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Zustimmung für Migrationskurs : Für die Italiener macht Salvini alles richtig

In Italien zeigt sich ein anderes Meinungsbild. Nach einer Umfrage von Ipsos befürworten 59 Prozent aller Italiener die von Salvini verfügte Hafensperrung für Rettungsschiffe mit Migranten an Bord. Unter den Anhängern seiner Partei stärken 99 Prozent dem Innenminister in dieser zentralen Streitfrage den Rücken, bei den Wählern der Fünf Sterne sind es immerhin 77 Prozent.

Die leisen Stimmen der Kritik innerhalb der Fünf Sterne an Salvinis Migrationspolitik sind inzwischen fast vollständig verstummt. Auch Parteichef und Arbeitsminister Luigi Di Maio hat am Samstag die Aktionen der Hilfsorganisationen als „intellektuell unaufrichtig“ und als „politische Show“ mit dem Ziel gegeißelt, die italienische Regierung anzuschwärzen. In der Umfrage von Ipsos sprechen sich einzig die Wähler der oppositionellen Sozialdemokraten mit einem Anteil von 81 Prozent deutlich gegen die Politik Salvinis aus.

Italiener verurteilen Racketes Handeln

Was den konkreten Fall der „Sea-Watch 3“ angeht, äußern 30 Prozent der Befragten die Ansicht, die deutsche Hilfsorganisation trage die Verantwortung für die Konfrontation. 18 Prozent sehen die Schuld bei der italienischen Regierung, und gut 20 Prozent sagen, beide Seite hätten das Armdrücken willentlich herbeigeführt. Beim Wettbewerb um die persönlichen Sympathien stehen die Italiener zu 53 Prozent auf der Seite ihres Innenministers, nur 23 Prozent äußern positive Empfindungen für die in Deutschland weithin als Heldin gefeierte Kapitänin Rackete. 24 Prozent der Befragten haben für beide nichts übrig.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts SWG. Danach sind 52 Prozent der Italiener der Ansicht, die Kapitänin habe falsch gehandelt, als sie sich über die Hafensperrung hinweggesetzt habe, 40 Prozent fanden die Entscheidung richtig. 91 Prozent der Lega-Wähler werfen Rackete vor, falsch gehandelt zu haben. Unter den Wählern der regierenden Fünf Sterne wie auch der oppositionellen Konservativen von Silvio Berlusconis Partei „Forza Italia“ verurteilen jeweils zwei Drittel die Entscheidung Racketes, sich über die Hafensperrung hinweggesetzt zu haben. Auch in dieser Umfrage sind es einzig die Anhänger der Sozialdemokraten, die mehrheitlich (zu 82 Prozent) der Meinung sind, Rackete habe richtig gehandelt.

Als besonders alarmierend wird in italienischen Medienkommentaren bezeichnet, dass der schrille Streit mit den privaten Seenotrettern den gesamten Sektor der gemeinnützigen Stiftungen und Nichtregierungsorganisationen in Misskredit bringt. Der umfasst in Italien mehr als 340.000 eingetragene Organisationen, die von der Behinderten-, Alten- und Kinderbetreuung über Kultur, Sport und Umwelt bis zum internationalen Austausch in ungezählten gesellschaftlichen Bereichen tätig sind. Während bei einer Ipsos-Umfrage von 2010 noch gut 80 Prozent der Italiener geäußert hatten, sie vertrauten den Stiftungen und Organisationen, sind es jetzt nur noch 39 Prozent. 56 Prozent sagen heute, den Leuten von den Stiftungen und Organisationen gehe es in Wahrheit ums Geld, nur noch 22 Prozent der Befragten glauben an deren humanitäre Motive.

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