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Jemen : Botschafter: Deutsche Geiseln bald frei

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die im Jemen entführten deutschen Geiseln seien am Leben und stünden kurz vor ihrer Freilassung, meldete der Fernsehsender Al-Arabija. Auch der jemenitische Botschafter in Berlin äußerte sich zuversichtlich.

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          Der jemenitische Botschafter in Deutschland hat sich zuversichtlich geäußert, dass die Entführung einer deutschen Familie bald zu Ende sein wird. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Entführer die Familie aus Sachsen nicht getötet hätten und es noch in dieser Woche eine Lösung geben werde. „Ich bin sehr zuversichtlich“, sagte Botschafter Mohammed Al-Erjani dem „Tagesspiegel“. Das gelte auch für den mit der deutschen Familie verschleppten britischen Staatsbürger.

          Der Diplomat sagte, die jemenitische Regierung kenne inzwischen einige Entführer und habe deshalb über Mittelsmänner Kontakt aufnehmen können. Er deutete an, die in der Region Saada dominierenden Houthi-Rebellen wüssten, wer die Europäer in der Gewalt habe. Mit der Al Qaida habe die Geiselnahme nichts zu tun.

          Die Entführer hatten zwei deutsche Bibelschülerinnen und eine südkoreanische Lehrerin erschossen. Die drei Frauen und die Eltern der sächsischen Familie hatten in einem Krankenhaus in der nordjemenitischen Region Saada gearbeitet.

          Das Auswärtige Amt bestätigte Berichte über das bevorstehende Ende der Entführung nicht. Es handele sich um Gerüchte, die dem Krisenstab bekannt seien, aber noch nicht bestätigt werden könnten, sagte ein Sprecher. „Wir tun alles, um zu einer Lösung zu kommen.“

          Der arabischen Fernsehsenders Al-Arabija hatte am Vormittag berichtete, die Familie und der britische Ingenieur seien noch am Leben und in der der Provinz Saada den schiitischen Houthi-Rebellen übergeben worden. Diese würden kurz davor stehen, die Geiseln freizulassen. Doch die Houthi-Rebellen bestritten kurz darauf, dass ihnen die Geiseln übergeben worden seien. Salih Habra, der Sprecher der Bewegung, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, die Rebellen hätte keinerlei Informationen über das Schicksal der Geiseln. Sie hätten nur „einige Erkenntnisse“ über die Identität der Geiselnehmer. Kurz zuvor hatten in Saada Berichte über angebliche Lösegeldverhandlungen die Runde gemacht.

          „Hinweise auf Missionstätigkeit“

          Laut einem Bericht der Zeitschrift „Der Spiegel“ verdichten sich inzwischen Hinweise darauf, dass die Opfer missionarisch tätig waren und deshalb ins Visier von Islamisten geraten sind. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes nehme mittlerweile an, dass die Deutschen vor Ort als Missionare bekannt waren; so habe ein Missionsversuch des deutschen Technikers H., der in einem Krankenhaus in Saada arbeitete, Proteste ausgelöst. H. habe vor einigen Monaten in Saada mit einem Muslim spirituelle Gespräche geführt. „Außerdem ermutigte ich ihn, die Bibel zu lesen“, zitiert „Der Spiegel“ aus einem Rundbrief des Deutschen. Auch in den Hinterlassenschaften der beiden von den Entführern erschossenen deutschen Frauen hätten die Ermittler Missionsschriften gefunden. Das Auswärtige Amt wollte die Angaben weder bestätigen noch dementieren.

          Der Verfassungsschutz vermutet nach einem Bericht der Zeitschrift „Focus“ das Terrornetz Al Qaida hinter den Taten. Nach Angaben der Regierung des Jemen haben die Deutschen eine Warnung ignoriert und sich leichtfertig in Gefahr gebracht. „Die Behörden haben die Drohung eines Angriffs erhalten, und es gab eine Warnung an die Deutschen mit der Bitte, sich nicht außerhalb ihres gewohnten Arbeitsumfelds zu bewegen“, sagte Innenminister Al Masri.

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