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Beschleunigter Impfplan : Italien will bis Herbst achtzig Prozent der Bevölkerung impfen

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi beim Besuch eines Impfzentrums in Fiumicino am Freitag Bild: EPA

Die Regierung in Rom will die Zahl der täglich verabreichten Impfdosen von April an verdreifachen. Ministerpräsident Draghi bemüht sich, Bedenken gegen den Impfstoff von Astra-Zeneca zu zerstreuen.

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          Die Regierung in Rom hat am Wochenende ihren Plan zur Beschleunigung der Impfkampagne vorgelegt. Danach soll die Zahl der täglich verabreichten Impfdosen von April an von derzeit rund 170.000 auf mindestens eine halbe Million verdreifacht werden. Ziel ist es, bis September mindestens 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus zu impfen. Wie in zahlreichen anderen EU-Staaten ist auch in Italien die Impfkampagne nur schleppend angelaufen.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bisher sind in dem Land mit knapp 60 Millionen Einwohnern nur rund 1,9 Millionen Personen mit den erforderlichen zwei Dosen geimpft worden, das entspricht einem Anteil von 3,2 Prozent. Weitere gut vier Millionen Menschen haben die erste Dosis eines Impfstoffs erhalten. Bis Juli hofft die Regierung einen Anteil von 60 Prozent Immunisierten zu erreichen, bis Ende August dann 70 Prozent.

          Draghi will Bedenken zerstreuen

          Bis jetzt wurden laut Regierung in Rom 7,9 Millionen Dosen verschiedener westlicher Hersteller an Italien geliefert. Diese Zahl werde sich innerhalb der nächsten drei Wochen verdoppeln, heißt es in dem Regierungsplan. Etwa 52 Millionen weitere Dosen werden bis Ende Juni erwartet, weitere 84 Millionen dann bis zum Herbst. Es werden zwei Pfeiler für die Intensivierung der Impfkampagne genannt: die rasche und zuverlässige Verteilung der zunächst zentral nahe Rom gelagerten Impfstoffe und sodann deren rasche Verabreichung an möglichst vielen Stellen, etwa in Turn- und Stadthallen, in Bildungseinrichtungen und Unternehmen, in Kasernen und Arztpraxen.

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          Beim Besuch eines Impfzentrums in Fiumicino bei Rom versuchte Ministerpräsident Mario Draghi am Wochenende, wachsende Bedenken gegen den Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens Astra-Zeneca zu zerstreuen. Die italienische Arzneimittelbehörde Aifa habe bisher keinen ursächlichen Zusammenhang feststellen können zwischen der Verabreichung des Impfstoffs und mehreren Todesfällen nach der Erstimpfung mit dem Vakzin, sagte Draghi. Die Aifa hatte am Donnerstag eine Charge des Impfstoffs wegen „schwerwiegender unerwünschter Ereignisse“ eingezogen, aber keinen allgemeinen Stopp für die Verabreichung verfügt.

          Unterdessen tritt an diesem Montag wegen der steigenden Zahl bestätigter Neuinfektionen in zahlreichen Regionen Italiens ein faktischer Lockdown in Kraft. Zu den „roten Zonen“ mit dem höchsten Infektionsrisiko zählen neben anderen die bevölkerungsreichen Regionen Lombardei, Venetien, Latium, Emilia-Romagna und Piemont. Von den umfassenden Einschränkungen sind rund 43 Millionen Menschen betroffen. Schulen und Kindergärten sowie der Einzelhandel müssen schließen, Restaurants dürfen Speisen nur zum Mitnehmen und zur Lieferung nach Hause anbieten.

          Einzige „weiße Zone“ ist die Insel Sardinien, dort gelten die wenigsten Einschränkungen. Alle übrigen Regionen sind als „orange Zonen“ ausgewiesen, in welchen es ebenfalls erhebliche Einschränkungen gibt. Von Karsamstag bis Ostermontag gilt faktisch eine nationale Ausgangssperre, in dieser Zeit darf die Gemeinde des Wohnorts nur in Ausnahmefällen verlassen werden.

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