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Japan : Kabeljau mit ein wenig Becquerel

In der Ostsee hat sich einiges von dem Cäsium gehalten

Die Forscher stützen sich dabei vor allem auf Erfahrungen britischer Forscher und eigener Messungen nach dem Tschernobyl-Unglück. In der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield, dem ehemaligen Windscale, waren in den Jahren zwischen 1965 und 1985 regelmäßig Cäsium belastete Abwässer in die Irische See eingeleitet worden. Mitte der siebziger Jahren sollen es gewaltige 5000 Billionen Bequerel gewesen sein – Bequerel steht für die Zahl der radioaktiven Zerfallsereignisse pro Sekunde. Inzwischen, so das Thünen-Institut, liege die Konzentration aus der Irischen See im Kabeljau bei höchstens zehn Bequerel pro Kilogramm. Der europäische Grenzwert liegt bei sechshundert Bequerel pro Kilogramm.

Auch in Nord- und Ostsee haben die Hamburger Fischereifachleute nach Tschernobyl einen deutlichen Verdünnungseffekt festgestellt. Besonders in der Nordsee, in der es einen regen Wasseraustausch mit dem Nordatlantik gibt, waren die beträchtlichen Mengen Radionuklide, die Anfang Mai 1986 mit den radioaktiven Wolken und dem Regen eingetragen worden waren, schnell verschwunden. Schon knapp ein Jahr nach der Katastrophe sei „praktisch kein Tschernobyl-Cäsium mehr nachweisbar“ gewesen, so die Fachleute des Thünen-Instituts. Das Jod-131 war da schon komplett zerfallen. In der Ostsee – fast eine Art Binnengewässer ohne großen Wasseraustausch – hat sich dagegen einiges von dem Cäsium gehalten. Der Dorsch von dort enthält etwa so viel radioaktives Cäsium wie die Fische aus der Irischen See.

Überbleibsel der oberirdischen Atomwaffentests

Außer dem Cäsium-137 aus Tschernobyl spielt bei der Strahlenbelastung des Meeres und seiner Bewohner eine andere Art künstlicher Hintergrundstrahlung eine Rolle: die Überbleibsel aus den oberirdischen Atomwaffentests der fünfziger und sechziger Jahre. Zwischen 1951 und 1963 wurden offiziell 390 Kernwaffen gezündet – 205 von den Amerikanern, 160 von der Sowjetunion, 21 durch Briten und vier von französischen Militärs. Die Teilchen, darunter viele langlebige Radionuklide wie Strontium-90, waren bei solchen Explosionen bis in hohe Luftschichten geschleudert und mit den Höhenwinden rund um den Globus verteilt worden. Über die freigesetzten Mengen hat man lange gestritten. Deutliche Spuren dieser Ablagerungen sind aber bis heute als „Hintergrundstrahlung“ praktisch überall auf der Welt in Böden und im Wasser nachzuweisen. Laut einem offiziellen amerikanischen Bericht, den das Gesundheitsministerium 2002 im Kongress vorgestellt hat, sollen – statistisch gesehen – allein in den Vereinigten Staaten bis zu elftausend Krebsopfer auf die Wirkung des radioaktiven Fallouts nach den Kernwaffentests zurückgehen.

Die Spuren von radioaktivem Spaltmaterial aus Fukushima, die Strahlenforscher dieser Tage bei Atmosphärenmessungen in Europa erwarten, werden sehr viel schwächer sein. Sie dürften diese fürs Erste nur knapp über der Nachweisgrenze der extrem empfindlichen Messgeräte liegen. Von ernsten Gesundheitsrisiken redet bisher niemand.

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