https://www.faz.net/-gpf-a8t0b

Israel und Syrien verhandelten : Gefangenenaustausch unter russischer Vermittlung

Israelische Soldaten am 19. November 2020 an der Grenze zu Syrien Bild: Reuters

Eine junge Israelin war der Auslöser für seltene Verhandlungen zwischen Syrien, Israel und Russland. Ihre Rückkehr aus dem verfeindeten Nachbarland in die Heimat kam erst nach einigen Hindernissen zustande – und dank Putin.

          2 Min.

          Ob es wirklich Liebe war, die eine ehemalige Ultraorthodoxe aus Israel dazu gebracht hatte, über die Landgrenze nach Syrien zu wandern, bleibt vorerst Gegenstand wilder Spekulationen. Das Abenteuer der 25 Jahre alten Israelin in einem Dorf im verfeindeten Nachbarland begann jedenfalls vor zwei Wochen.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Bald darauf wurde die Frau Gegenstand seltener Verhandlungen zwischen Syrien, Israel und Russland, das schließlich den Austausch vermittelte. Am Freitagmorgen landete die Frau schließlich, von Moskau kommend, in Tel Aviv, begleitet vom israelischen Gefangenenkoordinator Jaron Blum und dem Büroleiter des israelischen Ministerpräsidenten, Ascher Hajun.

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bedankte sich persönlich beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Zweimal habe er mit ihm über den Fall gesprochen. Der Austausch hatte sich auch deshalb in die Länge gezogen, weil sich ein  Gefangener geweigert haben soll, nach Syrien gebracht zu werden. Diab Kahamuz stammt aus dem von Israel kontrollierten arabischen Dorf auf dem Golan und sitzt wegen Anschlagsplanungen für die Hizbullah in einem israelischen Gefängnis ein. Er wollte auf dem israelisch besetzten Teil der Golanhöhen bleiben und habe ansonsten die noch 14 verbleibenden Jahre Haft vorgezogen, so die israelische Darstellung.

          Zwei Schäfer als Faustpfand

          Stattdessen setzte Israel als Faustpfand dann zwei vorgebliche Schäfer fest, die sich in der Pufferzone zwischen Israel und Syrien immer wieder zwischen den Linien bewegen und die stets im Verdacht stehen, von der Hizbullah angeworben zu sein. Israels Streitkräfte übergaben die zwei Schäfer dem Roten Kreuz in Quneitra zur Rückführung nach Syrien. Außerdem reduzierte Israel die Strafe einer Drusin, die nach einem früheren Urteil wegen Aufhetzung auf dem israelischen Teil des Golans Sozialstunden ableisten musste. Beide Maßnahmen bezeichnete das Büro Netanjahus als „Gesten des guten Willens“.

          Die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtete allerdings auch noch von einer geheimen Zusatzklausel zwischen den Verhandlungsparteien, die das Potential habe, „die israelische Öffentlichkeit zu verärgern“. Das Portal Axios wiederum gab bekannt, dass Syrien von Israel im Gegenzug „Covid-Hilfe“, wahrscheinlich Impfstoff, bekomme. Die Russen hätten die Verhandlungen zunächst auszuweiten versucht und verlangt, dass Israel seine Luftangriffe in Syrien verringere.

          Kräfte des syrischen Regimes hatten die junge Ultraorthodoxe rasch festgesetzt, nachdem diese die Pufferzone an einer bergigen und deshalb nicht eingezäunten Stelle überquert und in Syrien im drusischen Dorf Hader Bewohner angesprochen habe. Nachdem sich bald herausstellte, dass es sich bei ihr wohl nicht um eine Spionin, sondern offenbar um eine verwirrte junge Frau handelte, sollen die Syrer die dort aktiven russischen Kräfte informiert haben, woraufhin Moskau dann Israel informierte und der Fall als humanitäre Angelegenheit behandelt wurde.

          Immer wieder dient Russland als Gesprächskanal zwischen Israel und dem syrischen Regime von Baschar al Assad. Vor zwei Jahren konnten so die Überreste eines israelischen Panzersoldaten über Moskau nach Israel übergeführt werden, der 1982 im Gefecht von Sultan Jakub gefallen war. Nun zeigte sich Syrien wieder gesprächsbereit. Ob diese Gesten des guten Willens in Damaskus Hoffnungen auf eine Annäherung an den Westen erhöhen, bleibt Gegenstand von weiteren Spekulationen.

          Weitere Themen

          Erleichterung über Urteil Video-Seite öffnen

          George-Floyd-Prozess : Erleichterung über Urteil

          Präsident Joe Biden bezeichnete die Verurteilung des weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin im Fall George Floyd als einen Schritt in die richtige Richtung für Amerika. Auch in New York gingen die Menschen auf die Straße.

          Topmeldungen

          Juve-Boss Andrea Agnelli: Einer der Initiatoren und Befürworter der Super League

          Juve-Präsident Andrea Agnelli : „Verräter, wie Judas“

          Juventus-Präsident Agnelli war einer der Initiatoren der Super League. In Italien wird er heftig angefeindet – und hat sogar Ärger mit dem berühmten Taufpaten eines seiner Kinder. Nun wird bekannt: Das Projekt wird verworfen.

          Der Fall George Floyd : Amerikas Justizwesen ist kaputt

          Die amerikanische Politik bleibt in ihrer Übertreibungsspirale gefangen. Deshalb wird es auch nach dem Mordurteil in Minnepolis nicht zu den Reformen kommen, die das Land so dringend braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.