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353 Migranten in Quarantäne : Italien erlaubt „Sea-Watch 4“ Einfahrt in Hafen von Palermo

  • Aktualisiert am

Migranten auf dem Deck der „Sea-Watch 4“ am 27. August Bild: AFP

Das von der Evangelischen Kirche mitfinanzierte Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ hat derzeit 353 Migranten an Bord. Nun hat Italien ihm einen „sicheren Hafen“ zugewiesen – nach tagelangem Tauziehen.

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          Italien hat dem deutschen Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ nach tagelangem Tauziehen die Erlaubnis gegeben, 353 Bootsmigranten nach Sizilien zu bringen. Das private Hilfsschiff dürfe Palermo als „sicheren Hafen“ anlaufen, teilte die Organisation am Dienstag auf Twitter mit. Wie eine Sprecherin sagte, wird die „Sea-Watch 4“ voraussichtlich am Mittwoch dort ankommen. Unter den Migranten seien Männer, Frauen, Kinder und viele unbegleitete Minderjährige. Die Menschen würden auf ein italienisches Quarantäneschiff gebracht. Migranten müssen in Italien in eine zweiwöchige Corona-Isolation.

          Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, schrieb in einer Mitteilung, ohne die zivilen Helfer wären die Geretteten mit „hoher Wahrscheinlichkeit ertrunken“. „Es kann nicht sein, dass Europa wegsieht, wenn Menschen an den Grenzen Europas sterben.“

          Hafenzuweisung elf Tage nach der Rettung

          Die „Sea-Watch 4“ wird von einem Bündnis von Unterstützern betrieben, unter ihnen auch die EKD. Das Schiff befindet sich auf der ersten Fahrt und war Mitte August von Spanien aus aufgebrochen, um im Mittelmeer vor Libyen schiffbrüchige Migranten aufzunehmen. Der Hafen sei dem Schiff „am 11. Tag nach der ersten Rettung“ zugewiesen worden, schrieben die Betreiber. Sie hatten in Italien und in Malta um Aufnahme gebeten.

          Am Wochenende hatte die „Sea-Watch 4“ zudem rund 150 Menschen von einem anderen, unter deutscher Flagge fahrenden Schiff übernommen, von der „Louise Michel“. Dieses Boot wird vom britischen Künstler Banksy unterstützt.

          Italien betreibt mehrere Quarantäne-Schiffe. Im Laufe des Sommers war die Zahl der über das Mittelmeer ankommenden Migranten stark angestiegen. Seit Jahresbeginn registrierte das Innenministerium in Rom fast 19.400 Ankünfte; im gleichen Zeitraum 2019 waren es 5253 gewesen. Die Migranten fahren sowohl von Libyen als auch von Tunesien los. In Süditalien rufen die steigenden Zahlen zunehmend Widerstand in den Ankunftsorten hervor. Viele Auffanglager sind überfüllt.

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