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Lockerungen für Touristen : Wie Italien um Gäste aus dem Ausland wirbt

Gähnende Leere: Solche Bilder wie im Mai 2020 in Venedig soll es in dieser Tourismussaison nicht geben Bild: dpa

Reisende aus der EU, Großbritannien und Israel dürfen vom 15. Mai an ohne Quarantäne nach Italien einreisen, wenn sie gegen Corona geimpft oder genesen sind. Rom hofft auf den Tourismus als „Baustein für den Neustart“.

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          Italien will die fünftägige Quarantänepflicht für Einreisende vom nächsten Wochenende an aufheben. Die Reiseerleichterung soll den Fremdenverkehr ankurbeln und vom 15. Mai an für die Bürger aller 27 EU-Staaten sowie für Reisende aus Großbritannien und Israel gelten. Für Bürger der Vereinigten Staaten werde die Quarantänepflicht Anfang Juni fallen, kündigte Außenminister Luigi Di Maio am Samstag an. Bisher benötigen Reisende aus der EU einen negativen Test vor der Einreise, ein zweiter (negativer) Test muss zum Abschluss der „Mini-Quarantäne“ von fünf Tagen vorgelegt werden.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die fortbestehende Testpflicht kann von Samstag an umgehen, wer seine vollständige Impfung oder eine überstandene Covid-19-Erkrankung nachweisen kann. Bis zu der für Juni vorgesehenen Einführung des europäischen „grünen Passes“ für Geimpfte genügt zur Einreise nach Italien die Vorlage eines nationalen Nachweises der (vollständigen) Impfung oder Genesung. „Der Tourismus ist ein wichtiger Baustein für den Neustart Italiens“, teilte der Minister der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung mit. Die erforderliche Verordnung zur Aufhebung der Quarantänepflicht will das Kabinett von Ministerpräsident Mario Draghi bis Mitte der kommenden beschließen.

          Draghi will Risiko begrenzen

          Auch die nächtliche Ausgangssperre wird wohl gelockert werden. Statt wie bisher um 22 Uhr soll die Ausgangssperre vom 17. Mai an erst um 23 oder 24 Uhr in Kraft treten. Die wirtschaftsliberalen Parteien in Draghis Koalition fordern eine vollständige Abschaffung der Ausgangssperre noch im Mai. Der Regierungschef selbst und die linken Parteien der Koalition befürworten dagegen eine Beibehaltung der (verkürzten) Ausgangssperre. Beim EU-Sozialgipfel im portugiesischen Porto sagte Draghi am Samstag, bei den Öffnungsschritten müsse vernünftig vorgegangen werden: „Wir müssen das Risiko, das wir eingehen, kalkulieren können.“

          Mit der Abschaffung der Quarantänepflicht und der ausdrücklichen Einladung an ausländische Besucher will Italien im zweiten „Pandemiesommer“ mit Blick auf den Fremdenverkehr besser abschneiden als 2020. Im Vergleich zu 2019 verlor das Mittelmeerland im vergangenen Jahr 80 Prozent der Besucher aus dem Ausland und damit 74 Millionen Gäste. Das verursachte einen Umsatzverlust in der Höhe von 24 Milliarden Euro. Vor der Corona-Pandemie machte der Tourismus in Italien gut 13 Prozent der Wirtschaftskraft des Landes aus.

          Seit Ende April dürfen Restaurants und Bars in Italien Gäste wieder am Tisch bewirten statt Speisen und Getränke nur zum Mitnehmen oder zur Lieferung anzubieten. Tischservice ist vorerst aber nur im Freien gestattet. Für die autonome Provinz Südtirol hat die Regierung Bozen schon zum 26. April die Bewirtung auch in Innenräumen erlaubt, sofern die Gäste einen von der Provinzregierung ausgestellten „grünen Pass“ vorlegen können. Mittels einer App auf dem Smartphone können die Impfung, die Genesung oder ein negativer Test nachgewiesen werden.

          Wirte haften nicht für renitente Gäste

          Die Gastronomen sind verpflichtet, sich den „Corona-Pass Südtirol“  zeigen zu lassen, wenn Gäste im Innenbereich Platz nehmen. Gegen diese Anordnung der Regierung in Bozen hatte es Widerstand aus dem Gastgewerbe gegeben, weil sich eine quasipolizeiliche Kontrolle schlecht mit dem Servicegedanken vertrage.

          Mit einer weiteren Verordnung hat die Südtiroler Regierung in der vergangenen Woche die Kontrollen nun klarer geregelt. Demnach müssen sich Gastbetriebe den „Corona-Pass Südtirol“ vorzeigen lassen. Sollte ein Gast seinen „grünen Pass“ nicht zeigen wollen (oder können), muss der Wirt den Gast auffordern, im Freien Platz zu nehmen. Sollte der Gast den Innenraum der Bar oder des Restaurants dann trotzdem nicht verlassen wollen, haftet aber nicht mehr der Wirt für die Zuwiderhandlung. Vielmehr muss im Falle einer Kontrolle durch die Ordnungsbehörden dann der Gast die fällige Strafe bezahlen.

          Es sei „wichtig, dass der Wirt die Aufforderung (zum Verlassen des Innenraums) in Anwesenheit von Zeugen ausspricht, dann ist er nicht mehr haftbar“, riet Manfred Pinzger, Präsident des Südtiroler Gastgewerbeverbands, den Betreibern von Bars, Cafés und Restaurant. Die Gastwirte seien „in ihrem eigenen Interesse dazu aufgerufen, diese Vorschriften einzuhalten“, sagte Pinzger: „Wir können nicht riskieren, dass wegen einiger weniger, die sich nicht an die Regeln halten, unsere Betriebe wieder geschlossen werden und der Beginn der Sommersaison verschoben wird.“

          Derweil wurde am Samstag in Bozen bekannt, dass wegen wiederholter Missachtung der Corona-Regeln zwei Gastronomiebetriebe vorübergehend geschlossen werden. Die beiden Betriebe in Innichen und Brixen müssen demnach für zehn Tage ihre Türen wieder schließen. Über mögliche zusätzliche Geldstrafen für die Gastwirte wurde bisher nichts mitgeteilt.

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