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Gedenken in Japan und Südkorea : Nicht alle sprechen von Reue

Kaiser Naruhito, der 2019 den Chrysanthementhron bestiegen hatte, sprach im Rahmen der Gedenkveranstaltung von „tiefer Reue“ für den Krieg. Bild: dpa

Am 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs im Pazifik gedenkt Japan seiner Kriegstoten. Kaiser Naruhito drückt seine „tiefe Reue“ aus, Ministerpräsident Abe weicht der Schuldfrage aus.

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          In Japan haben am Samstag viele Menschen dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren und der Opfer des Krieges gedacht. Zahlreiche Gedenkveranstaltungen im ganzen Land fielen freilich aus, um das Ansteckungsrisiko mit dem neuartigen Coronavirus nicht zu vergrößern. An der zentralen Gedenkveranstaltung in Tokio nahmen nur rund 550 Personen teil, etwa ein Zehntel der zuletzt üblichen Gästezahl.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Kaiser Naruhito, der 2019 den Chrysanthementhron bestiegen hatte, sprach im Rahmen der Gedenkveranstaltung von „tiefer Reue“ für den Krieg. Naruhito drückte seine Hoffnung aus, dass sich die Verwüstungen des Krieges nie wiederholen mögen.

          Ministerpräsident Shinzo Abe wich in seiner Ansprache der Schuldfrage aus und entbot den Opfern der japanischen Aggression keine Entschuldigung. Er betonte aber wie in den Vorjahren, dass Japan nie vergessen werde, dass der Frieden und Wohlstand auf dem ultimativen Opfer der Kriegstoten beruhe.

          Abe will Verfassung ändern

          Abe versprach weitere Anstrengungen des Landes, Krieg zu verhindern, und griff dabei seine Formel des „proaktiven Pazifismus“ auf. Der Ministerpräsident arbeitet darauf hin, die Verfassung des Landes zu ändern, um die Existenz der Selbstverteidigungskräfte zu bestätigen, und um japanische Einsätze im Ausland zur Friedenssicherung auszuweiten.

          Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako verbeugen sich während der Gedenkzeremonie anlässlich des 75. Jahrestages der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg.
          Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako verbeugen sich während der Gedenkzeremonie anlässlich des 75. Jahrestages der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg. : Bild: dpa

          Am 15. August vor 75 Jahren hatte der damalige Kaiser Hirohito in einer Radiobotschaft an sein Volk die Kapitulation erklärt und die Japaner gebeten, das Unerträgliche zu ertragen. Der japanische Angriffskrieg gegen China und die Vereinigten Staaten sowie in Südostasien war damit zu Ende.

          Zu der Entscheidung für eine Kapitulation trugen die amerikanischen Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki bei, aber auch der Kriegseintritt Russlands. Die Zahl der japanischen gefallenen Soldaten und zivilen Opfer wird auf etwa 3,1 Millionen Menschen geschätzt.

          Abe verzichtete zum 75. Jahrestag des Kriegsendes wie in den vergangenen Jahren auf einen Besuch des Yasukuni-Schreins in Tokio, in dem der Seelen der japanischen Kriegsgefallenen, darunter auch 14 hingerichtete Kriegsverbrecher, gedacht wird. Der rechtskonservative Politiker hatte den Schrein zuletzt im Dezember 2013 besucht. Jetzt ließ der Ministerpräsident abermals nur eine Geldspende überbringen.

          Japans Ministerpräsident Shinzo Abe brachte Blumen zu der nationalen Gedenkstätte Chidorigafuchi National Cemetery, in der Japan seiner Kriegstoten gedenkt.
          Japans Ministerpräsident Shinzo Abe brachte Blumen zu der nationalen Gedenkstätte Chidorigafuchi National Cemetery, in der Japan seiner Kriegstoten gedenkt. : Bild: dpa

          Vier Minister seines Kabinetts statteten dem in Japan und im Ausland umstrittenen Schrein aber einen Besuch ab, darunter der 38 Jahre alte politische Jungstar und Umweltminister Shinjiro Koizumi. Abe selbst brachte Blumen zu der nationalen Gedenkstätte Chidorigafuchi National Cemetery, in der Japan seiner Kriegstoten gedenkt.

          Südkorea zeigt Gesprächsbereitschaft

          Während am Yasukuni-Schrein Tausende Japaner bei großer Hitze in langen Reihen Schlange standen und um 12 Uhr ihr Haupt für eine Gedenkminute neigten, findet die nationale Gedenkstätte Chidorigafuchi üblicherweise weit weniger Besucher.

          Die Kritik aus China und aus Südkorea an den Ministerbesuchen am Yasukuni-Schrein blieb im Rahmen des Üblichen. Im Streit über die Anerkennung der von Japan im Zweiten Weltkrieg zu Sexdienstleistungen gezwungenen Koreanerinnen und über die Entschädigung von koreanischen Zwangsarbeitern haben sich in den vergangenen Jahren vor allem die Beziehungen zwischen Japan und Südkorea deutlich abgekühlt.

          Der 15. August wird in Südkorea als Tag der Befreiung von der japanischen Besatzungsmacht gefeiert. Südkoreas Präsident Moon Jae-in erneuerte in seiner Gedenkansprache den Willen zu besseren Beziehungen und zum Gespräch mit Japan. Er ließ in seinen Bemerkungen aber nicht erkennen, dass er in den Streitpunkten von der koreanischen Position abrücken wolle.

          Die verwüstete Stadt Hiroshima nach dem Atombombenabwurf auf einer undatierten Aufnahme Öffnen
          Hiroshima 1945 : Acht Zeitzeugen über Krieg und Kapitulation Bild: Reuters

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