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Trumps Verteidigungsminister : „Nordkorea ist eine direkte Bedrohung für Amerika“

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Gemeinsames Manöver: Die Flugzeugträger USS „Carl Vinson“ (vorne) und USS „Ronald Reagan“ (hinten) zusammen mit einem japanischen Kriegsschiff am 1. Juni. Bild: Reuters

Pjöngjangs Machthaber drückt bei seinem Raketenprogramm aufs Tempo. Washington schickt seinen dritten Flugzeugträger in die Region. Amerikas Verteidigungsminister warnt vor dem möglicherweise schlimmsten Konflikt im Leben der meisten Menschen.

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          Amerikas Verteidigungsminister James T. Mattis hat angesichts der jüngsten nordkoreanischen Raketentests vor einem schrecklichen Krieg im Fernen Osten gewarnt. Dem Fernsehsender CBS gegenüber sagte Mattis, ein Konflikt mit Nordkorea wäre „wohl der schlimmste Konflikt, im Leben der meisten Menschen heute.“ Das Regime verfüge über hunderte Artilleriegeschütze und Raketenwerfer in Reichweite einer der am dichtesten besiedelten Metropolen.“ Damit spielte Mattis auf Südkoreas Hauptstadt Seoul an, die sich nur 60 Kilometer südlich der Demarkationslinie befindet.

          Die Gefahr eines Konfliktes hält Mattis offenbar für gegeben. Nordkorea sei nicht nur eine Bedrohung für die Region, sondern „eine direkte Bedrohung der Vereinigten Staaten.“ Auch dann, wenn Nordkorea nicht über eine Interkontinentalrakete mit montiertem Atomsprengstoff verfüge. Die Frage nach einer roten Linie, die das Regime nicht überschreiten solle, beantwortete der amerikanische Verteidigungsminister nicht. Präsident Trump benötige „politischen Manövrierraum.“

          Die militärischen Handlungsmöglichkeiten der Amerikaner in der Region wachsen unterdessen weiter. Wie das amerikanische Verteidigungsministerium am Dienstag bestätigte, hat mit der USS „Ronald Reagan“ der dritte Flugzeugträger der Marine inzwischen den Westpazifik erreicht. Das Pentagon teilte mit, es handele sich um eine Routinemaßnahme und nicht um die Antwort auf eine akute Bedrohung. Zumindest zwei der drei Träger nehmen zusammen mit ihren Kampfgruppen an einem japanischen Manöver teil. Dennoch: Die in der Region vorhandene Dichte ist nicht alltäglich.

          Am Mittwoch vermeldeten die Vereinigten Staaten zudem den erfolgreich simulierten Abschuss einer Rakete, wie sie von Nordkorea abgefeuert werden könnte. Die Test-Rakete sei abgefangen und „vollständig“ zerstört worden, sagte der Direktor der amerikanischen Raketenabwehr-Agentur (MDA), Jim Syring, bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die Langstreckenrakete war am Dienstag von einem amerikanischen Stützpunkt auf den Marshall-Inseln gestartet worden.

          In den vergangenen Wochen hatten mehrfach strategische Bomber vom Typ „B-1B“ an militärischen Manövern nahe Nordkorea teilgenommen, zusammen mit südkoreanischen und japanischen Kräften. Zudem haben die Amerikaner verbündeten Südkorea ein Abwehrsystem aufgebaut. „Thaad" richtet sich gegen Raketen mit kürzerer Reichweite, die aus Nordkorea die Republik bedrohen könnten.

          Nordkorea hatte zuletzt sein Raketentestprogramm deutlich beschleunigt. Am Montag hatte das Regime eine modifizierte Kurzstreckenrakete getestet, die nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA über ein präziseres Steuerungssystem verfügt. Außerdem sei die Verlässlichkeit mobiler Abschussrampen unter verschiedenen Bedingungen getestet worden. Es war der neunte registrierte Start einer Rakete in diesem Jahr. In den vergangenen Wochen hatte Nordkorea eine ganze Phalanx unterschiedlicher Typen testen lassen, von denen zumindest eine laut Experten schon heute dazu in der Lage wäre, den amerikanischen Militärstützpunkt Guam zu treffen.

          Machthaber Kim Jong-un ordnete derweil nach dem jüngsten Test die Entwicklung stärkerer strategischer Waffen an. Der große Erfolg der nordkoreanischen Anstrengungen bei der Raketenentwicklung bereite den „Yankees“ große Sorgen und entmutige „die Gangster ihrer südkoreanischen Marionettenarmee“, zitierte ihn KCNA. Nordkorea wolle den Vereinigten Staaten künftig noch „größere Geschenkpakete“ als Vergeltung für ihre militärischen Provokationen zustellen.

          Was das für die Vereinigten Staaten bedeuten könnte, ist offen. Verteidigungsminister Mattis deutete in seinem Interview an, über die Situation in der Region bestens im Bild zu sein. „Wir wissen Dinge, von denen selbst die Nordkoreaner keinerlei Ahnung haben.“

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