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Israels Hamas-Spion : Deckname „Grüner Prinz“

Israel zu Diensten: Mosab Hasan Jusef Bild: Haaretz newspaper IL

Der Sohn von Hamas-Gründer Scheich Hassan Jusef soll über viele Jahre ein wichtiger Informant des Geheimdienstes in Israel gewesen sein. Selbstmordattentäter und Terrorplaner konnten durch seine Hilfe festgenommen werden.

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          Mosab Hassan Jusefs Deckname war der „Grüne Prinz“. Denn Grün ist die Farbe der Fahne der Hamas, und Jusefs Vater ist Scheich Hassan Jusef, der die islamistische Organisation mitbegründet hatte. Schon einmal war der Sohn des bis heute als Märtyrer verehrten Scheichs in den Schlagzeilen, als er nicht nur die Hamas als Mörderbande beschimpfte, sondern auch bekanntgab, dass er Christ geworden sei. Daraufhin musste er vor drei Jahren aus dem Westjordanland nach Amerika fliehen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Am Mittwoch meldete nun die israelische Zeitung „Haaretz“, dass Jusef fast ein Jahrzehnt lang einer der wichtigsten Informanten des Inlandsgeheimdienstes Schinbeth gewesen sei: Er habe dabei geholfen, Dutzende von Selbstmordattentaten während der schlimmsten Jahre des Terrors zu vereiteln. In der nächsten Woche werden zudem in den Vereinigten Staaten seine Erinnerungen an diese Jahre mit dem Titel „Sohn der Hamas“ als Buch erscheinen.

          Tausend Stunden Arbeit israelischer Terrorexperten

          „Ich wünschte, ich wäre in Gaza. Dann würde ich eine Armeeuniform anziehen und israelischen Spezialeinheiten helfen, (den von der Hamas entführten israelischen Soldaten) Gilad Schalit zu befreien“, sagte der heute 32 Jahre alte Jusef „Haaretz“ in einem Telefongespräch aus Kalifornien. Nach Angaben der Zeitung rekrutierten Agenten Jusef 1996, als er in israelischer Haft war, aus der er 1997 freikam. Danach sei der „Prinz“ immer wieder zum Einsatz gekommen, wenn der israelische Geheimdienst in Not war. Auf dem belebten Manara-Platz mitten in Ramallah machte er demnach in letzter Minute einen Selbstmordattentäter ausfindig, den die Hamas gerade mit einem Sprengstoffgürtel nach Israel schicken wollte. Der Geheimdienst habe nur gewusst, dass es sich um einen Mann in einem roten Hemd handele, der zwanzig Jahre oder etwas älter sei. Jusef gelang es, binnen weniger Minuten ihn und den zweiten Mann zu finden, der den Sprengstoff übergeben sollte.

          Scharfmacher: Scheich Hasan Jusef

          Eine Information des Sohnes von Hamas-Gründer Jusef seien tausend Stunden Arbeit israelischer Terrorexperten wert gewesen, sagte anerkennend sein israelischer Führungsoffizier. Jusefs Angaben hätten auch dazu beigetragen, während der zweiten Intifada, die 2000 begonnen hatte, wichtige Terrorplaner festzunehmen. Als Beispiele werden Ibrahim Hamid, der Militärführer der Hamas im Westjordanland, und Marwan Barguti, der ebenfalls für diese Region zuständige Fatah-Führer, genannt. Fachleute sagen, nicht nur neue Abhörtechniken hätten maßgeblich ihren Teil dazu beigetragen, dass es in den vergangenen Jahren praktisch keine neuen Anschläge gab, sondern auch palästinensische Informanten. Dabei ist es für Palästinenser lebensgefährlich, mit den israelischen Diensten zusammenzuarbeiten. Wen die palästinensischen Sicherheitskräfte als „Kollaborateur“ festnehmen, dem droht die Todesstrafe; rund 30 Todesurteile wurden seit der Gründung der Autonomiebehörde im Jahr 1994 verhängt, wenn auch nicht alle vollstreckt. Nach Berichten von Menschenrechtlern unterstützen viele Informanten den israelischen Geheimdienst, weil sie erpresst oder gekauft werden - dabei könne es sich etwa um eine Ausreisegenehmigung handeln, um medizinische Behandlung, eine Verkürzung der Haft oder schlicht um Geld.

          „Erstaunlich ist daran, dass er es nicht für Geld tat. Er machte Dinge, an die er glaubte. Er wollte Leben retten“, sagt der israelische Führungsoffizier in der bald erscheinenden Jusef-Biographie über den „Grünen Prinzen“. Jusef selbst wirft der Hamas vor, dass für sie auch das Leben von Palästinensern nichts wert sei. Das hätten der Gaza-Krieg und der Umgang mit ihren palästinensischen Rivalen von der Fatah gezeigt. „Haaretz“ sagte er: „Die Israelis sind stärker um die Palästinenser besorgt als die Führung von Hamas und Fatah.“

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