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Israel und die Emirate : Die historische Dimension einer pragmatischen Kooperation

Das Rathaus von Tel Aviv wird am Abend des 13. August in den Farben der Flagge der Vereinigten Arabischen Emirate beleuchtet. Bild: AFP

Die Formalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten ruft scharfe Kritik hervor. Zugleich will Abu Dhabi als Unterstützer der Palästinenser erscheinen. Ist das ernst zu nehmen?

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          Auf ihre jeweils eigene Art und Weise waren die Beteiligten bemüht, die Einigung vom Donnerstag einzuordnen. Der Kronprinz aus Abu Dhabi, Muhammad Bin Zayed, blieb vergleichsweise nüchtern – und konzentrierte sich auf das Thema, das viele Araber umtreibt: Dass die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel nun diplomatische Beziehungen aufnehmen wollen bedeute, dass die Idee einer Zwei-Staaten-Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt am Leben gehalten werde, verkündete er. Die „weitere israelische Annexion palästinensischen Gebiets“ werde gestoppt.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verortete die Einigung schon stärker in einer historischen Dimension: Er sprach von einer „neuen Ära in den Beziehungen zwischen Israel und der arabischen Welt“ und sagte, es werde „weitere arabische und muslimische Staaten geben, die sich dem Friedenskreis mit uns anschließen“. Er selbst habe „die große Ehre, das dritte Friedensabkommen Israels mit einem arabischen Land zu schließen“. Fast schon nebenbei wies Netanjahu die Äußerung von Kronprinz Muhammad zurück: Der Plan, Teile des Westjordanlands zu annektieren, sei nicht vom Tisch, sagte er in einer Pressekonferenz. Man habe die Pläne lediglich auf Bitten des amerikanischen Präsidenten aufgeschoben. Das steht tatsächlich auch so in dem Abkommen, das von Donald Trump Stunden zuvor überraschend auf Twitter veröffentlicht worden war.

          Kein Vergleich ist zu hoch gegriffen für Trump

          Der Präsident ließ es sich aber nicht nehmen, den Durchbruch auch noch persönlich im Weißen Haus zu verkünden. Dabei schien kein Vergleich zu hoch gegriffen: Als Namenspate für das Abkommen soll Abraham – im Islam als Ibrahim bekannt – herhalten, weil er für die Verbindung der monotheistischen Weltreligionen stehe. Schließlich handele es sich um einen „wahrhaft historischen Moment“, sagte Trump, der dann auch noch bekundete, die Verhandlungen hätten zuletzt in so guter Atmosphäre stattgefunden, dass es sich anfühlte „wie verliebt sein“.

          In einer Telefonkonferenz hatten diese offenbar recht emotionalen Verhandlungen stattgefunden. Eine Zeremonie zur Unterzeichnung des „Abraham-Abkommens“ im Weißen Haus ist laut amerikanischen Angaben aber auch noch geplant – schließlich ist in Amerika Wahlkampf. Donald Trumps Sicherheitsberater Robert O’Brien sagte, dass Netanjahu und Muhammad Bin Zayed – „oder ein anderer Prinz“ – dazu demnächst wohl nach Washington reisen würden.

          In Gaza-Stadt demonstrieren Palästinenser am 14. August gegen die angestrebte Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
          In Gaza-Stadt demonstrieren Palästinenser am 14. August gegen die angestrebte Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. : Bild: EPA

          Ein gemeinsamer Auftritt des israelischen Regierungschefs und des starken Manns der Emirate wäre der vorläufige Höhepunkt einer seit Jahren andauernden, schrittweisen Annäherung der beiden Länder. Die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen und ein Friedensvertrag wären ein Meilenstein in der Geschichte des Nahen Ostens – zumal dies tatsächlich „das Eis brechen“ könnte, wie Trump im Weißen Haus sagte, und weitere arabische Länder den Emiraten folgen könnten. Schon jetzt wird etwa Bahrein genannt oder Oman. Das Sultanat im Süden der arabischen Halbinsel, das Netanjahu Ende 2018 besucht hatte, lobte die angestrebte Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und den Emiraten am Freitag als einen Schritt hin zu einem „permanenten Frieden“ in der Region.

          In der israelischen Presse warb Abu Dhabi für eine Annäherung

          Lange Zeit hatte die arabische Welt fest zusammengestanden in ihrer Ablehnung Israels, das 1948 gegen den Willen und gegen Angriffe der Araber im historischen Palästina gegründet worden war. In der Khartum-Resolution vom 1. September 1967, kurz nach der arabischen Niederlage im Sechstagekrieg, formulierte die Arabische Liga die berühmten „drei Neins“: Nein zum Frieden mit Israel, nein zur Anerkennung Israels, nein zu Verhandlungen mit Israel.

          Erste Risse wies die Ablehnungsfront zehn Jahre später auf, als der ägyptische Präsident Anwar al Sadat Friedensgesten in Richtung Israel machte. Das führte 1979 zu einem – ebenfalls von einem amerikanischen Präsidenten, Jimmy Carter, vermittelten – Friedensvertrag. Die Annäherung brachte Sadat sowie dem israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin den Friedensnobelpreis ein – aber ansonsten kein Glück: Ägypten wurde zehn Jahre lang aus der Arabischen Liga ausgeschlossen und Sadat 1981 von einem Islamisten ermordet. Ein Grund für den Zorn der arabischen Gemeinschaft auf Ägypten war, dass Ägyptens Interessen sich vor allem darauf bezogen, den Sinai zurückzuerhalten. Die Sache der Palästinenser, so wurde es allenthalben interpretiert, habe Kairo verraten.

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