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Raketen und Luftangriffe : Keine Anzeichen einer Deeskalation im Nahostkonflikt

  • Aktualisiert am

Eine Rauchwolke steigt nach einem israelischen Luftangriff über einem Gebäude in Gaza-Stadt am 13. Mai auf. Bild: AP

Auch am Donnerstag schießen militante Palästinenser Raketen auf Israel. Die israelische Armee verstärkt ihre Angriffe im Gazastreifen. Wieder kommt es zu Gewalt zwischen Juden und Arabern in Israel. Die Lufthansa streicht Flüge.

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          Im Nahen Osten zeichnet sich kein Ende der Kämpfe zwischen Israel und militanten Palästinensern ab. Das israelische Militär setzte am Donnerstag seine massiven Angriffe auf den Gazastreifen fort und verstärkte sie noch. Militante Palästinenser in dem Küstenstreifen setzten auch drei Tage nach dem Beginn der Raketenangriffe den Beschuss Israels fort. Mehrere Fluglinien strichen die Flüge nach Israel. In mehreren israelischen Städten lieferten sich jüdische und arabische Bewohner gewaltsame Auseinandersetzungen.

          Im Großraum Tel Aviv, dem am dichtesten besiedelten Gebiet Israels, heulten in der Nacht zum Donnerstag die zweite Nacht in Folge Warnsirenen. Tausende Menschen im Süden des Landes flüchteten sich in Luftschutzbunker. Nach Angaben der Polizei wurden fünf Menschen nahe Tel Aviv durch eine Rakete verletzt, die von Palästinensern abgefeuert worden war. In der Stadt Sderot war nach Angaben der Stadtverwaltung am Mittwochabend ein fünf Jahre alter Junge getötet worden. Einem Armeesprecher zufolge sind in Israel bislang sieben Menschen durch Beschuss getötet worden. 

          Die Hamas spricht von einer „unbefristeten Konfrontation“

          Israelische Kampfflugzeuge verstärkten in der Nacht zum Donnerstag und am frühen Morgen ihre Angriffe auf Einrichtungen der Hamas und der militanten Gruppe Islamischer Dschihad. Bei dem israelischen Beschuss starb am Donnerstag nach Angaben von Medizinern ein Mann in der Stadt Khan Younis im südlichen Gazastreifen. In Gaza-Stadt wurde ein sechsstöckiges Wohnhaus zerstört. Die Hamas bestätigte den Tod mehrerer ihrer militärischen Anführer, unter ihnen auch des Chefs ihres bewaffneten Arms im Gazastreifen, Bassem Issa. 

          ​​Am Mittwoch zerstörten israelische Kampfflugzeuge ein weiteres von Militanten genutztes Hochhaus in Gaza. In dem vierzehnstöckigen Gebäude hatten sowohl die Hamas als auch der Islamische Dschihad Büros. Allerdings gab es auch Cafés und Geschäfte in dem Haus. Videos zeigten, wie es nach dem Angriff einstürzte.

          Lokalen Medienberichten zufolge wurden auch das Finanzministerium im Zentrum von Gaza-Stadt sowie eine Bank der Hamas zerstört. Dies solle der Hamas die finanzielle Kontrolle im Gazastreifen erschweren. Nach Angaben des von der Hamas geführten Innenministeriums wurden auch alle Polizeigebäude in dem Küstengebiet zerstört. 

          Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums sind im Gazastreifen 83 Menschen seit der Eskalation der Gewalt am Montag getötet worden, unter ihnen 17 Kinder. Zudem meldeten die Gesundheitsbehörde knapp 500 Verletzte. Im Vergleich zu früheren israelischen Einsätzen waren die Zerstörungen der vergangenen Tage in dem dicht besiedelten Küstengebiet sehr groß. 

          Bild: F.A.Z.

          Die Hamas feuerte nach Angaben des Militärs bislang rund 1600 Raketen ab. Früheren Angaben zufolge fängt die Luftabwehr 90 Prozent der Geschosse ab, die die Grenze überqueren. Zur genauen Größe des Raketenarsenals der militanten Palästinenser äußerte die israelische Armee sich nicht. Sie hätten einen sehr großen Bestand gehabt. Noch immer verfügten sie über eine beträchtliche Menge, sagte ein Sprecher.

          Der Sprecher sagte weiter, das israelische Militär habe bislang rund 600 Ziele im Gazastreifen beschossen. Das israelische Militär zog zudem Kampftruppen an der Grenze zu dem Gebiet zusammen, was Erinnerungen an die Kriege in den Jahren 2008/2009 und 2014 weckte.

          Der Präsident der Vereinigten Staaten, Joe Biden, erklärte nach einem Telefonat mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, er gehe davon aus, dass die Kämpfe bald enden würden. Anzeichen dafür gab es aber nicht. Netanjahu hatte zuvor gesagt, die bisherigen Kämpfe seien nur der Anfang. „Wir werden sie schlagen, wie sie es nie für möglich gehalten hätten.“ Hamas-Chef Ismail Hanija sprach von einer „unbefristeten Konfrontation mit dem Feind“. 

          Netanjahu verurteilt Lynchmorde an Arabern und Juden

          Die neuen Gefechte hatten am Montag begonnen. In den Tagen zuvor war es an der Al-Aqsa-Moschee in Ostjerusalem zu Ausschreitungen gekommen. Verschärft wurden die Spannungen durch Pläne, Häuser palästinensischer Familien in Ostjerusalem zu räumen. Das Land, auf dem sie leben, wird von jüdischen Siedlern beansprucht. 

          Als Folge des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern nehmen auch die Spannungen zwischen jüdischen und arabischen Israelis zu. Die Polizei berichtete am späten Mittwochabend von gewaltsamen Zwischenfällen in Akko, Haifa und Lod. Mehr als 370 Menschen wurden festgenommen. 

          In Bat Yam südlich von Tel Aviv wurde am Mittwochabend ein mutmaßlich arabischer Einwohner von einer wütenden Menge ultranationalistischer Juden attackiert. Bilder zeigten, wie mehrere Dutzend Angreifer den Mann gewaltsam aus seinem Auto zerrten und ihn bewusstlos prügelten. Im Anschluss ließen sie ihn reglos auf der Straße liegen, Polizei und Rettungskräfte trafen erst 15 Minuten später ein.

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Gewalt. „Was in den vergangenen Tagen in den Städten Israels geschehen ist, ist inakzeptabel“, erklärte er. „Nichts rechtfertigt den Lynchmord an Arabern durch Juden, und nichts rechtfertigt den Lynchmord an Juden durch Araber.“

          Ein vermutlich arabischer Mann wurde in Bat Yam von einem Mob aus dem Auto gezerrt und zusammengeschlagen.
          Ein vermutlich arabischer Mann wurde in Bat Yam von einem Mob aus dem Auto gezerrt und zusammengeschlagen. : Bild: Kan 11 public proadcaster / AFP

          Auch im von Israel besetzten Westjordanland nahmen die Spannungen zu. In der Nähe der Stadt Nablus sei abermals ein Palästinenser bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten getötet worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Israels Militär erklärte lediglich, es habe das Feuer auf einen palästinensischen „Angreifer“ eröffnet und ihn „ausgeschaltet“.

          Der aufgeflammte Konflikt hat zunehmend auch wirtschaftliche Folgen. Nach den US-Airlines United, Delta und American strichen auch British Airways und Lufthansa Flüge nach Israel. Die israelischen Behörden untersagten die Landung sämtlicher Passagierflüge am internationalen Flughafen Ben Gurion und leiteten sie zum südlichen Flughafen Ramon bei Eilat um. Der US-Energiekonzern Chevron fuhr die Produktion auf der Erdgas-Plattform „Tamar“ vor der Küste Israels herunter. 

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