https://www.faz.net/-gpf-9zt67

Verstöße gegen Corona-Auflagen : Wie Italiens Jugend diszipliniert werden soll

Körpertemperaturmessung in einer städtischen Bücherei in Rom. Bild: EPA

Italiens Minister für die Regionen will 60.000 „Zivilhelfer“ rekrutieren. Sie sollen darauf achten, dass jeder eine Schutzmaske trägt und Abstand hält. In der Koalition stößt der Plan für die „Bürger-Sheriffs“ auf Empörung.

          3 Min.

          Es war das erste Wochenende nach der fast vollständigen Aufhebung der nationalen Ausgangssperre vom 18. Mai. Und es war im ganzen Land schönes Wetter, ein satter Vorgeschmack auf den nahenden Sommer in den Bergen und am Meer. Also zog es Millionen Italiener hinaus ins Freie, tagsüber ins Grüne und an den Strand, abends dann auf die Flaniermeilen zum Aperitivo. Kann man das den Leuten verargen, nach gut zehn Wochen „Lockdown“? Natürlich nicht, konzediert sogar die regierende Linkskoalition in Rom. Deren Minister, Staatssekretäre und Abteilungsleiter sind der festen Überzeugung, alles richtig gemacht zu haben seit dem Ausbruch der Corona-Krise vom 21. Februar – von der Verhängung der strengsten Maßnahmen in ganz Europa zu Beginn der Krise bis zu deren schrittweiser Lockerung jüngst.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Unerlaubte Menschenansammlungen, wie sie in den einschlägigen Ausgehvierteln von Neapel und Genua, Rom und Mailand, Florenz und Venedig am Wochenende zu sehen waren, riefen die Verantwortlichen jetzt aber auf den Plan. Die parteilose Innenministerin Luciana Lamorgese schimpfte gleich am Samstag, die jungen Leute hätten nach der langen Zeit des erzwungenen Eremitendaseins „die Grenzen aus dem Blick verloren, an die sie sich bisher gehalten haben“. Der für die Beziehungen Roms zu den zwanzig Regionen zuständige Minister Francesco Boccia vom sozialdemokratischen „Partito Democratico“ (PD) drohte am Montag, womöglich werde die Regierung ihre Entscheidung, den Bürgern vom 3. Juni an die vollständige Reisefreiheit zu gewähren, auch über die Grenzen der Regionen hinweg, nochmals überdenken.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Donald Trump und die Wahrheit : Der Lügenpräsident

          Verzerrungen, Halbwahrheiten, Übertreibungen: Ein Team der „Washington Post“ hat Donald Trumps Falschaussagen seit seiner Amtseinführung dokumentiert. Es kommt zu einem erschütternden Befund.