https://www.faz.net/-gpf-9zvtl

Israel und die Emirate : Fliegende Annäherung

Das weiß gestrichene Flugzeug aus Abu Dhabi mit der Hilfslieferung für Palästina am Flughafen von Tel Aviv. Bild: Reuters

Israel und die Emirate verstehen sich schon lange gut. Dass man dies in Jerusalem inzwischen auch offen kundtut, könnte für den Ausbau der Beziehungen aber kontraproduktiv sein.

          3 Min.

          Vergangene Woche landete ein weißlackiertes Flugzeug auf dem Flughafen Ben Gurion. Geladen hatte es mindestens vierzehn Tonnen medizinische Hilfsgüter für Palästina zur Bewältigung der Corona-Krise, darunter zehn Beatmungsgeräte. Doch die Botschaft des Fluges war eine andere. Die israelischen Behörden hatten die heimische Presse zur Landung bestellt, was die anonyme Lackierung hinfällig machte: Es handelte sich um den ersten öffentlich gemachten Direktflug der Vereinigten Arabischen Emirate nach Israel. Die VAE unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mit Israel, sind allerdings der Golfstaat mit dem wohl engsten Verhältnis zu dem Land. Gleichzeitig ist die Beziehung zwischen Abu Dhabi und Ramallah kühl. Dies gilt umso mehr, seit die Emirate in Muhammad Dahlan einen der einflussreichsten Widersacher des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas innerhalb von dessen Fatah-Partei beherbergen.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Es heißt, ursprünglich habe der Etihad-Frachtflug über das jordanische Amman gehen sollen. Aus „politischen Gründen“ sei dann jedoch Tel Aviv gewählt worden. Welche Rolle dabei Dahlan und welche die israelische Regierung spielten, ist ungewiss. Die Palästinensische Behörde lehnte die Annahme der vermeintlichen Hilfslieferung jedenfalls ab. Ministerpräsident Muhammad Shtajjeh sagte im regierungsnahen Blatt „Al Ajjam“: „Wir hörten von der Hilfslieferung aus der Zeitung, sie war weder mit uns noch unserem Botschafter in den VAE koordiniert worden.“ Die der Palästinenserführung nahestehende Nachrichtenagentur Maan zitierte Behördenvertreter mit den Worten, man weigere sich, als Brücke für arabische Staaten zu dienen, die eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel wünschten.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Mallorcas Zukunft : Die Sauftouristen sind nicht da

          Corona hat Mallorca ins Mark getroffen und könnte es für immer verändern. Das hoffen viele, fürchten manche – und lässt niemanden kalt: Besuch auf einer verwundeten Insel.