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Israels Image : Angriff an der Meinungsfront

Israel arbeitet an seinem Image: Der Konflikt mit Palästina schwelt dennoch weiter Bild: AFP

In Israel ist man besorgt über die wachsende Ablehnung im Ausland. Nun sollen Hochschulprogramme helfen, das Ansehen des Landes und seiner Bürger zu verbessern.

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          Die Bar-Ilan-Universität spielt Krieg. Professoren werden zu Präsidenten. Auf dem schattigen Campus am Rande von Tel Aviv erteilen sie am Ende aber keinen Angriffsbefehl. Die Teilnehmer an der „Live-Simulation“ der „School of Communication“ geben Verhandlungen eine Chance - auch wenn die Iraner auf Zeit spielen, wie zuletzt bei den Atomgesprächen in Bagdad. In Ramat Gan geht es nicht um die militärischen Risiken eines möglichen Krieges, sondern um einen Erfolg an der „Kommunikations- und Informationsfront“; so lautet der Untertitel des Kriegsspiels.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Eytan Gilboa, der den amerikanischen Präsidenten spielt, ist allerdings an der „neuen Front“ alles andere als zuversichtlich. Als vor kurzem der iranische Generalstabschef Israel mit der Auslöschung drohte, habe das im Ausland niemand verurteilt. „Israel ist dabei, die Schlacht zu verlieren. Regierung und Gesellschaft verstehen die Tragweite des Problems nicht.“ Der Politikwissenschaftler Gilboa, der sich als Fachmann für amerikanisch-israelische Beziehungen einen Namen gemacht hat, gründete deshalb an der Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan ein Zentrum für Internationale Kommunikation. Ziel des neuen Programms für „Public Diplomacy“ an dem Zentrum sei es, „Soldaten im Einsatz für die israelische Diplomatie“ auszubilden, erläutert der Professor, der eine Vorliebe für militärische Begriffe hat.

          „Eine der schlimmsten Kampagnen gegen Juden“

          An der Universität will man jetzt zum Angriff übergehen, damit Israel im internationalen Meinungskampf nicht endgültig unterliegt. Gilboa hält die zunehmende Ablehnung, die Israel im Ausland entgegenschlägt, für eine strategische Bedrohung - besonders in Zeiten, in denen Israel wegen des Atomkonflikts mit Iran auf internationale Unterstützung angewiesen ist. „Wir erleben eine der schlimmsten Kampagnen gegen Juden seit dem Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland“, sagt Gilboa.

          In Israel riefen zwei neue Umfragen Besorgnis hervor, aus denen hervorgeht, wie schnell das Land an Ansehen verliert. Laut einer vom britischen Sender BBC in Auftrag gegebenen weltweiten Befragung steht für die Mehrheit Israel auf einer Stufe mit Nordkorea. Nur Iran und Pakistan üben nach Ansicht der Befragten einen noch schlechteren Einfluss auf die Welt aus. In Deutschland halten 59 Prozent Israel für „aggressiv“. Siebzig Prozent sind der Ansicht, das Land verfolge rücksichtslos seine eigenen Interessen. Das ist einer Meinungsumfrage zu entnehmen, welche die Zeitschrift „Stern“ vergangene Woche, noch vor dem Staatsbesuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Israel, veröffentlicht hat.

          Eher hilflos reagierte man in Israel bisher auf den Umschwung des Meinungsklimas. Das Ministerium für „Öffentliche Diplomatie und die Diaspora“ wollte schon israelische Touristen im Ausland zu „Volksbotschaftern“ machen. Doch Werbefilme und Argumentsammlung ernteten mehr Spott als Anerkennung. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Staatspräsident Schimon Peres und andere Regierungsmitglieder erläutern im Internet über Facebook und Youtube ihre Politik. Nichtregierungsorganisationen wie das „Israel Project“ wollen gegensteuern, indem sie nach eigenen Angaben „Journalisten, Führungskräfte und Entscheidungsträger mit exakten Informationen über Israel“ versorgen. Bisher zeigte all das wenig Wirkung.

          Israel ist mehr als der Konflikt mit den Palästinensern

          Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman bat in der vergangenen Woche seinen britischen Amtskollegen William Hague um Hilfe, die antiisraelischen Aktivitäten an britischen Universitäten zu stoppen. Die Lage an den amerikanischen Universitäten hält Eytan Gilboa nicht für besser; sie sei „entsetzlich“. Anfang Mai reiste er eine Woche lang mit Fakultätsmitgliedern aus Ramat Gan nach Chicago. Sie besuchten dort Universitäten, religiöse Gemeinschaften und Anwaltskanzleien. Sie wollten zeigen, dass Israel mehr ist als der Konflikt mit den Palästinensern - eine erfinderische „Start-up“-Nation, die Minderheiten schützt wie kein anderer Staat im Nahen Osten. „Die Marke Israel wurde in den vergangenen Jahren regelrecht gekapert. Den Israel-Feinden ist es gelungen, dass das Land nur noch mit Negativem in Verbindung gebracht wird“, sagt Gilboa. Die Bar-Ilan-Universität bietet deshalb schon Kurse für Gaststudenten und Wissenschaftler an, die sich auf ein Freisemester an einer ausländischen Universität vorbereiten. Sie lernen, wie man im Fernsehen oder bei Podiumsdiskussionen auftritt, „das Image Israels im Ausland zu verbessern und antiisraelische Propaganda zu bekämpfen“.

          Die frühere Regierungssprecherin Miri Eisin ist skeptisch. Sie hält es für gefährlich, die Israelis holzschnittartig als „die Guten“ und Gegner Israels als „die Bösen“ darzustellen, wie es Netanjahu und andere Politiker immer wieder tun. Israel werde im Ausland meist als das Problem betrachtet. „Die Herausforderung für Israel besteht darin, etwas zu verkaufen, was die Welt so nicht kaufen will“, sagt Miri Eisin.

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