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Israel : Weihnachtsfeiern in Bethlehem, palästinensische Raketen im Gaza-Streifen

  • Aktualisiert am

Bewohner eines Hauses im israelischen Tequma nach dem Einschlag einer Kassam-Rakete Bild: dpa

Weihnachtlicher Friede in Bethlehem, Kriegsszenen im Gaza-Streifen: Während der lateinische Patriarch von Jerusalem in der Geburtsstadt Jesu die Weihnachtsfeierlichkeiten eröffnet, eskaliert in der Grenzregion die Gewalt.

          3 Min.

          Mit dem feierlichen Einzug des Patriarchen haben am Mittwochnachmittag in Bethlehem die Weihnachtsfeiern begonnen. In einem langen Konvoi von Kirchenvertretern fuhr der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, von der Jerusalemer Altstadt zur Geburtsbasilika. Zeitgleich eskaliert im Gazastreifen die Gewalt. Militante Palästinenser haben das den Süden Israels mit Raketen beschossen.

          In der Geburtsstadt Jesu säumten bei kühlem Wetter und bedecktem Himmel zahlreiche Menschen winkend die Straßen, darunter auch viele Muslime. Israelische berittene Polizei begleitete den Konvoi des Patriarchen auf Jerusalemer Seite bis zum Checkpoint Bethlehem. An der als „Rahels Grab“ verehrten Gedenkstätte übernahmen dann Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde die Begleitung.

          Twals erstes Weihnachtsfest als Patriarch

          Die Bürgermeister der beiden überwiegend christlichen Bethlehemer Vororte Beit Jala und Beit Sahour begrüßten den Patriarchen auf der Strecke, auf dem Krippenplatz empfing ihn Bethlehms Bürgermeister Viktor Batarseh. In der Geburtskirche will der Patriarch um Mitternacht die zentrale Christmette feiern. Anschließend legt er in einem traditionellen Ritus eine Figur des Jesuskindes auf jene Stelle, an der die Geburt Christi verehrt wird. Es ist für Twal sein erstes Weihnachtsfest als Patriarch, nachdem er im Sommer die Leitung der katholischen Kirche im Heiligen Land übernahm.

          Fouad Twal, der lateinische Patriarch von Jerusalem segnet die Geburtskirche im Rahmen der Weihnachtsfeierlichkeiten
          Fouad Twal, der lateinische Patriarch von Jerusalem segnet die Geburtskirche im Rahmen der Weihnachtsfeierlichkeiten : Bild: AP

          Zu dem Gottesdienst wird neben Hunderten von Pilgern und einheimischen Christen auch in diesem Jahr Palästinenserpräsident Mahmud Abbas als Ehrengast erwartet. Abbas hatte am Vormittag das Caritas Baby Hospital in Bethlehem besucht und sich über die Gesundheitsversorgung von Kindern in der Geburtsstadt Jesu informiert. Der palästinensische Präsident ging in die Zimmer kleiner Patienten und verteilte Geschenke. Das Caritas Hospital sei „ein wichtiger Baustein für das palästinensische Gesundheitssystem“, betonte Abbas. Für die derzeit laufenden Bauarbeiten einer erweiterten Mütterschule und einer neuen ambulanten Klinik spendete er 50.000 Dollar. Chefärztin Hiyam Awad Marzouqa erläuterte, immer mehr Kinder würden wegen der schlechten Lebensbedingungen krank, seien mangelernährt oder litten in kalten, feuchten Wohnungen an Atemwegsentzündungen.

          Israelisches Militär will Zugang erleichtern

          Für dieses Weihnachtsfest erwartet Bethlehem einen Besucherrekord, nachdem das Jahr 2008 bereits bei den Besucherzahlen das Heilige Jahr 2000 übertraf. Erstmals nach Ausbruch der Intifada im September 2000 waren bereits im Vorfeld der Feiern die Hotels in der palästinensischen Stadt ausgebucht. Auf die Weihnachtsfeiern der Kirchen des westlichen Ritus folgen am 6. Januar jene der Orthodoxen. Den Abschluss machen die Armenier mit ihren Feierlichkeiten am 19. Januar.

          Das israelische Militär will während der Festtage den Zugang zu der weitgehend abgeriegelten Stadt für Pilger erleichtern und die Kontrollen lockern. Den Pfarreien in Bethlehem wurde für die Feiertage wieder ein bestimmtes Kontingent an Passierscheinen für ihre Gläubigen zugestanden, die damit nach Jerusalem fahren und Verwandte besuchen können. Zugleich dürfen auch israelische Christen in die Geburtsstadt Jesu, während ihnen ansonsten der Zutritt von israelischer Seite verboten ist. Aus Gaza meldete die katholische Gemeinde strikte Einschränkungen bei der Möglichkeit, nach Bethlehem zu reisen.

          Wieder Raketenangriffe militanter Palästinenser

          Während in Bethlehem weihnachtlicher Friede Einzug gehalten hat, ist an der Grenze zu Palästina die Gewalt eskaliert: Militante Palästinenser im Gazastreifen haben am Mittwoch ihre Raketenangriffe auf Israel massiv verstärkt. Mehr als 60 Kassam-Raketen und Mörsergranaten seien im Grenzgebiet eingeschlagen, sagte ein Militärsprecher. Mehr als 20 Menschen erlitten nach Angaben von Sanitätern einen Schock, mehrere Gebäude wurden beschädigt. Betroffen waren vor allem die Städte Sderot, Netivot und Aschkelon, deren Einwohner Schutzräume aufsuchen mussten.

          Angesichts der neuen Raketenangriffe sagte Israel eine für Mittwoch geplante Öffnung von Grenzübergängen zum Gazastreifen für Hilfslieferungen wieder ab. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert versammelte sein Sicherheitskabinett zu einer Dringlichkeitssitzung. Dabei sollte über das weitere israelische Vorgehen entschieden werden. Verteidigungsminister Ehud Barak stellte nach Rundfunkangaben mehrere Einsatzpläne der Armee vor. Rechtsorientierte Politiker forderten angesichts der neuen Raketenangriffe ein hartes Vorgehen der Regierung im Gazastreifen.

          Grenzen bleiben geschlossen

          Der militärische Arm der radikalislamischen Hamas-Bewegung erklärte, der Raketenbeschuss sei eine Reaktion auf den Tod dreier seiner Aktivisten am Vorabend. Israelische Soldaten hatten die Hamas- Kämpfer erschossen, als sie am nördlichen Rand des Gazastreifens einen Sprengsatz legten. Zwei weitere Hamas-Mitglieder kamen am Mittwoch bei der vorzeitigen Explosion eines Sprengsatzes im südlichen Gazastreifen ums Leben.

          Ein israelischer Militärsprecher sagte am Morgen, die Grenzen sollten wegen der Angriffe geschlossen bleiben. Zuvor hatte Barak einer teilweisen Öffnung der Übergänge zugestimmt. Nach israelischen Medienberichten vom Mittwoch wollte Barak damit dem Drängen der internationalen Gemeinschaft entsprechen, die sich besorgt über die humanitäre Lage in dem von Hamas beherrschten Gazastreifen äußerte. Israel hat das Gebiet wegen der Raketenangriffe seit sieben Wochen fast durchgängig abgeriegelt.

          Hamas hatte sich am Dienstag zur Erneuerung einer Waffenruhe mit Israel bereiterklärt. Die am 19. Juni zwischen Israel und zwölf militanten Palästinenserfraktionen im Gazastreifen vereinbarte Waffenruhe war am vergangenen Freitag zu Ende gegangen. Insbesondere die radikale Gruppe Islamischer Dschihad hatte anschließend die Raketenangriffe auf Israel erheblich verstärkt.

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