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Italien : Die Giftschiffe der kalabrischen Mafia

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In Kalabrien arbeitete die ’Ndrangheta Ende der achtziger Jahre mit Ingenieur Giorgio Comerio zusammen, der zunächst im Auftrag der italienischen Regierung Atomschlamm auf dem Meeresgrund versenkt haben soll und dann die Giftschiffe so mit Sprengstoff präparierte, dass sie wie ein Torpedo in den Meeresboden „geschossen“ wurden. Zuvor hatte er die giftige Ladung mit Marmorpulver und Marmorblöcken so bedeckt, dass diese strahlende Ladung mit Messgeräten schlecht geortet werden kann.

„Natale wollte kein Held sein“

Die „Lega Ambiente“ fordert die Suche nach der „Rigel“ – dazu in der Lage ist wegen der enormen Kosten nur der Staat, der sich willig zeigt. Umweltministerin Prestigiacomo sagt, sie habe sich der Suche nach den Giftschiffen verschworen, und Staatsanwalt Bruno Giordano machte sich schon als Anti-Mafia-Ermittler bei der Suche nach der „Cursky“ einen Namen. Offiziell also wollen Wissenschaftler, Politiker, Anwälte und Richter die Giftschiffe finden. Aber dass die Suche nach der „Rigel“ schon einmal vergeblich war, hat möglicherweise auch mit einem rätselhaften Todesfall zu tun.

Der mit der Suche beauftragte Korvettenkapitän Natale de Grazia aß am 13. Dezember 1995 mit zwei Polizisten der Gendarmerie an einer Autobahnraststätte bei Salerno auf dem Weg nach Neapel zu Abend – bis auf den Nachtisch dasselbe Menü. Kurz darauf war der 1956 geborene und nach Angaben seiner Witwe Anna Vespia de Grazia kerngesunde Mann tot. In der ersten Autopsie war von einem Herz-Kreislauf-Zusammenbruch die Rede. Die zweite wurde aus unerklärlichen Gründen von demselben Amtsarzt ausgeführt und erbrachte dasselbe unklare Ergebnis. „Es deutete von vornherein alles auf Mord hin. Aber beweisen kann ich es bis heute nicht“, sagt Anna Vespa de Grazia.

Die Beisetzung ihres Mannes war fast ein Staatsakt. Nicht nur die Kameraden folgten dem Sarg des charismatischen Offiziers, auch „die Obrigkeit war reichlich vertreten, gewiss auch viele ,ehrenwerte Herren‘, die gerne ihr Kreuz auf der Brust tragen“, sagt die Witwe. Im Mai 2001 erhielt der Tote von Staatspräsident Ciampi postum eine goldene Medaille, die ihn dafür auszeichnete, dass er bei der Erfüllung seiner Pflichten gestorben sei. Gemeinhin zieht das Vergünstigungen für die Ausbildung der Halbwaisen nach sich. Doch Natale de Grazias Söhne gingen leer aus.

Auf dem Schreibtisch der Witwe häufen sich die Zeitungen. Jede neue Wendung in dem Skandal um die Giftsschiffe im Meer vor Kalabrien erlebt sie seit damals mit. „Natale wollte kein Held sein. Er tat seine Pflicht. Die Justiz hatte ihn eingesetzt, um die Untersuchungen nach den vermissten Schiffen voranzutreiben. Natale war weder rechts noch links. Das Gift ist ein Gesundheitsrisiko für uns alle, und darum wollte er es finden.“ Heute gibt sie zu, dass sie zu spät merkte, dass ihr Mann in den letzten Wochen seines Lebens besorgt und unruhig war. Sie habe einmal gefragt: „Riskierst du etwas?“ Darauf er: „Nein, ich bin nur ein Techniker.“ Erst nach dem rätselhaften Tod erfuhr sie, dass das gesamte Team von Natale de Grazia bedroht worden war. Wenig später wurden die Untersuchungen zur „Rigel“ eingestellt. Als bald darauf in der Staatsanwaltschaft die Zuständigkeit wechselte, verschwanden auf rätselhafte Weise viele Akten.

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