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Eskalation in Israel und Gaza : Das Ultimatum der Hamas und Netanjahus rote Linie

Israelische Militärschläge: Über Häusern im südlichen Gazastreifen sind am Morgen des 11. Mai Rauch und Flammen zu sehen. Bild: Reuters

Nach dem heftigsten militärischen Schlagabtausch seit Jahren kündigt die Hamas eine Fortsetzung ihrer Raketenangriffe an, bis Israel seine „Aggression“ in Jerusalem beende. Die Eskalation wirkt sich auch auf die Koalitionsverhandlungen aus.

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          Die islamistische Hamas und andere Terrorgruppen im Gazastreifen begannen ihren Angriff am Abend. Sieben Raketen schossen die Milizen in Richtung Jerusalems ab, eine Eskalation wie seit dem Jahr 2014 nicht. Das israelische Parlament wurde vorsorglich geräumt. Rund zweihundert Raketen folgten in der Nacht zum Dienstag aus Gaza auf Südisrael. Eine Panzerabwehrrakete traf einen israelischen Geländewagen hinter der Sperranlage zu Gaza, ein Israeli wurde dabei verletzt.

          Jochen Stahnke
          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Durch die Raketenangriffe wurden insgesamt sechs Israelis verletzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, die Hamas habe „eine rote Linie überschritten“. Das Sicherheitskabinett ermächtigte die Streitkräfte, breit zurückzuschlagen. Netanjahu kündigte an, dies könne „einige Zeit andauern“.

          Iron Dome fing Dutzende Raketen aus Gaza ab

          Bei den israelischen Gegenschlägen und Vergeltungsangriffen wurden mindestens 24 Palästinenser im Gazastreifen getötet. Unter den Toten war nach unbestätigten Angaben aus Gaza auch ein Feldkommandeur der Hamas, nach Angaben der Nachrichtenagentur AP zudem neun Kinder. Die Armee teilte mit, ein Drittel der (meist primitiven) palästinensischen Raketen schlage schon im Gazastreifen selbst ein und könnte deshalb auch selbst Tote nach sich gezogen haben. Dutzende der Raketen wurden durch Israels Abwehrsystem Iron Dome abgefangen.

          Die Hamas hatte ihre völkerrechtswidrigen Raketenangriffe mit den „Verbrechen und Aggressionen“ begründet, die Israel in Jerusalem und auf dem Tempelberg beziehungsweise der Al-Aqsa-Moschee begangen habe. Dort waren in den vergangenen Tagen Hunderte palästinensische Jugendliche bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften verletzt worden. Die Hamas hatte am Montagabend ein ungewöhnliches „Ultimatum“ an Israel gestellt, alle Polizisten vom Al-Aqsa-Plateau (auf dem Tempelberg) sowie aus dem Jerusalemer Viertel Scheich Jarrah abzuziehen und die Festgenommenen freizulassen – andernfalls werde man „handeln“. Darauf antwortete Israel zunächst nicht.

          Dass die Islamisten den Konflikt daraufhin derart verschärfen würden, hatten wohl die wenigsten Beobachter, Diplomaten oder selbst israelische Politiker vermutet. Noch am Montag war aus dem „israelischen Sicherheitsestablishment“ zitiert worden, man erkenne bislang nicht, dass die Hamas die Situation eskalieren lassen wolle. Ein Jahr lang war es an dieser Front weitgehend ruhig geblieben. Grundsätzlich wird vermutet, der Hamas-Chef in Gaza, Jahja Sinwar, sei eher damit beschäftigt, seine Macht dort zu festigen.

          Die Hamas will als Verteidiger von Al-Aqsa auftreten

          Und viele glaubten nun, nach dem baldigen Ende des Ramadans werde sich die Lage in Jerusalem ohnehin wieder beruhigen. Doch nutzten die weitgehend isolierten Islamisten in Gaza die Gunst der Unruhen von Jerusalem offensichtlich, um sich eine Führungsrolle unter den Palästinensern (und unter den dort protestierenden palästinensischen Israelis) zu verschaffen und als die Verteidiger von „Al-Aqsa“ aufzutreten.

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