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Japan : Atomkraftwerke gehen wieder ans Netz

Einige Reaktoren des Atomkraftwerks „Oi“ sollen bald wieder hochgefahren werden

Einige Reaktoren des Atomkraftwerks „Oi“ sollen bald wieder hochgefahren werden Bild: dapd

Energiewende rückwärts in Japan? Die Regierung hat jedenfalls Angst um die Sicherheit der Stromversorgung, wenn alle Kernkraftwerke abgeschaltet bleiben.

          2 Min.

          Die japanische Regierung will in den nächsten Wochen die ersten nach der Atomkatastrophe in Fukushima abgeschalteten Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen lassen. Wie am Mittwoch in Tokio bekannt wurde, werde die Nukleare Sicherheitsbehörde die Sicherheitstests für zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Oi in der Präfektur Fukui bestätigen und damit erlauben, diese Reaktoren wieder hochzufahren. Die Stresstests an den Reaktoren 3 und 4 in Oi hätten gezeigt, dass sich ein Unfall wie in Fukushima hier nicht wiederholen könne, erklärte die Behörde. Ministerpräsident Noda will sich nun mit den zuständigen Kabinettsmitgliedern beraten und dann das Ja der Regierung geben. Das soll noch in diesem Monat geschehen, heißt es in Regierungskreisen.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Industrieminister Edano muss sich im nächsten Schritt um die Zustimmung der örtlichen Behörden bemühen. Der Gouverneur der Präfektur, Issei Nishikawa, zeigt sich bislang sperrig. 14 Reaktoren gibt es in Fukui, mehr als in jeder anderen Präfektur. Nishikawa erwartet, dass die Regierung Sicherheit und Notwendigkeit der Atomreaktoren öffentlich erklärt, bevor er zustimmt. Erst wenn Edano das Ja der örtlichen Behörden bekommt, kann der Reaktor wieder ans Netz. Von den 54 japanischen Atomkraftwerken sind derzeit nur noch zwei am Netz. Auch sie werden wegen der Sicherheitsüberprüfungen und routinemäßigen Wartungen in den kommenden Wochen abgeschaltet.

          Regierungschef Noda hat die Zukunft der Atomkraft zur Chefsache gemacht. Zum Jahrestag des Erdbebens und der folgenden Atomkatastrophe sagte er, die Regierung werde gemeinsam Anstrengungen unternehmen, die Kommunen, die sich gegen die Wieder-Inbetriebnahme der Atomkraftwerke sperren, von der Notwendigkeit zu überzeugen. Noda hält die Atomkraft trotz des Unfalls in Fukushima als für die Energiesicherheit der Industrienation Japan unverzichtbar. Das Atomkraftwerk Oi versorgt unter anderem die Ballungsräume Osaka und Kyoto mit Strom. Hier ist die Gefahr von Engpässen besonders groß, da das Gebiet zu 50 Prozent aus Atomkraftwerken versorgt wird.

          Die Regierung will spätestens im Sommer einen neuen Energieplan vorlegen. Dort werde zwar beschlossen, die Abhängigkeit von der Atomkraft zu verringern. „Doch einen Atomausstieg wie in Deutschland wird es nicht geben“, sagten Vertreter der Regierung dieser Zeitung. Noda begründete die Notwendigkeit, die abgeschalteten Atomreaktoren nach den Sicherheitstests so schnell wie möglich wieder ans Netz zu nehmen, mit der drohenden Energieknappheit im Sommer. „Es droht eine Versorgungslücke von 10 Prozent“, sagte er.

          Hinzu kommt, dass die gewaltig gestiegenen Kosten für die Einfuhr von Öl und Gas, die jetzt die Lücke füllen, die Handelsbilanz Japans tief in die roten Zahlen gedrückt haben. Energieunternehmen haben deswegen bereits Preiserhöhungen von rund 15 bis 17 Prozent angekündigt. Höhere Strompreise wiederum bedrohten den Produktionsstandort Japan, hieß es in Regierungskreisen. Eine Abwanderung der Produktion in andere asiatische Länder wolle die Regierung aber unbedingt verhindern.

          Noda hält den Schritt aus wirtschaftlichen Gründen für notwendig

          Noda sprach sich deswegen am Mittwoch im Parlament auch dafür aus, den beinahe fertig gestellten dritten Reaktor des Atomkraftwerks Shimane im Südwesten der Hauptinsel Honshu in Betrieb zu nehmen. Der Regierungschef weiß, dass er in der Öffentlichkeit für diesen Schritt wenig Zustimmung bekommt, hält ihn aus wirtschaftlichen Gründen aber für notwendig. Er sicherte zu, sich in allen Fällen, in den Atomreaktoren ans Netz gehen, um die Zustimmung der Kommunen zu bemühen.

          In der Kommission, die im Auftrag der Regierung über den für den Sommer geplanten neuen Energiemix berät, liegen die Meinungen zur Atomkraft weit auseinander. Wie aus am Mittwoch veröffentlichten Unterlagen der Kommission hervorgeht, meinen fünf Kommissionsmitglieder, Japan solle bis 2030 aus der Atomkraft aussteigen. Ein Kommissionsmitglied plädierte für einen Anteil der Atomkraft von bis zu zehn Prozent, neun Mitglieder sprachen sich für einen Anteil zwischen 15 und 35 Prozent aus. Die alte Planung, die erst wenige Monate vor der Katastrophe in Fukushima beschlossen worden war, sah vor, den Anteil der Atomkraft an der Stromversorgung bis 2030 auf 53 Prozent zu steigern. Dazu sollten mehr als 14 neue Atomkraftwerke gebaut werden.

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