https://www.faz.net/-gpf-9kf2d

Turmbau zu Warschau : Kaczynskis Pläne könnten ihn vor Gericht bringen

Jaroslaw Kaczynski droht Ärger: Der Politiker wollte sich und seine Partei mithilfe zweier Türme absichern, könnte nun aber das Gegenteil erreicht haben. Bild: Matthias Lüdecke

Der Chef der nationalkonservativen PiS-Partei in Polen Jaroslaw Kaczynski wollte ein teures Hochhaus. Jetzt hat er Ärger deswegen – mit der Familie, mit der Opposition und vielleicht auch bald mit der Staatsanwaltschaft.

          Schön ist dieses Bürogebäude in der Warschauer Innenstadt nicht. Aber es ist wichtig: Hier befindet sich seit gut drei Jahren die inoffizielle Machtzentrale Polens. Wie die Gleise sich vom Bahnhof aus nach West und Ost verästeln, so verzweigen sich auch die Stränge des Einflusses, die aus diesem Gebäude hinausgehen bis in den hintersten Winkel Polens. Der Mann, der hier das Kommando führt, ist Jaroslaw Kaczynski, Chef der nationalkonservativen Partei PiS. Jeden Tag lässt sich der 69 Jahre alte Junggeselle aus seinem schlichten Einfamilienhaus hierher fahren; er kommt spät und bleibt dafür am Abend oft lange. Politik ist sein Leben, und sein eigentliches Zuhause ist die Parteizentrale.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Wer es betritt, sieht ein enges Treppenhaus und schmale Korridore. Dort beginnt das Reich von Kaczynskis resoluter Chefsekretärin. Sie hilft, ihn von der Öffentlichkeit abzuschirmen. Denn Kaczynski ist zwar mächtig; doch seit Jahren sagen die Umfragen, dass ihm viele Bürger misstrauen. Auch er selbst ist misstrauisch und wahrt zu vielen Gesprächspartnern Distanz. Wenn ihn ein ausländischer Journalist anspricht, zum Beispiel im Wahlkampf oder auf einem Empfang, schaut er ihm nicht in die Augen, sondern durch ihn hindurch.

          Zwillingstürme sollten der Partei finanziell dienlich sein

          Vor etwa zwei Jahren schien das Bürogebäude dem Chef endgültig zu eng geworden zu sein. Da entschied er, etwas Größeres müsse her. Ein paar hundert Meter weiter verläuft die Srebrnastraße, übersetzt heißt das Silberstraße. Dort besitzt eine parteinahe Firma, die der ebenfalls parteinahen Lech-Kaczynski-Stiftung gehört, ein Grundstück. Dem Parteichef schwebte vor, darauf Zwillingstürme in den Himmel wachsen zu lassen, möglichst 190 Meter hoch; Kritiker meinen, sie seien als Denkmal gedacht: zu Ehren von Jaroslaw und Lech Kaczynski, dem Zwillingsbruder und Staatspräsidenten Polens, der 2010 im Westen Russlands mit dem Regierungsflugzeug abstürzte und ums Leben kam. Aber vor allem sollten die Türme der Partei und ihrem Umfeld das Leben finanziell leichter machen – durch die Vermietung von Büros. Aus einer Baugrube in der Silberstraße sollte eine Goldgrube werden.

          So machte sich Kaczynski an die Arbeit. Er fand einen Unternehmer, der bereit war, das Projekt zu stemmen: den Österreicher Gerald Birgfellner. Entscheidender Vorteil: Birgfellner hatte die Tochter von Kaczynskis Cousin und engem Vertrauten Jan Maria Tomaszewski geheiratet. Familienbande: Das Wort steht für Diskretion und Vertrauen. Insgesamt 19-mal traf sich der Parteichef mit dem Österreicher; dessen Frau war als Übersetzerin dabei. Man traf sich in der Parteizentrale – wo auch sonst.

          Weitere Themen

          Gelassen und angriffslustig

          Merkel bei Fragestunde : Gelassen und angriffslustig

          Ob zum Grundgesetz, zur wirtschaftlichen Misere der DDR oder zur Tabakwerbung: Bei der Regierungsbefragung im Bundestag stellt sich Kanzerlin Merkel den Fragen der Abgeordneten – und teilt fast gegen alle aus.

          Merkel stellt sich den Fragen der Abgeordneten Video-Seite öffnen

          Fragestunde im Bundestag : Merkel stellt sich den Fragen der Abgeordneten

          Bei ihrem letzten großen Auftritt vor der Sommerpause hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag den Fragen der Abgeordneten gestellt. Dabei stellt sie klar, dass eine globalisierte Weltordnung eine Wahrnehmung der Interessen anderer Staaten erfordere.

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Wie ein Bumerang

          In Wiesbaden und Berlin bestimmt der Fall Stephan E. die Tagesordnungen. Nicht nur die Frage nach dessen Bezügen zum NSU ist noch zu klären. Die Grünen beklagen eine „eklatante Analyseschwäche“ des Verfassungsschutzes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.