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Italiens Fünf-Sterne-Bewegung : Ein „göttlicher Erfolg“?

Lässt auf sich warten: Luigi Di Maio Bild: Reuters

Die Protestbewegung „Fünf Sterne“ scheint auf Anhieb zweitstärkste Kraft zu sein. Eigentlich ein Grund zum Jubeln, doch stattdessen taucht der Vorsitzende erst einmal ab.

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          Am Ende hat er sich doch noch nicht getraut. In der Nacht des bislang größten Triumphs der Fünf-Sterne-Bewegung schweigt Luigi Di Maio. Die „Fünf Sterne“ haben ins feine Rom eingeladen, in das Grandhotel Parco dei Principi am Rande der Villa Borghese, einer der größten und bekanntesten Parkanlagen der Hauptstadt. Von dort aus wollte die Protestbewegung Bilder ihres Wahlerfolgs in die Welt senden. Ob sie damit gerechnet hatte, dass der so deutlich ausfallen würde?

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Nachdem die Wahllokale um 23 Uhr geschlossen hatten, kamen schnell die ersten Zahlen. Die Nachwahl-Befragung des staatlichen Fernsehsenders Rai sah die „Fünf Sterne“ im Abgeordnetenhaus bei etwa 30 Prozent der Stimmen. Auch im Senat, der zweiten Kammer des italienischen Parlaments, würde sie demnach stärkste Fraktion werden. Plötzlich war die nächtliche Wahlveranstaltung der „Fünf Sterne“ noch gefragter als zuvor.

          „Schon eine seltsame Wahl für eine Protestbewegung.“ Der Taxifahrer bringt den Wagen vor dem Grandhotel zum Stehen. „Aber vielleicht dachten sie, für eine große Feier braucht es ein großes Hotel“, fügt er mit ironischem Unterton hinzu. Tatsächlich wollen das Parco dei Prinicipi und die Protestbewegung erst einmal nicht recht zusammenpassen; außer den jeweils fünf Sternen im Namen und auf der Hotelplakette scheint sie nichts zu verbinden. Mit dicken Teppichen, stuckverzierten Decken und schweren Vorhängen strahlt das Hotel vor allem eines aus: Bürgerlichkeit.

          Der Eingang zum Grandhotel Parco dei Principi im Zentrum von Rom

          Die wurde zuletzt auch immer wieder dem Fünf-Sterne-Spitzenkandidaten unterstellt. Di Maio mit seinen Maßanzügen und gemäßigten Tönen sei ein „democristiano“, ein Christdemokrat. Dieses Etikett ist eigentlich für die (ehemaligen) Mitglieder der gemäßigten katholischen Volkspartei Democrazia Cristiana reserviert, die Italien bis zum großen Parteienskandal 1994 dominierten und regierten. Angewendet auf Di Maio war es eher eine Art Schimpfwort, der Vorwurf, ein mit allen Wassern gewaschener Machtpolitiker zu sein. Doch Di Maios Bestrebungen, seine Bewegung auch anderen Wählerschichten zu öffnen, zahlten sich letztlich aus. In den ersten Hochrechnungen kam sie in der Nacht nach der Wahl schon auf 33,1 Prozent.

          Stabilere Zahlen wurden gegen drei, vier Uhr nachts erwartet. Genau wie Di Maio. Der sollte im riesigen Konferenzsaal des Parco der Principi den Ausgang der Wahl kommentieren. Doch erst einmal tauchte ein Video auf. In dem sich Di Maio und seine Getreuen bei den zweiten Runde der Hochrechnungen – 33,6 Prozent für die „Fünf Sterne“ – jubelnd in die Arme fallen. Zu sehen sind sie in Räumen des Grandhotels, wo sie, wie man munkelt, mit Bier und Spezialitäten aus Kampanien, der Heimatregion Di Maios, feiern – auf seinen Wunsch.

          Mit dabei ist auch Davide Casaleggio. Der Sohn des Fünf-Sterne-Gurus Gianroberto Casaleggio leitet nun das Mailänder Informatik- und Medienunternehmen, das hinter der Protestbewegung und ihren Online-Auftritten steht. Er hatte die Partei im Wahlkampf in Schwierigkeiten gebracht, als bekannt wurde, dass er als Hüter des Servers der „Fünf Sterne“ offenbar Parteimitglieder ausspionieren konnte.

          Undurchsichtige Internet-Kampagne

          Die Enthüllungen schienen die schon häufig geäußerte Kritik an der undurchsichtigen Internet-Demokratie der „Fünf Sterne“ zu bestätigen. Geschadet haben sie der Bewegung offenbar nicht, wie auch viele andere Vorwürfe und Skandale der vergangenen Wochen sich nicht negativ auf die Beliebtheit der „Fünf Sterne“ auswirkten. Di Maio konnte noch so oft als Studienabbrecher und Taugenichts diffamiert werden, der Italien und Europa ins Chaos stürzen wird – in den Umfragen lag seine Bewegung bis zuletzt vorne.

          „Wenn die Zahlen so bestätigt werden sollten, wäre das ein Triumph der ‚Fünf Sterne’. Ein geradezu göttlicher Erfolg und der Beweis dafür, dass wir gut gearbeitet haben“, sagt Alessandro Di Battista, ein führendes Mitglied der Bewegung, in der Wahlnacht in dem riesigen Konferenzsaal des Parco di Principi, der wohl der wahre Grund für die Wahl des Hotels gewesen sein dürfte. „Aber vor allem müssen jetzt alle zu uns kommen und mit uns Gespräche führen, und das müssen sie auf transparente Weise tun“, kündigte Di Battista vor den etwa hundert anwesenden Journalisten an. Applaus bekam er dafür keinen. Denn Aktivisten der Bewegung waren auf der Veranstaltung offenbar nicht vorgesehen.

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          Stattdessen warteten die Medienvertreter mit ihren Kameras, Mikrofonen und Notizblöcken weiter auf Di Maio. Der Mann der Stunde könnte vielleicht bald Regierungschef der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone werden – falls die „Fünf Sterne“ sich doch dazu entschließen sollten, eine Koalition einzugehen, etwa mit Matteo Renzis Partito Democratico oder gar der rechten Lega. Denn allein kommt die Bewegung trotz ihres traumhaften Ergebnisses nicht auf die zum Regieren notwendige Mehrheit. 

          Doch am Ende wurden die Wartenden nicht belohnt. Gegen halb vier ist klar: Obwohl oder gerade weil in dieser Wahlnacht so vieles möglich scheint für die „Fünf Sterne“, wird Di Maio erst einmal schweigen – bis zum offiziellen Wahlergebnis.

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