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Jahrestag von Srebrenica : Exekution im Klassenzimmer

  • -Aktualisiert am

Der Opfer gedenken: am Freitag in Potocari Bild: AP

Dreizehn Jahre nach dem Massaker von Srebrenica sind die Hauptverantwortlichen, Ratko Mladić und Radovan Karadžić, noch immer auf freiem Fuß. Dabei ist das bisher gesammelte Beweismaterial mehr als imposant.

          Die Gründung des ersten UN-Tribunals für Kriegsverbrechen 1993 ist eng mit dem Schicksal des ostbosnischen Städtchens Srebrenica verbunden. Vor Augen der UN-Schutztruppen und deren Befehlshabers Philippe Morillon gipfelte im Frühjahr 1993 die humanitäre Krise in Bosnien-Herzegowina in einer Katastrophe von bis dato unvorstellbaren Ausmaßen. Unter dem Kommando von Ratko Mladić bedrängten die serbischen Truppen die noch nach deren Blitzkrieg ein Jahr zuvor übrig gebliebenen Enklaven.

          Die massenhaft vertriebene bosniakische (muslimische) Zivilbevölkerung des ostbosnischen Grenzgebiets fand zum erheblichen Teil Zuflucht in Srebrenica, das nun auch vor dem Fall stand. Aber Slobodan Milošević hielt - nach massivem diplomatischen Druck - Mladić vor der Erstürmung ab. Mladić wurde, nachdem er in den eroberten Gebieten Kroatiens der Verwüstung ganzer Landstriche und zahlreicher Städte beitrug, von Milošević im April 1992 zum Generalleutnant ernannt und anschließend von der Versammlung der bosnischen Serben zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte bestimmt.

          Mladićs Eroberungsplan

          Die Eroberung von Srebrenica (und der anderen kleineren Enklave Žepa) sollte eines der wichtigsten Ziele des sogenannten „Strategischen Plans“ der bosnisch-serbischen Führung unter Radovan Karadžić und Momčilo Krajišnik vollends verwirklichen: die Eliminierung der Grenze zwischen Bosnien-Herzegowina und Serbien entlang des Drinaflusses.

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          Angesichts der sich anbahnenden Katastrophe vor Srebrenica beschloss der Sicherheitsrat, einerseits einen internationalen Gerichtshof zur Verfolgung von Kriegsverbrechern zu gründen und andererseits Srebrenica und fünf andere bedrohte Städte in Bosnien-Herzegowina zu Schutzzonen zu erklären.

          Mladić drangsalierte die eingeschlossene Stadt trotz der nunmehr stationierten (holländischen) Blauhelm-Soldaten dennoch weiter. Mit seinen hochgerüsteten Truppen hielt er die Stadt und Umgebung im Würgegriff und monierte gleichzeitig, die Entmilitarisierung der Eingeschlossen sei nicht vollständig durchgeführt worden. Das Eroberungsziel selbst war nie in Frage gestellt worden. Das wurde auch durch die serbischen Medien und deren Gräuelgeschichten propagandistisch flankiert.

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          Im Frühjahr 1995 heckte die bosnisch-serbische Führung den Eroberungsplan aus. Die Operation („Krivaja 95“) wurde durch eine Anweisung Mladićs an das zuständige Drina-Korps im März 1995, in der Schutzzone „eine unerträgliche Situation“ zu schaffen, eingeleitet. Die Offensive begann am 6. Juli und am 11. war Mladić mit seinen Truppen schon im Zentrum von Srebrenica. Die Aktion war gründlich geplant. Für die eingeschlossene Bevölkerung gab es keinen Ausweg. Die serbischen Soldaten und Polizisten führten die Massendeportation binnen Stunden durch. Die Männer und Jungen wurden dabei selektiert (in Potočari) und in die zuvor ausgesuchten Dörfern im serbisch kontrollierten Gebiet transportiert, interniert und exekutiert.

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