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Japans neuer Ministerpräsident : In Abes Fußstapfen

  • -Aktualisiert am

Reibungsloser Übergang: Shinzo Abe (l), ehemaliger Ministerpräsident Japans, und sein Nachfolger Yoshihide Suga Bild: dpa

Japans neuer Ministerpräsident ist 71 Jahre alt und wirkt spröde. Ist er also nur ein Mann des Übergangs? Zumindest kann sein pragmatischer Liberalismus dem Land noch sehr zugutekommen.

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          Das wichtigste Erbe, das Shinzo Abe Japan hinterlassen hat, ist politische Stabilität. In den sechs Jahren vor Abes Regierungszeit leistete das Land sich sechs Ministerpräsidenten. An eine kontinuierliche Politik der Reformen oder der Stabilisierung schwieriger Beziehungen zu den Nachbarländern war angesichts dieser politischen Kurzatmigkeit nicht zu denken. Die Krisenstimmung im Jahr 2012, in dem Abe die Regierung zum zweiten Mal übernahm, war nicht nur der globalen Rezession von 2008/09, der heimischen Deflation sowie der Tsunami- und atomaren Katastrophe im Nordosten des Landes geschuldet, sondern auch politischem Unvermögen. Abes Botschaft, das Land mit einer aggressiven Wirtschaftspolitik aus der ökonomischen Misere zu befreien und Japan international mehr Gewicht zu verschaffen, gab Hoffnung. Das und die geldpolitisch angeschobene Abwertung des Yen halfen zumindest in den ersten Jahren, seine Macht zu stabilisieren.

          Fast acht Jahre später ist beim Amtsübergang auf den Nachfolger, Yoshihide Suga, dagegen von Aufbruchstimmung nichts zu spüren. Suga wirkt so spröde und nüchtern wie immer. Seine wichtigsten Ankündigungen zu Beginn seiner Amtszeit sind eine Verwaltungsreform, niedrigere Preise für das Telefonieren mit dem Handy und der Verzicht auf die Kirschblütenparty des Ministerpräsidenten (die von Abe in einem seiner kleineren Skandale parteipolitisch missbraucht worden war). All das ist solide, aber es ist nicht der Stoff, der Wähler zum Träumen bringen kann.

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