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Verteidigungskooperation : Die Schlachten von übermorgen und vorgestern

„Wir sind noch nicht ganz da“, heißt es aus der amerikanischen Regierung. Knackpunkte sind Japans Zögern, den Reisimport auszuweiten, und amerikanische Zölle auf Autoteile. Abe hat dem „Wall Street Journal“ in einem Interview vor seiner Abreise gesagt, die letzten Meter bis zum Gipfel seien eben die schwersten bei jeder Bergbesteigung. Doch scheint eine Einigung in Reichweite. Politisch stehen zunächst die Amerikaner unter Zugzwang. Der Widerstand unter den Demokraten ist immens, und bis der Kongress den Gesetzentwurf gebilligt hat, ist eine Einigung noch nicht sicher.

Ministerpräsident Abe unter besonderer Beobachtung

Zumindest auf den Meinungsseiten der Zeitungen blicken die Amerikaner ohnehin eher zurück als nach vorn. Im siebzigsten Jahr nach dem Kriegsende im Pazifik richtet sich die Aufmerksamkeit darauf, ob Abe am Mittwoch in seiner Rede vor dem Kongress hinreichend Buße für vergangene japanische Aggressionen zeigt. Der konservative Abe, dem Geschichtsrevisionismus nachgesagt wird, steht unter besonderer Beobachtung – auch der Regierung in Washington. Von Abes Worten vor den Abgeordneten und Senatoren im Kongress wird es abhängen, ob die Vergangenheit dunkle Schatten auf die diplomatischen Erfolge in der Sicherheitspolitik und die jüngsten Fortschritte in den Handelsgesprächen wirft.

Abe ist der erste japanische Ministerpräsident, der sich in einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus an die Amerikaner wendet. Er hat vor, das auf Englisch zu tun. Siebzig Jahre nach Kriegsende erregt das nicht nur die Gemüter in asiatischen Ländern wie Südkorea und China, sondern auch in Washington. Detailliert wird analysiert werden, ob und mit welchen Worten Abe sich zu Japans Vergangenheit als Aggressor äußert. Im vergangenen Jahr in Australien und vergangene Woche in Indonesien hatte der konservative Politiker seine „Demut vor den Schrecken der Geschichte“ und „tiefe Reue“ bezeugt, aber keine Entschuldigung ausgesprochen. Zugleich stellte Abe klar, dass er Entschuldigungen früherer Ministerpräsidenten und Regierungen aufrechterhalte. Das reichte Seoul und Peking nicht.

Für die amerikanische Meinungsschlacht hat Korea angeblich eine PR-Agentur angeheuert. Amerikanische Abgeordnete ermahnen Abe öffentlich, nicht hinter seine Vorgänger zurückzufallen. Die große Gemeinde koreanischstämmiger Amerikaner verlangt eine Entschuldigung dafür, dass Zehntausende Koreanerinnen während des Zweiten Weltkriegs von Japans Armee zu Sexdiensten gezwungen wurden. Washington befürchtet, dass der Streit um den Umgang mit der Geschichte das Sicherheitsbündnis von Amerika, Japan und Südkorea belaste. Nach der Pew-Umfrage meinen allerdings 61 Prozent der Amerikaner, Japan habe sich hinreichend entschuldigt oder müsse sich nicht entschuldigen. In Japan ist der Anteil fast gleich: 63 Prozent der Befragten halten eine Entschuldigung nicht (mehr) für nötig.

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