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Nach dem Mord an Abe : Japan muss aufpassen

Abes Trauerzug am 8. Juli 2022 in Tokio. Bild: dpa

Abe war ein Antreiber und Regierungschef mit Weitblick. Der Konservative zeigte die Zuversicht des Liberalen. In dieser Hinsicht ist kein Nachfolger in Sicht.

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          In den Vereinigten Staaten ließ Präsident Joe Biden die Flagge am Weißen Haus auf halbmast setzen. In Indien ordnete Ministerpräsident Narendra Modi und in Brasilien Präsident Jair Bolsonaro Nationaltrauer an. Die Fülle an Beileidsbekundungen zum Tod von Shinzo Abe reicht von Brüssel über Kiew bis Moskau und von Canberra über Taipeh bis Peking. Die Kondolenz beweist nicht nur das Entsetzen darüber, dass im friedlichen Japan der ehemalige Ministerpräsident auf einer Wahlveranstaltung ermordet werden konnte. Sie belegt zugleich, dass Abe mit seiner wichtigsten politischen Mission Erfolg gehabt hat. Abe hat Japan als diplomatische Kraft wieder auf der Weltbühne etabliert.

          Das wird nicht nur in künftigen Geschichtsbüchern zu lesen sein. Es zeigt sich schon jetzt in der Tagespolitik zum Beispiel Deutschlands oder Europas, in der Abes strategische Weitsicht Spuren hinterließ. Schon 2007 entwarf Abe in einer Rede vor dem indischen Parlament die Vision eines „weiteren Asiens“, das sich vom Pazifischen bis zum Indischen Ozean spannt. Die Per­spektive zentriert den Blick auf Asien nicht mehr in China, sondern im Freihandel der Seewege und im Viereck der Demokratien Indien und Japan, Amerika und Australien. 2016 in Nairobi beschrieb Abe die Werte dieser indo-pazifischen Region, in die er Afrika mit einschloss, mit Freiheit, der Herrschaft des Rechts, der Marktwirtschaft, der Freiheit vor Zwang und Nötigung und mit Wohlstand.

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