https://www.faz.net/-gpf-8k1co

IS-Terrorist Denis Cuspert : Tot oder lebendig?

  • Aktualisiert am

Ein Bild auf Twitter aus dem Jahr 2014 zeigt den radikalen Islamisten Denis Cuspert. Bild: dpa

Er gab sich erst dem Rap, dann dem Islamismus hin. Der deutsche IS-Terrorist Denis Cuspert wurde schon mehrfach für tot erklärt, zuletzt vom Pentagon – das nun wieder zurückrudert.

          2 Min.

          Lebt er? Lebt er nicht? Diese Frage beschäftigt die Sicherheitsbehörden in Deutschland in aller Regelmäßigkeit. Mehrfach wurde der deutsche Islamist Denis Cuspert alias „Deso Dogg“ schon totgesagt. Aber er tauchte immer wieder auf. Bis zum vergangenen Oktober. Da kam die Nachricht von hoher Stelle: Aus dem Pentagon in Amerika hieß es, der IS-Mann aus Berlin sei in Syrien bei einem Luftangriff getötet worden. Doch nun korrigiert sich das Verteidigungsministerium: Nein, Cuspert sei doch noch am Leben. Was steckt dahinter?

          Von Deutschland nach Ägypten und Syrien

          Cuspert ist Deutsch-Ghanaer, geboren und aufgewachsen in Berlin. In seinem alten Leben nannte er sich „Deso Dogg“, schimpfte reimend gegen alles und jeden, posierte muskelbepackt und tätowiert mit dicken Silberketten vor protzigen Autos - ein Gangsta-Rapper, allerdings nur mäßig erfolgreich. Irgendwann driftete er ab in die islamistische Szene und wurde einer ihrer führenden Köpfe - in der inzwischen verbotenen salafistischen Vereinigung „Millatu Ibrahim“.

          2012 setzte er sich aus Deutschland ab, Richtung Ägypten und von dort aus weiter nach Syrien, schloss sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an und schwor 2014 einen Treueeid auf den IS-Anführer Abu Bakr Al-Bagdadi. Anfang 2015 setzte die amerikanische Regierung den Deutschen auf ihre Terroristenliste.

          Cuspert gab sich selbst den Namen Abu Talha Al-Almani und betrieb eifrig Propaganda für den IS. Per Internet hetzte er aus Syrien gegen die „Ungläubigen“ der westlichen Welt, rief zu Gewalt und Anschlägen auf - und zur Ausreise in die Dschihad-Gebiete. Im September 2013 wurde er bei einem Luftangriff verletzt. Damals wurde auch schon mal vermutet, er sei tot. Ein paar Monate später meldete er sich mit einem langen Video wieder zu Wort, fanatisch wie eh und je.

          Als diesmal die vermeintliche Todesmeldung aus dem Pentagon kam, waren deutsche Sicherheitskreise skeptisch. Offiziell hieß es nur knapp, sie könnten diese Meldung nicht bestätigen. Inoffiziell wunderten sie sich über das Schweigen der IS-Führung. Wenn Cuspert tatsächlich gestorben wäre, hätte die IS-Propagandamaschinerie das nicht ausgeschlachtet und Cuspert großspurig zum Märtyrer erklärt? Und wenn er den Angriff überlebt hätte, warum gab es dann keinen lauten Widerspruch der IS-Spitze zu den US-Behauptungen?

          Luftangriff doch überlebt?

          Im Internet wurde laut Verfassungsschutz noch in diesem Jahr ein Video mit deutschsprachigem Kampfgesang gepostet. Geheimdienstler ordneten die Stimme Cuspert zu, auch wenn der in dem Clip nicht zu sehen war. Das könnte auch aus der Konserve stammen. Doch irgendwann tauchten andere Hinweise auf, die in Sicherheitskreisen die Zweifel am Tod Cusperts verstärkten. Was genau, dazu schweigen sie sich aus.

          Mitte Juni stellte der Berliner Inlandsgeheimdienst seinen Verfassungsschutzbericht für 2015 vor. Darin heißt es: „Mehrfach kursierende Informationen über den Tod Cusperts, zuletzt im Oktober, konnten bislang nicht bestätigt werden.“ Der Leiter des Berliner Verfassungsschutzes, Bernd Palenda, ging noch etwas weiter und sagte bei der Präsentation des Berichts, Cuspert sei bei dem Luftangriff damals verletzt, aber nicht getötet worden. Ein so deutliches Dementi der Pentagon-Todesmeldung war bemerkenswert.

          Nun also rudern die Amerikaner selbst zurück. Cuspert habe den Luftangriff im vergangenen Jahr nahe der IS-Hochburg Al-Rakka in Syrien doch überlebt, erklärt ein Pentagon-Sprecher. Details nennt er nicht.

          Geheimdienstler sehen Cuspert nach wie vor als Aushängeschild für die deutsche Islamisten-Szene. Es sei aber schwer einzuschätzen, welche Wirkung er noch entfalten könne. Rätselhaft ist weiter, warum Cuspert nicht mehr in Erscheinung tritt, wenn er doch lebt. Darüber lässt sich nur spekulieren: Vielleicht ist er verletzt und nicht in der Lage, sich zu zeigen? Vielleicht wartet der IS auf den entscheidenden Moment, um seine „Wiederauferstehung“ zu inszenieren? Oder gibt es eine andere Erklärung? Der Fall des Ex-Rappers wirft immer noch Fragen auf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.