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Israels Nomaden : Die Wüste bebt

Seit der Staatsgründung im Jahr 1948 tut sich Israel schwer mit den arabischen Beduinen, die bereits viele Jahre zuvor mit ihren Kamelen, Ziegen und Schafen durch die Negev-Wüste zogen. Die Beduinen beanspruchen große Teile des Negev für sich, können aber meist keine schriftlichen Dokumente vorlegen, die ihre Besitzansprüche belegen. Selbst in der Wüste ist der Platz mittlerweile knapp geworden: Die israelische Armee etwa nutzt große Teile davon für ihre Übungen und erklärte dieses Gebiet zur Sperrzone. Und im Norden ist die Wüste mittlerweile die letzte große Landreserve für die jedes Jahr durch neue Einwanderer wachsende israelische Bevölkerung.

Eine der 45 nicht anerkannten Ortschaften heißt Wadi Anniam. Die Siedlung liegt unmittelbar neben dem größten Kraftwerk im Negev, eingezwängt zwischen zwei Industriegebieten. Der Wintersturm rüttelt an den alten schwarzen Plastikplanen, aus denen das Zelt zusammengeflickt ist, das in Wadi Anniam als eine Art Gemeindesaal herhalten muss. Wenn im Winter der Regen zu fallen beginnt, können sich nur noch Geländewagen zu den Wellblechhütten vorkämpfen, vor denen Ziegen zwischen vergilbten Grashalmen scharren.

In den Rauch des offenen Feuers, auf dem eine Kanne Kaffee brodelt, mischt sich der beißende Geruch aus den Schornsteinen hinter dem hohen Zaun. Der Beduine Ibrahim abu Afasch, der hier als Dorfsprecher fungiert, macht keinen Hehl aus seiner Verbitterung. „Juden können überall in Israel leben, aber wir können nicht einmal ein Haus auf unserem eigenen Land bauen“, ärgert er sich. „Wir Beduinen stellen im Negev ein Viertel der Bevölkerung, aber uns gehören nur noch 2,5 Prozent des Landes.“ Afasch trägt eine weiß-schwarze Kefije, ein Kopftuch, wie es früher auch Jassir Arafat getragen hat.

Dem Staat wollen sie nicht mehr dienen

Obwohl mehrere Fabriken und das Elektrizitätswerk in Sichtweite liegen, haben die meisten Bewohner keine Arbeit - dafür sind viele von ihnen krank: „45 Prozent haben laut den offiziellen Statistiken hier Krebs, aber ich weiß, dass es viel mehr sind. Dazu kommen Atem- und Herzbeschwerden“, sagt der Beduine. Zu den Ärzten ist es ähnlich weit weg wie in die nächstgelegene weiterführende Schule. Ohne Aussichten auf eine Arbeitsstelle brechen nach Angaben der Ben-Gurion-Universität in Beerscheva mehr als 60 Prozent der Beduinen die Schule vor einem Abschluss ab - besonders die Mädchen. Das hat Folgen für die Geburtenrate: Je besser Mädchen und Frauen ausgebildet sind, desto weniger Kinder haben sie, ist aus Entwicklungsländern bekannt. Bei den Beduinen kommt hinzu, dass viele Männer immer noch mehr als eine Frau heiraten.

In Wadi Anniam zumindest ist die Hoffnung auf ein besseres Leben ein klein wenig gewachsen: Seit mehr als 20 Jahren bemühen sich die Einwohner darum, dass die Behörden ihren Ort anerkennen. Darüber wird jetzt wenigstens verhandelt. Nach Ansicht von Eliezer Goldberg darf das nicht eine Ausnahme bleiben. Der frühere Richter am Obersten Gericht in Jerusalem verlangt in den Empfehlungen der von ihm geführten Kommission, die meisten der bislang illegalen Beduinen-Dörfer anzuerkennen; die Regierung selbst hatte den Bericht in Auftrag gegeben. Die Zeit dränge, die „unhaltbaren Zustände“ dort zu beenden, denn die „Beduinen im Negev sind keine illegalen Ausländer, sondern Bürger Israels mit Rechten wie Pflichten“, mahnt der Vorsitzende des Ausschusses, dessen Empfehlungen auch ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung nicht in die Tat umgesetzt wurden.

Derweil schwindet das Vertrauen der Beduinen in den Staat, für den sie anfangs bereit waren, als Soldaten ihr Leben zu riskieren. Als Fährtenleser haben die israelischen Araber aus der Negev-Wüste bis heute in der israelischen Armee einen fast legendären Ruf. Achtzig Prozent seines Jahrgangs seien früher wie auch er zur Armee gegangen, erinnert sich der Beduine Ibrahim abu Afasch. Heute seien es vielleicht noch zwei Prozent.

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