https://www.faz.net/-gpf-7sbyu

Israel und Amerika : Misstrauen unter Partnern

Kryptotelefon oder einfaches Handy? Außenminister John Kerry Bild: REUTERS

Israels Geheimdienst hat angeblich Telefonate des amerikanischen Außenministers abgehört, als der im Nahostkonflikt vermittelte. John Kerry soll es dem Mossad leicht gemacht haben.

          2 Min.

          Das Verhältnis zwischen dem amerikanischen Außenminister John Kerry und der israelischen Regierung ist alles andere als vertrauensvoll. Erst vor einer Woche warfen Regierungsmitglieder in Jerusalem Kerry vor, bei seinen Vermittlungsbemühungen in Gaza Israel in den Rücken gefallen zu sein. Ein Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ gibt einen weiteren Hinweis darauf, wie groß das israelische Misstrauen gegenüber dem amerikanischen Chefdiplomaten angeblich ist: Schon während Kerrys vergeblicher Bemühungen um ein Friedensabkommen mit den Palästinensern sei er vom israelischen Geheimdienst abgehört worden. Offenbar hatte Kerry es den Agenten leicht gemacht. Er habe nicht nur verschlüsselte Leitungen, sondern auch gewöhnliche Telefone benutzt, die relativ einfach abgehört werden können, heißt es in dem Bericht.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Kerry ist wahrscheinlich nicht der einzige einflussreiche Amerikaner, für den sich der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad interessiert. „Die Israelis sind außerordentlich gute Partner bei der nachrichtendienstlichen Informationsgewinnung, aber sie nehmen uns auch ins Visier, um unsere Haltung zu den Problemen im Nahen Osten zu verstehen“, schrieb im Mai der amerikanische Journalist Glenn Greenwald. In seinem Buch zitierte er aus dem Material seines Informanten Edward Snowden. Nach Snowdens Angaben verfügt Israel nach China und Russland über den „aggressivsten“ Geheimdienst. Das stehe im Bericht der amerikanischen Geheimdienste zur allgemeinen Bedrohungslage (National Intelligence Estimate) aus dem Jahr 2013. In Israel wurden diese Berichte empört zurückgewiesen.

          Telefonieren im Schutzzelt

          Die amerikanische Vorsicht scheint schon längere Zeit groß zu sein. So reise nicht nur der amerikanische Präsident Barack Obama im Ausland oft mit einem abhörsicheren Zelt, das in seiner Hotelsuite aufgestellt werde, berichtete die Zeitung „New York Times“ im vergangenen November. Als einer der Ersten habe der frühere CIA-Chef George Tenet das Zelt genutzt; der Geheimdienstchef war bis zum Jahr 2004 oft im Nahen Osten unterwegs. Man sei immer besonders nervös geworden, wenn die israelischen Gastgeber ein Zimmer im Jerusalemer King-David-Hotel reservieren wollten, zitiert die Zeitung einen früheren Geheimdienstmitarbeiter – man fürchtete, dass der Raum zuvor mit Abhöreinrichtungen versehen worden war.

          Die traditionell enge Zusammenarbeit der Geheimdienste beider Staaten wurde zum ersten Mal Ende der achtziger Jahre getrübt. Damals wurde der jüdische Amerikaner Jonathan Pollard zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er als Nachrichtenoffizier der amerikanischen Marine für Israel spioniert hatte. In Israel wird Pollard wie ein Held verehrt. Im April wäre er fast – in einem von Kerry unterstützten – Austausch mit palästinensischen Gefangenen freigekommen.

          Viel spricht dafür, dass auch Amerikaner die Israelis bespitzeln. Edward Snowden legte Ende 2013 Material vor, das belegen soll, dass der amerikanische Geheimdienst NSA führende israelische Politiker im Visier hatte. Demnach sollen im Frühjahr 2009 die E-Mails des damaligen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und seines Verteidigungsministers Ehud Barak mitgelesen worden sein. In Israel hielt sich die Aufregung über diese Berichte in Grenzen. Ein Grund dafür könnten frühere Enthüllungen Snowdens sein: Sie zeigten, dass die NSA in der Vergangenheit israelischen Diensten großzügig Material aus eigenen Abhöraktionen zukommen ließ.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Armin Laschet nach der Präsidiumssitzung der CDU am Montag in Berlin

          Laschet in Not : Warten auf die Wende

          Die launige Stimmungsdemokratie tut Laschet nicht den Gefallen einer „Wende“ durch die Medien. Auf die konnte sich die CDU noch nie verlassen. Aber das war und ist nicht die Schwäche der Union, sondern ihre Stärke.
          Frank Plasberg wollte anhand von Leitfragen die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen.

          TV-Kritik Hart aber fair : Die Nato wird wohl nicht aufgelöst

          Frank Plasberg hat sich kurz vor der Wahl etwas Besonderes ausgedacht. Mit Leitfragen will er die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen. Doch am Ende entgleitet es ins Aberwitzige.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.