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Israels Ministerpräsident : Netanjahu soll Saudi-Arabien besucht haben

Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel nimmt am 19. November an einer Pressekonferenz mit Amerikas Außenminister Pompeo teil. Bild: dpa

Israelische Medien berichten von einem Treffen mit dem saudischen Kronprinzen Muhammad Bin Salman in der Stadt Neom. Gegenstand der Gespräche waren Iran und die Biden-Regierung. Riad dementiert die Berichte.

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          Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist am Sonntag offenbar für wenige Stunden nach Saudi-Arabien geflogen und hat in der Stadt Neom im Nordwesten des Landes Kronprinz Muhammad Bin Salman sowie den amerikanischen Außenminister Mike Pompeo getroffen. Entsprechende israelische Medienberichte bestätigte Bildungsminister Joav Galant von Netanjahus Likud-Partei am Montag im Radio. Es habe sich um eine „großartige Leistung“ gehandelt. Saudi-Arabiens Außenminister Faisal Bin Farhan bestritt auf Twitter indessen, dass es das Treffen überhaupt gegeben hat. Netanjahu wollte die Reise am Montag im Kabinett weder bestätigen noch dementieren. Verteidigungsminister Benny Gantz verurteilte die Bekanntgabe des Treffens als „unverantwortliches Leck“; der Vorsitzende der Blau-Weiß-Partei war Berichten zufolge von Netanjahu vorab nicht informiert worden.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Über die Reise berichteten am Montag übereinstimmend mehrere israelische Medien, ohne dass dies von der israelischen Militärzensur unterbunden wurde. Die Reise wurde auf herkömmlichen Flugverfolgungsportalen im Internet gezeigt. Es soll sich um dasselbe Flugzeug gehandelt haben, mit dem Netanjahu im Oktober 2018 bereits Oman besucht hat. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes Mossad Jossi Cohen soll Netanjahu nach Saudi-Arabien begleitet haben. Es wäre das erste öffentlich bekannte Treffen Netanjahus mit dem saudischen Kronprinzen. Israel und Saudi-Arabien unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen, haben aber gemeinsame Interessen und Gesprächskanäle.

          Ein Zeichen an Joe Biden

          Pompeo war in der Vorwoche erst in Israel gewesen, wo er und Netanjahu im Beisein des bahreinischen Außenministers Abdullatif al Zajani für eine harte Haltung gegen Iran geworben hatte. Vor seinem Abflug nach Neom hatte Netanjahu am Sonntag auf einer Gedenkveranstaltung für den Staatsgründer David Ben Gurion gesagt: „Dank unserer entschlossenen Haltung gegen ein nukleares Iran und unserem Widerstand gegen das Atomabkommen mit Iran haben viele arabische Staaten ihre Haltung zu Israel grundlegend geändert.“

          Vor einigen Tagen hatte auch der saudische König Salman in einer Rede die internationale Staatengemeinschaft dazu aufgefordert, eine „aggressive Haltung“ gegenüber Teheran einzunehmen angesichts des Wahlsiegs des amerikanischen Präsidenten Joe Biden, der Verhandlungen mit Iran über ein neues Atomabkommen wieder aufnehmen will, nachdem Präsident Donald Trump das Abkommen unter großer Zustimmung Israels 2018 verlassen hatte. Um Iran zu isolieren und Israel zu stärken, hat Washington die Golfstaaten dazu gedrängt, ihre Beziehungen zu Israel zu normalisieren.

          Berichten zufolge hat es schon in der Vergangenheit Treffen zwischen Vertretern Israels und Saudi-Arabiens gegeben. Das jetzt quasi-öffentlich gemachte Treffen in Neom wurde auch als Zeichen an Biden gedeutet, die Haltung der antiiranischen Regionalmächte eng in seine Pläne einzubeziehen. Der Sender Kan berichtete, die Gespräche bezogen sich auf Iran und auf die kommende Biden-Regierung.

          Hoffnungen auf eine unmittelbare Normalisierung der Beziehungen Riads mit Israel, wie dies zuvor die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrein vollzogen haben, wurden am Wochenende vom saudischen Außenminister Faisal Bin Farhan gedämpft. Saudi-Arabien „hat eine Normalisierung mit Israel seit langer Zeit unterstützt“, sagte Farhan der Nachrichtenagentur Reuters, „aber eine wichtige Sache muss zunächst geschehen: Ein dauerhafter und vollständiger Friede zwischen Israelis und Palästinensern.“ Saudi-Arabien hat bereits seinen Luftraum für Flüge von Israel in die Vereinigten Arabischen Emirate geöffnet.

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