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Italien : Weiße Weihnacht

  • -Aktualisiert am

Innenminister Maroni will bis Weihnachten alle Ausländer „draußen” haben Bild: REUTERS

Einige Gemeinden in Norditalien fordern ihre Bürger auf, „illegale“ Ausländer jetzt anzuzeigen. Damit folgen sie einem Programm der separatistischen „Lega Nord“. Die Aktion „Weiße Weihnachten“ soll den Fehlschlag mit den Bürgerwehren wettmachen.

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          Wer das Denunziation nenne, sei „misstrauisch und verleumderisch“, sagt Allessandro Bozzoli, Bürgermeister der etwa 1800 Einwohner zählenden Gemeinde San Martino dall’Argine nahe Mantua in Norditalien. Dabei fordert er mit einem Flugblatt seine Bürger dazu auf, Ausländer anzuzeigen: „Jeder, der von der Anwesenheit illegaler Einwanderer in der Gemeinde weiß, wird gebeten, diese für die notwendigerweise folgenden Maßnahmen möglichst schnell dem Bürgermeister, der örtlichen Polizeibehörde oder dem Einwohnermeldeamt zu melden.“

          Mindestens zwei weitere norditalienische Gemeinden tun es Bozzoli gleich und folgen damit einem Programm der separatistischen „Lega Nord“, des Koalitionspartners von Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Die oppositionelle bürgerliche Linke guckt dem Treiben zu oder kritisiert sanft „vollmundige Absichten ohne konkreten Hintergrund“; allein die Kirche verurteilt die „inhumane Praxis“.

          „Weiße Weihnachten

          Das Programm der „Lega Nord“ steht unter dem Motto „Weiße Weihnachten“, wobei nicht erkennbar ist, wie es gerade zu diesem Decknamen kam – „weiß“ wegen der vermeintlichen „Unschuld“ des Programms? Oder soll „weiß“ bedeuten, dass man ohne „schmutzige Ausländer“ leben will? Innenminister Roberto Maroni, der stellvertretende Vorsitzende der „Lega“, möchte jedenfalls bis Weihnachten alle Ausländer „draußen“ haben. Vor einigen Tagen machte die Gemeinde Coccaglio nahe Brescia mit derselben Aufforderung an die Bürger wie in San Martino von sich reden. Für den zu den Mitbegründern der „Lega“ gehörenden Claudio Abiendi, der in Coccaglio für die Sicherheit verantwortlich ist, bedeutet Weihnachten, wenn gemeinhin auch der Beherbergung von Josef und Maria in Bethlehem gedacht wird, „ein Fest christlicher Tradition, unserer Identität, aber nicht ein Fest der Aufnahme“ Fremder.

          „Weiße Weihnacht“ wurde im Oktober von den Bürgermeistern der „Lega“ vereinbart. Es soll den Fehlschlag mit den „Bürgerwehren“ wettmachen, die Maroni im Sommer per Dekret gefordert hatte. In jeder Nachbarschaft sollten sich Freiwillige zur „Ronde“ melden, im gleichfarbenen T-Shirt und mit der gleichen Kappe, um ohne Waffe durch ihre Quartiere zu patrouillieren. Es meldeten sich aber nicht einmal im Norden genügend Freiwillige, wo die „Lega“ stark ist und die Abneigung gegen Ausländer besonders groß sein soll. Das neue Programm hat nicht mehr das Leitbild des in Uniform marschierenden Hilfspolizisten, sondern das des Nachbarn, der hinter der Gardine hervorlugt, des Kaffeehausbesuchers, der in Richtung Nebentisch schielt. Sie sollen jeden Fremden anzeigen – und sei es jener missliebige Nachbar, der irgendwie nicht wie ein Italiener aussieht. Noch steht freilich eine offizielle Klärung der Frage aus, was ein „italienisches Aussehen“ ausmacht.

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