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Anti-Homophobie-Gesetz : „Ein Angriff auf die Freiheit der katholischen Kirche“

Papst Franziskus feiert im Juni 2020 die Fronleichnamsmesse im Petersdom. Bild: dpa

In Italien eskaliert der Streit über einen Gesetzentwurf zum Kampf gegen Homo- und Transphobie. Nach den katholischen Bischöfen hat jetzt auch der Vatikan in ungewöhnlich deutlicher Form dagegen protestiert.

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          In Italien eskaliert der Streit um einen Gesetzentwurf zum Kampf gegen Homo- und Transphobie, das sogenannte „Legge Zan“. Nach der katholischen Bischofskonferenz des Landes hat sich jetzt auch der Heilige Stuhl gegen den Gesetzentwurf ausgesprochen. Angesichts der Zuspitzung des seit Monaten schwelenden Konflikts muss sich nun Ministerpräsident Mario Draghi mit einem Dialogangebot an den Heiligen Stuhl um Schlichtung bemühen. In einer ersten Reaktion auf den Disput sagte Draghi am Dienstagabend, es handele sich um eine „wichtige Frage“, auf welche die Regierung „in strukturierter Form antworten“ werde.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Am Dienstagmorgen hatte zuerst die Zeitung Corriere della Sera unter Berufung auf Quellen im Vatikan berichtet, dass dessen „Außenminister“, der britische Kurienerzbischof Paul Richard Gallagher, am 17. Juni dem italienischen Botschafter beim Heiligen Stuhl eine Verbalnote übergeben habe, wonach der Vatikan den Gesetzentwurf als Angriff auf die „im Konkordat garantierte Freiheit der katholischen Kirche“ betrachte. Am Mittwoch bestätigten der Vatikan und die italienische Regierung den Inhalt der Verbalnote. Danach warnt der Vatikan, das Gesetz zur „Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Behinderung“ verstoße in seiner vorliegenden Form gegen das 1984 zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien geschlossene Konkordat, das seinerseits auf die Lateranverträge von 1929 aufbaut.

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