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Virus-Variante : Ist eine Mutation schuld an Südafrikas zweiter Welle?

Passagiere Mitte Dezember in einem Minibus in Soweto, einem Township der südafrikanischen Hauptstadt Johannesburg Bild: AFP

Die Neuinfektionszahl in Südafrika hat sich binnen zweier Wochen mehr als verdoppelt, in manchen Krankenhäusern sind kaum noch Intensivbetten frei. Der Grund könnte in der nun aufgetauchten Mutation 501.V2 zu finden sein.

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          Das Auftauchen aggressiver Mutationen des Coronavirus hat weltweit Besorgnis hervorgerufen. Der Blick richtet sich dabei nicht nur nach Großbritannien, sondern auch nach Südafrika. Man werde mit einer Verordnung den Reiseverkehr mit beiden Ländern einschränken, teilte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter mit. Passagierflüge aus Großbritannien nach Deutschland wurden schon am Sonntag von Mitternacht an untersagt. Im Falle Südafrikas war ein so abrupter Stopp nicht möglich. Am Montagmorgen landete eine Maschine mit 31 Passagieren aus Kapstadt am Münchner Flughafen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Südafrika ist auf dem afrikanischen Kontinent mit Abstand am heftigsten von der Corona-Pandemie getroffen worden. Seit einigen Wochen nimmt eine zweite Infektionswelle Fahrt auf. Am Sonntag meldete Gesundheitsminister Zweli Mkhize mehr als 9400 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. In den vergangenen zwei Wochen hat sich die durchschnittliche Neuinfektionszahl mehr als verdoppelt. Insgesamt sind in Südafrika bisher mehr als 900.000 Infektionsfälle gemeldet worden, rund 24.500 Menschen starben.

          Eine andere Variante als in Großbritannien

          Wissenschaftler vermuten, dass die neue Variante „501.V2“ des Coronavirus Sars-CoV-2 für die schnelle Ausbreitung verantwortlich sein könnte. Mutationen des Virus habe man erwartet, überraschend jedoch sei, wie schnell diese dominant geworden sei, sagte Salim Abdool Karim, ein Mitglied des Beraterstabs der Regierung. Es handele sich nicht um den gleichen Typ wie in Großbritannien.

          Nach bisherigen Beobachtungen scheine 501.V2 ansteckender zu sein als das ursprüngliche Virus, erklärte der Wissenschaftler. Auch Kinderärzte und Kliniken berichten von einer höheren Zahl jüngerer Covid-19-Patienten, die in Intensivstationen eingeliefert würden. Die Wissenschaftler untersuchten jetzt, ob die bisher entwickelten Impfstoffe auch gegen diesen Typ wirksam seien. Vier Impfstoffe werden ohnehin derzeit in Südafrika getestet.

          Die Infektionswelle bringt auch das Gesundheitssystem Südafrikas zunehmend in Schwierigkeiten. In der Provinz Westkap, zu der Kapstadt, die Weinregion und die Garden Route gehören, seien die Kapazitätsgrenzen vieler staatlicher Krankenhäuser fast erreicht, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Auch die private Klinikgruppe Mediclinic stellt einen stärkeren Anstieg der Patientenzahl als während der ersten Infektionswelle fest. Häufig ist nicht die Bettenzahl, sondern das verfügbare Personal der Engpass.

          Anders als zu Beginn der Pandemie hält sich Südafrikas Regierung mit Ausgangsbeschränkungen diesmal bislang zurück. Vor einer Woche hatte Staatspräsident Cyril Ramaphosa vereinzelte Verschärfungen bekanntgegeben wie eine frühere nächtliche Ausgangssperre oder eingeschränkten Alkoholverkauf am Wochenende. In einzelnen Regionen dürfen Strände nur noch zu bestimmten Zeiten oder gar nicht besucht werden. Die jetzigen Regeln entsprechen der „Stufe 1“, im März und April galt „Stufe 5“.

          Angst vor dem wirtschaftlichen Stillstand

          Offensichtlich versucht die Regierung, die Wirtschaft nicht wieder zum Stillstand zu bringen. Auch die angespannte Finanzlage dürfte dabei eine Rolle spielen. Zögerlich ist man auch bei der Sicherung von Impfstoffen. Das Gesundheitsministerium bestätigte vor kurzem, dass Südafrika einen Zahlungstermin für die Teilnahme an der Impfstoff-Initiative Covax verpasst habe. Die erste Beitragszahlung leistet ein Solidaritätsfonds, den reiche Familien und Unternehmen aufgesetzt haben. Insgesamt soll ein Zehntel der Bevölkerung, rund sechs Millionen Menschen, geimpft werden.

          Erst im November hatte Südafrika die Grenzen für den internationalen Tourismus wieder geöffnet. Von der Bundesregierung besteht seit März eine Reisewarnung für das Land.

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