https://www.faz.net/-gpf-6xqj8

Israel und Iran : Attentat um jeden Preis

Das von einer Bombe zerstörte Auto in Delhi - offenbar wusste selbst der Mossad nichts von der Anschlagsgefahr Bild: AFP

Für Israel ist klar, dass Iran gezielt Anschläge auf seine Gesandten verübt. Bevor die Bomben in Dehli explodierten, schien jedoch nicht einmal der Mossad um die Gefahr zu wissen.

          2 Min.

          Den Bericht aus Kuweit wollte in Israel offiziell niemand bestätigen. Die Zeitung „Al Dscharida“ meldete am Donnerstag, dass in Singapur ein Mordanschlag auf den israelischen Verteidigungsminister Barak vereitelt wurde - in derselben Woche, in der in Delhi ein Anschlag auf ein israelisches Diplomatenfahrzeug verübt wurde, in Tiflis ein Sprengsatz in letzter Minute entschärft werden konnte und es in Bangkok zu einer Explosion in einer von Iranern bewohnten Wohnung kam. Die kuweitische Zeitung gilt in israelisch-palästinensischen Angelegenheiten gewöhnlich als gut informiert.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der israelische Strategieminister Jaalon gab sich am Donnerstagmittag im Rundfunk wortkarg. Von einem verhinderten Attentat wisse er nichts. Klar sei aber, dass sich Israel auf weitere Angriffe auf jüdische Ziele vorbereiten müsse. Für die israelische Regierung ist klar, dass hinter den jüngsten Terroraktivitäten Iran steckt. Teheran reagiere damit auf den internationalen Druck auf das Regime, der zuletzt nicht nur durch verschärfte Sanktionen gewachsen sei, sagte Jaalon.

          Israelische Sicherheitsfachleute nennen in diesem Zusammenhang auch das Attentat auf einen Atomwissenschaftler im Januar in Teheran; Iran hatte Israel der Tat bezichtigt. Iran wolle „um jeden Preis“ einen Anschlag verüben, zitierte die israelische Presse ungenannte Regierungsmitarbeiter. Das sei auch an den Zielen zu erkennen, die Revolutionsgarden - unterstützt von der libanesischen Hizbullah - auswählten, schrieb etwa die Zeitung „Jediot Ahronot“. Da israelische Botschafter und andere Institutionen zu gut geschützt seien, hätten sie nun auch Angehörige von Diplomaten und ausländische Botschaftsmitarbeiter ins Visier genommen, wie zuletzt in Delhi und Tiflis.

          Israelische Ermittler gehen nun Hinweisen nach, nach denen Sprengstoff und Ausrüstung für Terroristen mit diplomatischer Post aus einem Labor in Teheran nach Asien gelangt sein könnten. Bei der Durchsuchung einer von Iranern gemieteten Wohnung in Bangkok fand die thailändische Polizei Sprengstoff und Magneten. Sie sollen denen gleichen, die bei dem Anschlag auf das Fahrzeug einer Diplomatengattin in Delhi zum Einsatz kamen.

          In dieser Wohnung in Bangkok wohnten Iraner, die nach der Explosion festgenommen wurden

          In der Wohnung in Bangkok hatte sich eine Explosion ereignet, nach der die Polizei mehrere flüchtende Iraner verhaftet hatte. Für den israelischen Journalisten und Iran-Kenner Ronen Bergmann sind diese Funde kein Zufall. Auch der iranische Atomwissenschaftler sei im Januar mit einer Bombe getötet worden, die kurz zuvor mit einem Magneten an seinem Auto befestigt wurde. Die iranische Führung wolle mit den Anschlagsversuchen und den jüngsten Ankündigungen neuer Fortschritte seines Atomprogramms Härte und Entschlossenheit zeigen, bevor die internationale Gemeinschaft abermals ihre Sanktionen verschärft und im März in Iran Wahlen stattfinden.

          Aber selbst der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hatte offenbar keine genaueren Hinweise auf die drohende Anschlagsgefahr in Indien. Nach einer Meldung der Zeitung „Times of India“ hielt sich Mossad-Chef Pardo noch vor einer Woche selbst in Delhi auf. Dort soll er gesagt haben, dass sich Israelis in Indien sicherer fühlen könnten, als an vielen anderen Orten auf der Welt.

          Weitere Themen

          Das sagt Bayerns Gesundheitsministerin zur Testpanne Video-Seite öffnen

          Livestream : Das sagt Bayerns Gesundheitsministerin zur Testpanne

          Wegen der Fehler bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen steht Melanie Huml in der Kritik. Die Landes-SPD fordert ihren Rücktritt. Verfolgen Sie die Pressekonferenz der Ministerin im Livestream.

          Topmeldungen

          Eine alarmierte Fresszelle, die sich Viren einverleibt.

          Ur-Immunsystem unter Verdacht : Gift gegen das Virus

          Unser Immunsystem ist der Schlüssel gegen Covid-19. Und das steckt voller Überraschungen. Jetzt ist sogar die „schmutzige Bombe“ unserer Abwehr als mögliche Rettung für Corona-Patienten im Spiel.
          Eine Aufnahme aus dem Jahr 2010 zeigt die roten Roben der Richter in Karlsruhe.

          NS-Vergangenheit von Richtern : Rote Roben, weiße Westen?

          Das Bundesverfassungsgericht will die Verflechtungen seiner ersten Richtergeneration mit dem nationalsozialistischen Regime erforschen lassen. Das ist überfällig – und eine gewaltige Herausforderung. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.