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Jahrestag des Völkermordes : Erdogan spricht Armeniern erstmals Beileid aus

  • Aktualisiert am

Recep Tayyip Erdogan Bild: AP

Fast ein Jahrhundert nach der Ermordung von Armeniern im Ersten Weltkrieg hat Recep Tayyip Erdogan als erster Regierungschef der Türkei sein Bedauern bekundet. Die Zahl der Toten ist weiterhin umstritten.

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          Fast hundert Jahre nach dem Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg hat die Türkei erstmals den Nachkommen der Opfer offen ihr Beileid übermittelt. Die Türkei wünsche sich, dass die Opfer „in Frieden ruhen“ und übermittle den „Enkeln“ der getöteten Armenier ihr Beileid, erklärte Regierungschef Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch. Als Völkermord betrachtet die Türkei die Vorkommnisse indes weiterhin nicht.

          Der 24. April 1915 gilt als der Tag, an dem die Deportationen und Massaker an der armenischen Minderheit begannen. Erdogan verbreitete seine Erklärung nun am Vortag des 99. Jahrestags. Während Armenien selbst ebenso wie viele andere Länder die Ereignisse im Osmanischen Reich als gezielten Völkermord der damals regierenden Jungtürkenbewegung betrachtet, lehnt die
          Türkei den Begriff des Genozids ab.

          Prägende Ereignisse der armenischen Geschichte

          „Es ist eine menschliche Pflicht, den Willen der Armenier, ihrer Leiden dieser Zeit zu gedenken, zu verstehen und zu teilen“, erklärte Erdogan. Es sei unstrittig, dass die letzten Jahre des Osmanischen Reiches eine schwere Zeit gewesen seien, in der Millionen Bürger Leid erfahren hätten. Das gelte aber gleichwohl für türkische, kurdische, arabische, armenische und andere Bürger, „unabhängig von ihrer Religion und ihrer ethnischen Herkunft“. Der Erste Weltkrieg sei „unser geteiltes Leid“.

          Der türkische Regierungschef erkannte an, dass die Ereignisse des Ersten Weltkriegs „unmenschliche Folgen“ gehabt hätten. Jedoch sei es „unzulässig“, sie als Entschuldigung für eine Feindschaft gegenüber der Türkei zu benutzen. Erdogan sprach sich für bessere Beziehungen beider Völker aus. Ähnlich hatte sich im Dezember bereits Außenminister Ahmet Davutoglu geäußert. Bei einem Besuch in Armenien hatte er die Deportationen außerdem als „Fehler“ und als „unmenschlich“ bezeichnet.

          Die Verbrechen an den Armeniern gehören zu den prägenden Ereignissen der armenischen Geschichte. Die dortigen Behörden geben die Zahl der Getöteten mit mehr als 1,5 Millionen an. Dagegen werden in der Türkei nur 300.000 bis 500.000 Tote anerkannt. Hunderttausende wurden damals außerdem vertrieben. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt.

          Türkische Medien werteten die Erklärung Erdogans am Mittwoch als überraschend. Sie wurde in mehreren Sprachen verbreitet, darunter auch auf Armenisch. Der bekannte türkische Kolumnist Etyen Mahcupyan, der armenischer Abstammung ist, würdigte den Schritt Erdogans als „sehr wichtig“. Das sei eine Premiere, wenngleich der Schritt eher symbolisch sei, sagte er dem Sender CNN-Türk.

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