https://www.faz.net/-gpf-9t0dl

Kardinal über Lega-Chef : Religiöser Beistand für Salvini

Matteo Salvini im Oktober 2019 in Rom Bild: AFP

Der Vorsitzende der rechtspopulistischen Lega Matteo Salvini gibt sich in den vergangenen Wochen betont gläubig, stößt damit jedoch nicht auf Gegenliebe in der katholischen Kirche. Dank eines emeritierten Kardinals ändert sich das.

          2 Min.

          Matteo Salvini gibt sich seit einiger Zeit demonstrativ katholisch: Während seiner Auftritte stellt der Vorsitzende der Lega seinen Rosenkranz zur Schau und zum Abschluss einer Veranstaltung erbittet er bisweilen den Beistand der Gottesmutter Maria. Doch bislang stieß der frühere Innenminister damit auf offizieller kirchlicher Seite auf wenig Gegenliebe. Die katholische Kirche in Italien, die wegen der Migrationspolitik ohnehin auf Kriegsfuß mit Salvini steht, aber auch das Umfeld von Papst Franziskus, verübelten ihm diese Auftritte als unzulässige politische Instrumentalisierung religiöser Symbole.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Doch nun zeigte sich, dass offenbar nicht alle katholischen Bischöfe den Konfrontationskurs gegenüber Salvini gutheißen. „Ich teile nicht das rein negative Bild, das in einigen Milieus von Salvini gezeichnet wird“, sagte Camillo Kardinal Ruini, der frühere Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz am Wochenende in einem Interview mit der Tageszeitung „Corriere della Sera“.

          Salvini habe „beachtliche Perspektiven“, auch wenn er noch „in mehrfacher Hinsicht reifen muss“, erklärte der 88 Jahre alte Ruini in altväterlichem Ton. Den Vorwurf einer politischen Instrumentalisierung religiöser Symbole durch Salvini findet Ruini zwar durchaus verständlich. Aus seiner Sicht könnte es sich jedoch auch um einen – wenn auch nicht ganz geglückten – Protest gegen die „politische Korrektheit“ handeln. Salvini habe damit möglicherweise die Rolle des Glaubens im öffentlichen Raum bekräftigen wollen, gab er zu bedenken.

          Überraschend positive Worte

          So wohlwollend hatte sich bislang noch kein führender Vertreter der katholischen Kirche in Italien über Salvini geäußert. Ruini ist zwar seit 2008 im Ruhestand. Der frühere Stellvertreter des Papstes als Bischof von Rom und Vertraute Benedikts XVI. gilt jedoch immer noch als graue Eminenz der katholischen Kirche des Landes. Ruini verkörpert jene Kirche, die in der italienischen Politik zu Zeiten der Democrazia Cristiana, aber auch noch in der Berlusconi-Ära kräftig mitmischte und in Rom Hinterzimmer-Diplomatie betrieb; eine Kirche, die sich vor allem dem Schutz der katholischen Ehe und Familie sowie des ungeborenen Lebens verschrieben hatte, wobei zumindest Ruini stets auch sozialpolitisch engagiert war.

          Wie tief die Gräben innerhalb dieser Kirche derzeit sind, machte die Reaktion von Bischof Domenico Mogavero auf die Äußerungen Ruinis deutlich. Mogavero ist ein prominenter Vertreter der neuen franziskanischen Kirche, auch wenn er noch von dessen Vorgänger Benedikt XVI. zum Bischof von Mazara del Vallo auf Sizilien ernannt wurde.

          „Ich wollte auch Gaddafi treffen“

          Auf die Frage, ob er Salvini treffen werde, machte Mogavero erst einmal deutlich, in welcher Liga der Rechtspopulist aus seiner Sicht spielt: Ja, er würde ihn gern treffen, sagte er, fügte aber hinzu, er habe sich auch mit dem libyschen Diktator Muammar al Gaddafi treffen wollen. Einen Dialog mit Salvini hält Mogavero für kaum möglich. „Mit ihm kann man vielleicht reden. Aber ich denke nicht, dass es Spielraum für eine Auseinandersetzung gibt.“ Denn nach Salvinis Auffassung könne man entweder für oder gegen ihn sein, erklärte der sizilianische Bischof. Dennoch habe Ruini gut daran getan, die Debatte über den künftigen Kurs gegenüber Salvini zu eröffnen.

          Salvini selbst hatte zwar wiederholt behauptet, er erhalte auch von katholischen Geistlichen und Ordensleuten viel Zuspruch, diese trauten sich aber nicht, sich öffentlich zu ihm zu bekennen. Als sich Ruini nun zu Wort meldete, wirkte Salvini dann aber doch einigermaßen überrascht. „Ich bin getroffen und bewegt“, sagte er am Dienstag in einem Interview mit dem „Corriere della Sera“. Ruini stehe „für einen bedeutsamen Teil der Kirche“. Er, Salvini, suche den Dialog mit der italienischen Bischofskonferenz, mit den Bischöfen und mit der katholischen Welt. Zu Ruinis Bemerkung, Salvini müsse noch etwas reifen, sagte der Politiker artig, dass niemand „aufhört, zu lernen“.

          Eine Spitze gegen Papst Franziskus konnte sich aber auch ein bewegter Salvini nicht verkneifen. Er respektiere jede Meinung, sagte er, um dann die gewagte These zu formulieren, dass die drei Päpste Johannes XXIII., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. mit ihren Aussagen zur Aufnahme von Migranten „nicht weit“ von seiner eigenen Auffassung entfernt seien.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die draußen gegen die drinnen: Aktivisten demonstrieren am Mittwoch vor den Türen der Messehalle in Madrid.

          Klimagipfel in Madrid : Aufbruch im Mäuseschritt

          Beim Klimagipfel in Madrid trifft Protest auf Politik, ehrgeizig wollen alle sein. Doch im Inneren der Messehalle sind selbst kleine Kompromisse mühsam – vielversprechend klingt nur der „Green Deal.“
          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.