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Ostern in Rom : Italien begeht die Festtage im Lockdown

Rom am Sonntag Bild: dpa

Der Petersplatz in Rom ist fast menschenleer, der Papst spendet den Segen in einem fast leeren Dom. Rom feiert das zweite Ostern in der Pandemie. Den Menschen gehen Reserven an Gehorsam und Duldsamkeit zur Neige.

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          Das zweite Jahr in Folge erlebte die Ewige Stadt ein „pasqua blindata“, ein „verpanzertes Osterfest“, wie man die eigentümliche Formulierung im Italienischen vielleicht übersetzen kann. Wie schon zu Ostern 2020 war der Petersplatz am Sonntag wieder abgeriegelt – und fast menschenleer. Vor den Absperrgittern standen die Autos von Polizei und Carabinieri, die Beamten trugen vorbildhaft alle ihren Mund-Nasen-Schutz. Die Regierung in Rom hat von Karsamstag bis Ostermontag das ganze Land zur „roten Zone“ erklärt, es gilt eine faktische Ausgangssperre für alle 60 Millionen Einwohner des Landes. Aus dem Haus soll man nur der Gesundheit, der Arbeit und essentieller Besorgungen wegen.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch anders als im vergangenen Jahr forderten die Ordnungskräfte auf dem Petersplatz die Leute, die am Sonntag dort und in den umliegenden Straßen bei klarstem Sonnenwetter flanierten, nicht mehr dazu auf, die ominöse „autodichiarazione“ (Selbstauskunft) vorzuzeigen. Dieses Blatt Papier muss, ausgefüllt und unterschrieben, eigentlich jeder mitführen, der sich aus der unmittelbaren Umgebung seiner Wohnung entfernt.

          Erinnerung an Menschenmassen verblasst

          Auf der Ringautobahn von Rom war am Sonntag deutlich mehr Verkehr als an Ostern vor einem Jahr, obwohl faktisch die gleichen Einschränkungen gelten. Doch nach dem ersten harten Lockdown von März bis Mai 2020 gehen im zweiten Frühjahr und am zweiten Osterfest unter Pandemiebedingungen die Reserven der Bevölkerung an Gehorsam und Duldsamkeit erkennbar zur Neige. Man werde gut 70.000 Beamten der Ordnungskräfte mobilisieren, dazu Drohnen und Hubschrauber einsetzen, um die „Osterruhe“ durchzusetzen, hatte das Innenministerium in der Karwoche wissen lassen. Das klang wie eine Drohung – und sollte es wohl auch sein.

          Die Pforten des Petersdoms blieben für die Gottesdienste von Gründonnerstag bis Ostersonntag abermals verriegelt. Papst Franziskus zelebrierte die Messen im kleinen Kreis von Kardinälen und Bischöfen, Priestern und Nonnen. Zur Ostermesse waren 200 ausgewählte Gläubige im Petersdom zugelassen, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Abstandhalten waren Christenpflicht. Die Erinnerung an die traditionellen Feiern des Hochfests der Auferstehung vor Zehntausenden Gläubigen und Pilgern auf dem Petersplatz rückt in immer weitere Ferne. Früher drängten sich fast eine Million Touristen über die Ostertage in Rom. Dieses Jahr ist die Stadt abermals fast unwirklich leer.

          In seiner Osterbotschaft im verschlossenen Petersdom rief Papst Franziskus zur solidarischen Verteilung der Corona-Impfstoffe in aller Welt auf. Die Staatengemeinschaft müsse „in gemeinsamer Anstrengung die Verzögerungen bei der Impfstoffversorgung überwinden“ und vor allem den ärmsten Ländern Impfstoffe zukommen lassen. Franziskus rief zudem zu einem Ende der Gewalt in Syrien, in Libyen und im Jemen auf und verurteilte die anhaltenden bewaffneten Konflikte weltweit als „skandalös“.

          „Gib uns die Kraft, wieder aufzustehen“

          Anschließend spendete der Papst den traditionellen Segen „Urbi et orbi“, der Stadt (Rom) und dem Weltkreis. Gewöhnlich wird der Segensspruch vom Papst von der Mittelloggia des Petersdoms aus erteilt – zu Ostern, zu Weihnachten und unmittelbar nach einer Papstwahl. Durch den Segen wird katholische Gläubigen ein Ablass ihrer Sündenstrafen erteilt, auch wenn sie dem Ereignis nicht an Ort und Stelle beiwohnen, sondern dieses mittels Übertragung in aller Welt verfolgen.

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          Im Gottesdienst zur Osternacht im Petersdom hatte der Papst am Samstagabend eine Botschaft der Hoffnung an die Gläubigen in aller Welt gesandt. „Es ist immer möglich, neu anzufangen, weil es ein neues Leben gibt, das Gott in uns neu beginnen lassen kann – jenseits von all unserem Scheitern“, sagte Franziskus: „In den dunklen Monaten der Pandemie hören wir den auferstandenen Herren, der uns einlädt, niemals die Hoffnung zu verlieren.“ Zugleich mahnte der Papst, der Glaube dürfe nicht aus überkommenen Gewohnheiten und aus Vergangenem bestehen. Denn der Glaube sei „keine Antiquitätensammlung“, weil eben auch Jesus keine Gestalt sei, „die längst überholt ist“.

          Auch den Kreuzweg am Karfreitag hatte Franziskus nicht wie gewohnt am Kolosseum beten können, sondern wie schon 2020 auf dem abgesperrten Platz vor dem Petersdom. „Gib uns die Kraft, wieder aufzustehen – gerade dann, wenn wir nicht einmal mehr dazu den Wunsch haben“, betete Franziskus auf dem leeren Petersplatz. Anders als am bedrückend düsteren Karfreitag 2020 regnete es am Freitag immerhin nicht. Es war vielmehr ein sonniger Tag, der mit einem prachtvollen Abendrot zu Ende ging.

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