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Pilotprojekt : Tokio will seine Bürger umerziehen

In einem Pilotprojekt will Tokio seine Bürger zu sozial erwünschtem Verhalten erziehen. Bild: AFP

Tokios Metropolregierung will ihre Bürger belohnen, wenn sie auf Plastiktaschen verzichten oder früh mit dem Zug zur Arbeit anreisen. Passend zu Olympia 2020 sollen sie so gutes Verhalten lernen.

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          Die kommunistische Diktatur in China arbeitet und perfektioniert ein Überwachungssystem, mit dem die Bürger durch gutes Verhalten Sozialpunkte erlangen und durch schlechtes Benehmen Sozialpunkte verlieren können. Was gut und was schlecht ist, bestimmt natürlich die Kommunistische Partei und sie bestimmt indirekt auch darüber, welche Vor- oder Nachteile Bürger mit vielen oder wenigen Sozialpunkten erhalten. Nach Medienberichten entscheidet die Zahl der Sozialpunkte unter anderem, in welcher Güteklasse Chinesen reisen oder in welchen Hotels sie absteigen dürfen, welche Schulen sie besuchen dürfen. Auch scheint es finanzielle Vorteile wie vergünstigte Kreditzinssätze zu geben.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Stadtregierung der Metropole Tokio will ihre Einwohner nun auf einer etwas freundlichere Art und Weise erziehen. In einem Pilotprojekt sollen die Bürger mit Bonuszahlungen belohnt werden, wenn sie zum Einkaufen eigene Taschen mitbringen und auf die kostenlos angebotenen Plastiktaschen verzichten. Bonuspunkte soll es auch geben, wenn die Bürger frühe Züge zur Arbeit nehmen und somit den täglichen Massenandrang der Berufspendler in Tokio etwas mildern helfen.

          Im Kern will die Metropolregierung so gutes Verhalten finanziell belohnen. Weil Japan aber kein Überwachungsstaat wie China ist, müssen die Bürger eine spezielle Plastikkarte durch Lesegeräte ziehen, um an Bahnhöfen oder in Geschäften die Bonuszahlungen einzusammeln. Wer einen frühen Zug zur Arbeit nimmt soll damit mit einer Bonuszahlung von bis zu 100 Yen (umgerechnet etwa 85 Cent) belohnt werden, berichtet die japanische Zeitung Yomiuri. Auf das Jahr gerechnet kann sich das für einen Berufspendler auszahlen.

          Gouverneurin Yuriko Koike will das Programm idealerweise noch vor den Olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr in Tokio in Gang setzen, um das Nahverkehrssystem etwas zu entlasten. Die Bonuszahlung für den Verzicht auf Plastiktassen laufen unter dem Stichwort Umweltschutz. Als Hilfsargument für die von der Stadt gesetzten Verhaltensanreize wird auch genannt, dass mit den digitalen Bonuszahlungen die Japaner, die ihr Bargeld lieben, eher zu bargeldlosen Zahlungen animiert werden. Von Umerziehung spricht Koike natürlich nicht.

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