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Japan : Verteidigungsminister Kyuma tritt zurück

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Kyuma: „Das war etwas, das nicht vermieden werden konnte” Bild: AFP

Nach seiner umstrittenen Äußerung über die Atombombenabwürfe auf Japan ist der japanische Verteidigungsminister Fumio Kyuma zurückgetreten. Er hatte den Einsatz der Waffen als unvermeidlich bezeichnet, um den Krieg schnell zu beenden.

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          Nach seiner umstrittenen Äußerung über die Atombombenabwürfe auf Japan ist der japanische Verteidigungsminister Fumio Kyuma zurückgetreten. Ministerpräsident Shinzo Abe habe das Gesuch angenommen, sagte Kyuma am Dienstag. „Ich bedauere, dass meine Kommentare für Unruhe gesorgt haben. Es tut mir leid.“

          Zur Nachfolgerin wurde die nationale Sicherheitsberaterin Yuriko Koike bestimmt, wie deren Büro bestätigte. Koike gilt als Hardlinerin in der japanischen Politik.

          Der 66 Jahre alte Kyuma hatte in Japan Empörung ausgelöst, als er in einer Rede an einer Universität in Kashiwa nahe Tokio am Samstag über die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sagte, sie hätten Japan ein Schicksal wie Deutschland - die Teilung - erspart. Die Vereinigten Staaten hätten die Atombomben zwar eingesetzt, obwohl ihnen klar gewesen sei, dass Japan vor einer Kapitulation stand. Das Land habe so aber schneller kapituliert, weshalb es sowjetischen Truppen nicht mehr möglich gewesen sei, Teile Japans zu erobern. Eine andere Möglichkeit, den Krieg schnell zu beenden, habe es wohl nicht gegeben: „Das war etwas, das nicht vermieden werden konnte.“

          Kyumas Nachfolgerin Yuriko Koike gilt als Hardlinerin in der japanischen Politik
          Kyumas Nachfolgerin Yuriko Koike gilt als Hardlinerin in der japanischen Politik : Bild: AFP

          Im Juli wird gewählt

          Die Äußerung führte zu großer Empörung bei Überlebenden der beiden Bomben. Durch die Abwürfe auf Hiroshima am 6. August und auf Nagasaki am 9. August 1945 kamen mehr als 200.000 Menschen ums Leben.

          Nach Kyumas Äußerung hatte Ministerpräsident Abe ihn zunächst zu verteidigen versucht und eine Entlassung des Ministers abgelehnt. Er forderte ihn gleichwohl dazu auf, über öffentliche Äußerungen künftig genauer nachzudenken. Die Opposition und einige Politiker des Regierungslagers forderten hingegen den Rücktritt Kyumas. Auf diesen Druck hin hatte sich Kyuma, der aus Nagasaki stammt, am Sonntag von seiner Äußerung distanziert.

          Die Angelegenheit kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierung Abe im Ansehen der Bevölkerung schlecht dasteht. Die Zustimmung beträgt nach neuen Umfragen nur noch etwa 30 Prozent. Am 29. Juli wird ein Teil des Oberhauses des japanischen Parlaments gewählt.

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