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Istanbul : Festnahmen bei Studenten-Protesten

  • Aktualisiert am

Demonstranten am Dienstag in Istanbul Bild: AFP

Mit Tränengas und Plastikgeschossen gingen Sicherheitskräfte am Dienstag gegen Demonstranten in Istanbul vor. Die Studenten protestierten gegen den neuen, von Erdogan eingesetzten Direktor an der Bosporus-Universität.

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          Bei Protesten von Studenten in der Türkei gegen die Einsetzung eines neuen Direktors an der renommierten Bosporus-Universität in Istanbul sind abermals zahlreiche Menschen festgenommen worden. In der Millionenmetropole versammelten sich am Dienstag Studierende trotz eines Verbots im asiatischen Stadtteil Kadiköy.

          Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Plastikgeschosse ein, um die Menge zu zerstreuen. Die Polizei sperrte einen Platz am Fähranleger ab. Einige Demonstranten skandierten: „Wir wollen keinen Zwangsverwalter-Direktor.“ Die Behörden hatten als Grund für das Versammlungsverbot die Corona-Pandemie angegeben.

          Die Bosporus-Solidarität, ein Zusammenschluss der Studierenden, teilte mit, 228 Menschen seien festgenommen worden. Behörden bestätigten die Zahl zunächst nicht. In der türkischen Hauptstadt Ankara gab bei einer Solidaritätskundgebung auch Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Nach Angaben von Anadolu wurden dort 70 Menschen festgenommen. Am Abend schlugen Anwohner in mehreren Stadtteilen Istanbuls auf Töpfe und Pfannen und pfiffen – sie bekundeten damit ihre Solidarität mit den Demonstranten.

          Kritik an Nähe des Direktors zur AKP

          Die Studierenden der Bosporus-Universität protestieren seit Anfang Januar gegen den von Präsident Recep Tayyip Erdogan eingesetzten neuen Direktor Melih Bulu. Seit Inkrafttreten des Präsidialsystems im Juli 2018 ist der Präsident alleine berechtigt, Rektoren an staatlichen Universitäten einzusetzen. Die Studenten kritisieren unter anderem Bulus Nähe zur islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. Sie verurteilten die Ernennung aber auch als undemokratisch und gegen die Tradition der Universität, ihre Direktoren selbst zu wählen.

          Am Montag waren bei Protesten an der Istanbuler Bosporus-Universität bereits 159 Menschen festgenommen worden. Nach Angaben des Anwalts Gökhan Soysal, der einen Teil der Festgenommenen vertritt, ist ein Großteil wieder frei. Zwei seiner Mandanten seien von Polizeistöcken getroffen und im Krankenhaus behandelt worden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Akademiker stellten sich am Dienstagmittag aus Protest auf dem Campus der Bosporus-Universität mit dem Rücken zum Direktorat und hielten Schilder mit der Aufschrift 159 hoch, wie auf Videos zu sehen war.

          Angeheizt wurden die Proteste zuletzt durch Haftbefehle gegen zwei Studierende am Wochenende. Sie waren im Zusammenhang mit einer Ausstellung auf dem Campus der Universität festgenommen worden: Dort wurde auch ein umstrittenes Bild rund um das muslimische Heiligtum Kaaba in Saudi-Arabien gezeigt. Unter anderem zieren LGBTQ*-Flaggen den Rand des Bildes. LGBTQ* steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und queere Menschen – und das Schlusszeichen als Platzhalter für weitere Identitäten.

          Innenminister Süleyman Soylu äußerte sich am Dienstag erneut abwertend über LGBTQ*. Twitter markierte die Äußerung daraufhin wie einen ähnlichen Tweet am Samstag mit einer Warnmeldung. Soylu sagte am Dienstagabend nach Angaben von Anadolu, unter den Festgenommenen seien Terroristen. Sie gehörten etwa der marxistisch-leninistischen Untergrundorganisation DHKP-C an. Bereits im Januar hatte Präsident Erdogan die Demonstranten als Terroristen bezeichnet. Erdogan hatte zuletzt Reformen angekündigt und betont, dass sein Land die Beziehungen zur EU verbessern wolle.

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