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Israelische Opposition : Zipi Livni verliert Vorsitz an Schaul Mofaz

Vorsitzenden-Wahl in der Kadima-Partei: die bisherige Parteivorsitzende und unterlegene Kandidatin Zippi Livni bei der Stimmabgabe Bild: dapd

Zipi Livni muss die Führung der israelischen Oppositionspartei Kadima abgeben. Sie verlor die Vorsitzendenwahl gegen den früheren Verteidigungsminister Schaul Mofaz.

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          Die größte israelische Partei hat einen neuen Vorsitzenden. In der Nacht zum Mittwoch verlor die frühere Außenministerin Zippi Livni die parteiinterne Wahl. Mehr als 60 Prozent der Parteimitglieder stimmten für den früheren Verteidigungsminister Schaul Mofaz. Am Mittwoch wurde nicht ausgeschlossen, dass sich Frau Livni, die nur 38 Prozent erhielt, ganz aus der Partei und der Politik zurückzieht.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Mit ihr an der Spitze war die Kadima-Partei in den Knesset-Wahlen vor drei Jahren mit 28 Mandaten zur stärksten Kraft im Parlament geworden. Es gelang ihr jedoch nicht, eine Regierungskoalition zu bilden. Angebote des Likud-Vorsitzenden Benjamin Netanjahu, seinem Regierungsbündnis beizutreten, schlug sie damals aus. Als Oppositionsführerin konnte sich Zipi Livni jedoch in den folgenden Jahren nicht profilieren. Auch in der Partei wuchs die Unzufriedenheit mit ihr. Umfragen sagten Kadima zuletzt deutlich weniger als 20 Sitze voraus – mit Mofaz als Vorsitzendem waren es aber noch weniger als mit Livni.

          Neuer Oppositionsführer: Der frühere Verteidigungsminister Schaul Mofaz war schon vor vier Jahren gegen Zippi Livni angetreten, jetzt löst er sie ab
          Neuer Oppositionsführer: Der frühere Verteidigungsminister Schaul Mofaz war schon vor vier Jahren gegen Zippi Livni angetreten, jetzt löst er sie ab : Bild: Reuters

          Kommentatoren in Israel erwägen, dass sich nun Unterstützer der früheren Außenministerin anderen Parteien zuwenden und damit Kadima weiter schwächen könnten. Zugleich könnte Mofaz einige Wähler von Netanjahus Likud-Partei für sich gewinnen, die jedoch seit Monaten uneinholbar in den Umfragen führt. Der ehemalige Ministerpräsident Ariel Scharon hatte Kadima nach dem Gaza-Rückzug Ende 2005 gegründet. Ohne ein klar umrissenes politisches Programm traten der Partei sowohl Politiker der Likud- als auch der Arbeiterpartei bei. Kurz darauf gewann Kadima unter Scharon die Wahlen.

          Auch in der Konkurrenz um den Kadima-Vorsitz im September 2008 waren Mofaz und Frau Livni gegeneinander angetreten. Damals gewann die frühere Außenministerin knapp. Jetzt lud Mofaz die unterlegene Kandidatin dazu ein, mit ihm gemeinsam dafür zu kämpfen, Netanjahu in der nächsten Parlamentswahl zu schlagen

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