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Tod von Al-Jazeera-Reporterin : Israel untersucht tödliche Kugel gegen Willen der Palästinenser

Wer hat sie erschossen? Gedenken an die Journalistin Abu Akleh Bild: Reuters

Die Palästinensische Autonomiebehörde hat die Kugel, die Shireen Abu Akleh tötete, an die USA ausgehändigt. Dennoch untersucht Israel nun das Geschoss.

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          Schritte zur Aufklärung des Todes der Al-Jazeera-Korrespondentin Shireen Abu Akleh haben zu einem neuen Konflikt zwischen den beteiligten Parteien geführt. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) hatte am Samstag verkündet, sie händige die Kugel des Schusses, der die Journalistin Mitte Mai während einer israelischen Militäroperation tötete, für eine Untersuchung an die Vereinigten Staaten aus. Offenbar wurde das Geschoss noch am Abend an den amerikanischen Sicherheitskoordinator für die PA übergeben.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Während die PA nach eigenen Angaben aber ausgeschlossen hatte, dass die Kugel an Israel übergeben werde, teilte der Sprecher der israelischen Armee am Sonntag mit, die Untersuchung werde von Israel durchgeführt, in Gegenwart von Amerikanern. „In den kommenden Tagen oder Stunden wird klar werden, ob wir sie versehentlich erschossen haben oder ob es die palästinensischen Bewaffneten waren“, sagte Ran Kochav dem Armeeradio. Sollte sich erweisen, dass Israel verantwortlich für den Tod Abu Aklehs war, „werden wir die Verantwortung übernehmen“.

          Laut Angaben israelischer Offizieller kam die Untersuchung auf Vermittlung des neuen israelischen Ministerpräsidenten Jair Lapid zustande. Armeesprecher Kochav sagte, die Palästinenser haben diesem Vorgehen zugestimmt. Der palästinensische Generalstaatsanwalt, Akram al-Khatib, sagte indessen auch am Sonntag, die Untersuchung solle in der amerikanischen Botschaft in Jerusalem stattfinden. Eine ballistische Untersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob die Kugel aus einer bestimmten Waffe abgefeuert wurde.

          Die PA vertraut keiner israelischen Aufklärung

          Abu Akleh hatte über eine israelische Militäroperation im Flüchtlingslager der palästinensischen Stadt Dschenin berichtet, als sie am Morgen des 11. Mai durch einen Schuss in den Kopf getroffen wurde. Sie hatte einen Helm und eine Schutzweste getragen und war als Journalistin erkenntlich gewesen. Während Al Jazeera und die Palästinenser umgehend Israel für den Tod der 51-Jährigen verantwortlich machten, legten die israelische Armee und Regierung anfangs nahe, sie sei durch ungezieltes Feuer von Palästinensern ums Leben gekommen. Später teilte die Armee mit, auch ein versehentlicher Beschuss durch einen Soldaten sei nicht auszuschließen. Dies könne jedoch nur durch eine eigene Untersuchung ermittelt werden, für welche die Kugel ausgehändigt werden müsse.

          Die PA teilte jedoch mit, sie werde die Kugel nicht aushändigen, weil sie der israelischen Seite keine objektive Untersuchung zutraue. Die palästinensische Staatsanwaltschaft kam in ihrer Untersuchung Ende Mai zu dem Ergebnis, dass die Armee Abu Akleh gezielt getötet habe. Auch die Vereinten Nationen, Rechercheorganisationen und Medien sind auf der Basis ihrer Rekonstruktionen des Vorfalls zu dem Schluss gekommen, dass der Schuss höchstwahrscheinlich von der israelischen Seite kam. Während manche dieser Untersuchungen der Armee unterstellen, gezielt auf die Journalistin und deren Kollegen geschossen zu haben, hat Israel eine Tötungsabsicht stets energisch von sich gewiesen. Eine Kriminaluntersuchung durch die Armeepolizei fand nicht statt.

          Medienberichten zufolge war massiver amerikanischer Druck für die Entscheidung der Palästinenser ausschlaggebend, die Kugel auszuhändigen. Am Donnerstag habe Außenminister Antony Blinken mit dem PA-Vorsitzenden Mahmud Abbas telefoniert und die Bedeutung einer glaubwürdigen Untersuchung zum Tod der amerikanisch-palästinensischen Reporterin hervorgehoben.

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