nichts mit dem Krieg zu tun hat, immer tiefer in eine dramatische humanitäre Krise.

          An entsprechenden Warnungen mangelt es nicht. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat zu Beginn des Jahres deutlich gemacht, dass der Jemen am Rande einer Hungerkatastrophe steht. Das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) warnte Mitte April, der Jemen sei kurz davor, einer der größten humanitären Notfälle der Welt zu werden; noch dieses Jahr könne ein „Punkt ohne Wiederkehr“ erreicht werden. Ein hoher Funktionär des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sagte jüngst nach einem Besuch im Jemen, die Situation sei katastrophal, die Lebensumstände seien unerträglich.

          Riad bemühe sich, Hilfsgelder zusammenzubringen

          Grund zur Hoffnung, dass die Not bald gemindert wird, gibt es kaum. Die von den UN vermittelten Gespräche treten auf der Stelle, und die Führung in Saudi-Arabien macht keine Anstalten, den Würgegriff zu lockern, mit dem sie den Widerstand der Houthi und ihrer Verbündeten strangulieren will. Hohe WFP-Funktionäre haben dem Vernehmen nach schon vor Monaten hinter vorgehaltener Hand scharfe Kritik an Riad geäußert und angedeutet, sie verstünden die Blockade als Belagerung, die sich bewusst auch gegen Zivilisten richte. Westliche Beobachter glauben, dass Riad auch immer wieder Bemühungen hintertreibt, Hilfsgelder zusammenzubringen – zum Beispiel indem das Königreich große Summen zusagt, um diese dann aber an Bedingungen zu knüpfen.

          Dass die Houthi-Rebellen, die Hunger und Entbehrungen gewohnt sind, durch eine Belagerungstaktik zur Aufgabe bewegt werden, ist zweifelhaft. Und ganz lassen sich Lieferungen jeglicher Art im Jemen kaum verhindern. Als sich vor einiger Zeit die Schlinge um die strategisch wichtige Hafenstadt Hudaydah zuzog, schmuggelten die schiitischen Houthi Benzin aus Regionen, die von sunnitischen Extremisten unter dem Banner von Al Qaida kontrolliert wurden. „Gute Geschäfte sind nicht verboten“, sagt ein Diplomat mit ironischem Unterton.

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